Jörg Albertz über Schiebung in China

»Vom Regen in die Traufe«

Zwei Jahre spielte Jörg Albertz in China - und wunderte sich über manch haarsträubende Entscheidung der Schiedsrichter und einige kuriose Fehler seiner Mitspieler. Ein Gespräch über den Fußball im Reich der Mitte. Jörg Albertz über Schiebung in China

Herr Albertz, im Januar 2003 wechselten Sie nach China zu Shanghai Shenhua. Warum zog es Sie ins Reich der Mitte?

Ich lag mit dem damaligen HSV-Trainer Kurt Jara im Clinch. Man sagte mir, dass ich unter ihm nie wieder spielen würde. Ich bin nicht der Typ, der sich zwei Jahre auf die Tribüne setzt und sich für Nichtstun bezahlen lässt. Die Transferlisten waren aber schon geschlossen, es kam nur noch Amerika oder China in Frage.

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Nach zwei Jahren kehrten Sie China wieder den Rücken. Warum?

Im ersten Jahr wurden wir Meister. Mit der gleichen Mannschaft haben wir dann in der folgenden Saison fast gegen den Abstieg gespielt. Es gab Spiele, in denen der Torwart daneben gegriffen hat bei Bällen, die ein E-Jugendlicher halten würde. Bei einigen Schiedsrichterentscheidungen konnte man sich nur an den Kopf fassen.

Erinnern Sie sich an Entscheidungen, die besonders haarsträubend waren?

Im Auswärtsspiel beim Dauermeister Dalian gab es eine Szene, die unbegreiflich war. Der Gegner war auf unserer linken Seite durch und flankte unbedrängt hinters Tor. Es gab im Umkreis von zehn Metern keinen Spieler von uns. Und der Schiedsrichter gab Ecke!

Wie ging Ihre Mannschaft damit um?

Aus den eigenen Reihen hieß es nur, dass das eben so sei in China. Mein Übersetzer sagte mir, ich solle die Füße stillhalten und mich nicht über das Thema aufregen. In China macht man generell, was der Vorgesetzte sagt. Sonst wird man ganz schnell durch jemand anderen ersetzt. So etwas kann ich aber nicht einfach so hinnehmen, weswegen ich am Ende dann auch wieder aus China weggegangen bin.

Waren Manipulationen gang und gäbe?

Beweise gab es keine. Aber an allen Ecken und Enden hörte man, dass es Manipulationen gab, dass beispielsweise eine Mannschaft eine andere schmiert oder dass ein Verein einzelne Spieler des Gegners bezahlt, um ein Spiel zu gewinnen. Vor einem Spiel wurde schon mal der gegnerische Torwart oder ein Abwehrspieler angerufen, die dafür bezahlt wurden, zum Beispiel Elfmeter zu verursachen.

Wurde von offizieller Seite nichts gegen die Absprachen getan?

Nach meinem Abschied soll es Gegenmaßnahmen gegeben haben. Inwieweit die erfolgreich waren, weiß ich nicht.

Im Januar 2005 kehrten Sie nach Deutschland zurück. Kurz darauf erschütterte der Hoyzer-Skandal die Liga.

Ich kam vom Regen in die Traufe. Als das mit Hoyzer losging, dachte ich nur: Das kann nicht wahr sein! Dass so etwas in Deutschland möglich ist, hätte ich mir überhaupt nicht vorstellen können.

Fühlten Sie sich in Ihren sportlichen Idealen betrogen?


Meine Überzeugung war immer: Man misst sich mit dem Konkurrenten auf sportliche Weise. Entweder man schafft es auf diese Art zu gewinnen oder eben nicht.

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