25.07.2008

Jörg Butt im Interview

»Eine unglaubliche Qualität«

Butt-Butt-Butt ist back: Beim FC Bayern soll er Michael Rensing helfen, erwachsen zu werden. Hier spricht er über seine Rolle als Ziehvater, sein Jahr in Lissabon und Jürgen Klinsmanns Revolution.

Interview: Alex Raack Bild: Imago
Auch Ihre Rolle scheint bereits vorgeschrieben zu sein: Sie sollen Michael Rensing bei seiner Entwicklung unterstützen. Sehen Sie das für sich ebenfalls als Hauptaufgabe?

Naja, was heißt, ihn bei seiner Entwicklung zu unterstützen? In erster Linie geht es darum… (zögert) das ganze Team in der Entwicklung zu unterstützen. Ich persönlich bereite mich ja genauso darauf vor, als wenn ich am ersten Spieltag spielen würde. In erster Linie konzentriere ich mich beim Training also auf mich, damit ich für den Fall der Fälle auch einsatzbereit bin, um dem Team auch helfen zu können. Es ist natürlich auch wichtig, sich im Training gegenseitig hoch zu pushen. Man darf sich nicht hängen lassen, sondern einen Druck aufbauen, der dann leistungsfördernd ist. Das machen auch wir Torhüter gemeinsam, und da geht es nicht darum, dem anderen ein Bein zu stellen. Man muss versuchen, die Trainingsqualität insgesamt hoch zu halten. Ich bin mit meiner Situation ja auch nicht alleine, beim FC Bayern wird es sicherlich den einen oder anderen Härtefall geben, es können halt nur elf Spieler auf dem Platz stehen. Es wird auch unzufriedene Spieler geben, nur dann kommt es darauf an, wie man sich verhält: Lässt man sich hängen und spielt die beleidigte Leberwurst, oder versucht man sich über gute Trainingsleistungen wieder ins Team zu spielen?

Ihre Wahl?

Natürlich die zweite Variante. Auch in der kommenden Saison zählen für den FC Bayern nur Titel, nach einem Jahr Zwangspause greift man nun wieder auch in der Champions League an. Da wird es genügend Spiele geben, und jeder wird auf seine Einsatzzeiten kommen, da bin ich mir sicher.

Jürgen Klinsmann hat in den vergangenen Wochen häufiger betont: »Meine Philosophie ist es, jeden Spieler jeden Tag besser zu machen.« Kann er denn auch bei Ihnen, mit 34 Jahren, noch etwas verbessern?

Doch, natürlich. Es gibt noch eine andere Fußball-Floskel: Wenn du aufhörst dich zu verbessern, machst du Rückschritte. Beim Training hier hast du eine unglaubliche Qualität, dass auch ich mich noch weiter entwickele, mich auch verbessern kann. Auch das Jahr in Lissabon hat mich nach vorne gebracht…

Können Sie das konkretisieren?

Ich habe vor allem menschlich davon profitiert. Es war spannend eine neue Kultur kennen zu lernen, sich in einer Mannschaft durchzusetzen, wo eben nicht deine Sprache gesprochen wird, wo du versuchen musst, dich zu integrieren. Ich musste eine neue Sprache lernen, mich neu zu Recht zu finden. Es ist in Lissabon auch nicht so durchorganisiert wie in Deutschland, speziell wie hier in München. Das geht bei der Wohnungssuche los, Behördengänge und so weiter. Solche Dinge im Ausland mitzuerleben war für mich eine ganz wichtige Erfahrung.

Seit über zehn Jahren spielen Sie jetzt auf einem hohem Niveau Fußball, waren in der Champions League, bei der Europa- und Weltmeisterschaft und doch stehen Sie noch ohne Titel da. Sind die Bayern der richtige Verein, um diese Scharte auszuwetzen?

Ja, schon. Aber um Titel zu gewinnen, muss alles stimmen, muss alles passen. Über das Vize-Jahr in Leverkusen möchte ich zwar nicht so gerne sprechen, aber da hatten wir einen sehr kleinen Kader und zum Schluss ging uns letztlich die Puste aus. Zwei weitere Erlebnisse fallen mir noch ein: Erstens die EM 2000 in Belgien und Holland. Da waren wir kein Team, es gab Grüppchen, jeder hat für sich gespielt, jeder hat auf sich geschaut. Entsprechend war dann auch das Ergebnis. Das absolute Gegenteil war die Weltmeisterschaft 2002, wo wir nur ganz knapp am WM-Titel vorbeigeschrammt sind. Man denke nur an den Freistoß von Olli Neuville! Wenn der statt an den Pfosten ins Tor geht, hätte ich gerne gesehen, wie Brasilien uns noch geschlagen hätte. 2002 hat jeder mitgezogen, egal ob er Stammspieler oder Ersatzmann war. Da hat alles gestimmt, im Training haben wir Vollgas gegeben und es auch beim Feiern zusammen krachen lassen. Das gehört eben auch dazu. Wenn diese ganzen Details stimmen, kann es zum Titel reichen, auch in der Champions League, denn wenn man die Gruppenphase übersteht, entscheiden halt lediglich Details auf diesem Niveau.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden