20.11.2007

Jörg Sievers im Interview

„Der Kleinste geht in die Kiste“

Wie wird man Torwart? Vor allem: Wie wird man ein guter Torwart? Darüber sprachen wir mit Hannovers Urgestein Jörg Sievers, einst umjubelter Elfmeterkiller und heute der engste Vertraute des heimlichen Nationalkeepers Robert Enke.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Wie hält man die Spannung bzw. wie baut man sie ab, wenn man nicht spielt?

Anfangs gab es natürlich immer wieder Tage, an denen ich total niedergeschlagen war und ich auch nicht so viel Gas gegeben habe wie gewohnt. Doch bald habe ich mich im Training wieder doppelt reingeschmissen, weil ich natürlich auch nicht aufgeben wollte.

Welches Spiel würden Sie als das Spiel Ihres Lebens bezeichnen?


(lacht) Mensch, das ist keine einfache Frage. (überlegt) Der Pokalsieg `92 war insgesamt natürlich etwas Tolles, was man nicht alle Tage erlebt. Das Halbfinale war das Spiel, in dem ich mich in den Vordergrund gespielt habe: Zwei Elfmeter gehalten, einen selbst verwandelt. Doch auch der Zweitliga-Aufstieg `98 gegen TEBE Berlin: Als wir nach der 0:2-Heimpleite nach Berlin mussten, und das Ding noch gedreht haben. Wahnsinn!

Ein Torwart kann Spiele alleine verlieren und fast alleine gewinnen. Können Sie den besonderen Druck beschreiben, unter dem die Torhüter stehen?


Es stimmt natürlich: Wenn der Torhüter den Ball durchlässt, fällt ein Tor für den Gegner. Ich bin der letzte Mann, und ich entscheide über Tor oder nicht Tor. Man steht schon unter einer gewaltigen Anspannung, doch man gewöhnt sich an den Druck und lernt, damit umzugehen. Letztendlich verliert man aber mit der Mannschaft, und man gewinnt mit der Mannschaft.

Nach Ihrer Spielerzeit sind Sie bei Hannover 96 Torwarttrainer geworden. Ist man als ehemaliger Torwart eigentlich schon Torwarttrainer, oder bedarf es noch einer zusätzlichen Ausbildung beim DFB?


Nein, es bedarf keiner zusätzlichen Ausbildung beim DFB, jeder kann Torwarttrainer sein. Ich denke aber, es ist von großem Vorteil, wenn ein Torwarttrainer selbst auch Profitorwart gewesen ist. Allein von den Trainingsübungen her, vom Kopf her, von der Einstellung.

Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Torwart aus?


Heutzutage muss ein Torwart ziemlich komplett sein. Es reicht nicht mehr, nur auf der Linie stark zu sein oder nur jede  Flanke zu pflücken. Ein sehr guter Torhüter muss alles beherrschen, vom Abschlag bis zur Parade darf er kaum mehr Schwächen zeigen.

Wie viele Übungen werden jetzt noch in Ihrem Training gemacht, die Sie als Torwart schon machen mussten?


Ich hatte damals gar keinen Torwarttrainer und musste mit den Feldspielern mitschwimmen. Wenn ich Glück hatte, haute mir der Co-Trainer ein paar Bälle aufs Tor. Es hat sich in dem Bereich schon einiges getan. Ich mache mit dem Robert Enke aber keine Übungen, von denen ich weiß, dass sie mir damals schon nichts brachten.

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