Jörg Lipinski schmiss 1992 Schalke aus dem Pokal

»Die Hafenstraße hatte etwas Mystisches«

Rot-Weiss Essens Jörg Lipinksi schoss in der zweiten Pokalrunde der Saison 1992/93 ein legendäres Tor gegen den FC Schalke. Hier erinnert er sich an einen geschlagenen Jens Lehmann und spricht über das heutige Zweitrundenspiel gegen Hertha BSC. Jörg Lipinski schmiss 1992 Schalke aus dem Pokal

Jörg Lipinski, in der zweiten Runde des DFB-Pokals 1992/93 schossen Sie ein ganz besonderes Tor für Rot-Weiss Essen gegen Schalke 04. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Jörg Lipinski: Es lief die 90. Minute, Spielstand 1:0 für uns.Mein Mitspieler Thomas Ridder schlägt den Ball hinten raus und ich sehe den hohen Ball, den Jens Lehmann annehmen will. Den Rest der Situation habe ich kaum wahrgenommen. Da ich momentan als Bezirksligatrainer in Essen tätig bin, werde ich auf vielen Plätzen von den Zuschauern auf das Tor angesprochen. Gerade bei den Älteren ist das Tor heute noch in aller Munde (Video).

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Sie liefen allein auf das leere Tor zu, stoppten den Ball vor der Torlinie und warteten vier Sekunden, bis Sie ihn über die Linie schoben. Wollten Sie die Schalker demütigen?

Jörg Lipinski: Alle, mit denen ich über das Tor spreche, fragen mich, was ich mir dabei gedacht habe. Aber in so einem Moment denkt man nicht. Das war eine Spontanhandlung, die bis heute nicht zu erklären ist.

Aber Sie haben die Situation genossen?

Jörg Lipinski: Selbstverständlich habe ich den Moment auf der Torlinie genossen. Ich habe mich umgedreht, sah meine Jungs jubeln, die Zuschauer, alles. Beinahe hätte ich vergessen den Ball reinzuschieben, ich wollte schon alle umarmen und damit signalisieren: »Jetzt haben wir sie am Boden!« 

In der darauf folgenden Saison gelang Rot-Weiss Essen der Einzug ins Pokalfinale.

Jörg Lipinski: Für uns als Mannschaft war es damals eine schwierige Zeit, wir standen in der Tabelle der 2. Bundesliga weit unten und mussten schließlich sogar zwangsabsteigen. Die Pokalspiele waren in der Phase eine besondere Motivation für uns. Da haben wir alles aus uns rausgeholt. Dazu kam das Glück in der Auslosung, wir hatten Heimspiele. Die Euphorie des Publikums hat sich auf uns übertragen. Dieses Gefühl bleibt allen Spielern, die diese Pokalspiele mitgemacht haben, ein für alle Mal erhalten.

Rot-Weiss Essen bekam damals den Ruf des Pokalschrecks?

Jörg Lipinski: Diesen Titel haben wir uns damals erarbeitet. Alle anderen Mannschaften waren gewarnt, wenn sie im Pokal zu uns mussten. 

Was machte diesen besonderen Essener Pokalgeist aus?

Jörg Lipinski: Es ist das Publikum an der Hafenstraße. Wenn ich mit meinen anderen Vereinen, Rot-Weiß Oberhausen oder Fortuna Köln im Pokal gespielt habe, dann war das nicht dieses Prickeln. Dieser Ort, die Hafenstraße hatte damals was Mystisches.

Sprechen wir über die aktuelle Runde. Nach dem Sieg gegen Union Berlin kommt nun Hertha BSC an die Hafenstraße. Kann Rot-Weiß Essen in diesem Spiel bestehen?

Jörg Lipinski: Um in einem Pokalspiel gegen einen Gegner aus der ersten Bundesliga zu bestehen braucht es Leidenschaft. Es braucht die Bereitschaft um jeden Zentimeter, jeden Grashalm zu fighten. Dann ist sicherlich auch in diesem Spiel etwas drin. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Bundesligisten immer wieder straucheln. Da kann der Trainer noch so viel warnen.

Sie klingen optimistisch.

Jörg Lipinski: Ich bin wirklich positiv gestimmt, dass für Rot-Weiss etwas möglich ist. Wenn man zunächst hinten sicher steht lange das 0:0 hält, kann man im Verlauf der zweiten Halbzeit ein bisschen mehr Risiko eingehen.

Essen hat die letzten vier Partien der Regionalliga-West verloren. Ein Nachteil?

Jörg Lipinski: Es wäre natürlich hilfreich gewesen, in der Liga ein bisschen Selbstvertrauen zu tanken, keine Frage. Trotzdem wird es für diese Begegnung keine Rolle spielen. Es ist eine ganz andere Situation als gegen die zweiten Mannschaften von Leverkusen oder Mainz zu spielen. Dieses Spiel wird einen ganz anderen Reiz haben.

Werden Sie sich das Spiel im Stadion anschauen?

Jörg Lipinski: Nein, ich bin unterwegs. Ich betreibe Fußballschulen und muss trainieren. Ich kann es leider nur in der Zusammenfassung verfolgen. Ich hoffe aber, dass die Jungs weiterkommen und ich dann beim nächsten Heimspiel dabei sein kann.

Wollen Sie noch einen Tipp abgeben?

Jörg Lipinski: 1:0 für Essen nach Verlängerung.

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