20.11.2007

Jörg Sievers im Interview

„Der Kleinste geht in die Kiste“

Wie wird man Torwart? Vor allem: Wie wird man ein guter Torwart? Darüber sprachen wir mit Hannovers Urgestein Jörg Sievers, einst umjubelter Elfmeterkiller und heute der engste Vertraute des heimlichen Nationalkeepers Robert Enke.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Herr Sievers, wie begann eigentlich Ihre Torhüter-Karriere?

Ich habe noch drei ältere Brüder, die immer schon Fußball spielten und mich dann mal mitnahmen, als ich alt genug war. Und wer ging natürlich in die Kiste? Der Kleinste (lacht). Ich habe dann später auch im Verein als Torhüter gespielt. Obwohl, zwei Jahre habe ich auch noch draußen gespielt, ehe ich mich in der C-Jugend endgültig entscheiden musste, weil wir im Verein ab da keinen Torwart mehr hatten.



Und welche Position haben Sie auf dem Feld gespielt?


Ich war ein sehr guter Stürmer.

Warum haben Sie sich nicht für die Position des Stürmers entschieden?


Ich hatte das Glück, dass ich einen sehr guten Trainer hatte, der auch selbst Torwart war. Er hat viel mit mir trainiert und mich gefördert, deswegen fiel die Entscheidung gegen die Stürmerposition nicht sonderlich schwer.

In der Saison ‘89/’90 sind Sie zu Hannover 96 gewechselt. Stammtorhüter Ralf Raps hatte gerade seine Karriere beendet. Der Trainer hatte die Wahl zwischen Andreas Nagel und Jörg Sievers. Erzählen Sie uns von der damaligen Torwartsituation in Hannover.


Ich bin aus der dritten Liga von Wolfsburg zu Hannover 96 gekommen, und es war klar, dass ich hinter Nagel der Ersatztorwart sein sollte. Doch wie es im Fußball manchmal so ist, konnte der Andreas Nagel in den ersten Spielen nicht überzeugen und machte den ein oder anderen Fehler. Bereits am fünften Spieltag stand ich gegen Fortuna Köln dann zwischen den Pfosten.

Freut man sich als Ersatztorwart über solche Fehler des Stammtorhüters?

Nein, man freut sich sicherlich nicht, man nimmt das zur Kenntnis. Ich hatte aber trotzdem nicht erwartet, dass es so schnell geht. Der Andreas hat im Training wahnsinnig gut gehalten. Ich habe in der Zeit nur gedacht, Gott oh Gott, an dem kommst du niemals vorbei. Nach drei, vier Wochen war es dann doch schon soweit: Die haben mich ins Tor gestellt, und ich habe versucht, das Beste zu geben. Und das hat am Ende wohl gereicht.  

Die anschließenden 12 Spielzeiten waren Sie im Tor von Hannover 96 gesetzt. Hatten Sie in dieser Zeit Mitleid mit Ihren Konkurrenten?

(lacht) Nein, nein. Als Torhüter hast du die Gewissheit, wenn du das Spiel ohne große Fehler hältst, dann spielst du auch die nächste Partie. Das war den Ersatztorhütern genauso bewusst. Deswegen würde ich jetzt nicht sagen, sie hätten mir leid getan. Ich hatte immer ein sehr gutes Verhältnis zu den zweiten Torhütern.

In Zeiten von Oliver Kahn denkt man, Torhüter müssten irgendwie verrückt sein. In welchem Sinne waren Sie verrückt?


Ich bin vom Typ her ganz ruhig und habe immer nur versucht, meinen Job zu machen. Von daher würde ich mich nicht unbedingt als verrückt bezeichnen.

In der Saison ‘02/’03 wurden Sie - als das Hannoversche Urgestein - nach 16. Spieltagen plötzlich von Gerhard Tremmel ersetzt. Was war passiert?


Wir sind 2002 in die 1. Bundesliga aufgestiegen. Am Anfang lief es nicht so gut, doch wir haben uns dann irgendwann gefangen. Zum Ende der Hinserie sagte mir der Trainer (Ralf Rangnick, Anm. d. R.), dass meine Leistung nicht mehr ausreichen würde, und dass er es gerne mit Gerhard Tremmel versuchen würde. Das hat er dann auch getan.

Wie kann man sich Ihre Situation als Ersatztorhüter vorstellen?  

Es hat sich eigentlich gar nicht so viel geändert - außer dass ich samstags nicht mehr spielen durfte. Die Stimmung zu Gerhard Tremmel hat darunter nicht gelitten. Auf den Trainer war ich natürlich sauer.

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