16.08.2008

Jochen Seitz im Interview

»Retorte ist falsch«

Mit der Verpflichtung von Jochen Seitz unternahm Hoffenheim vor drei Jahren den Versuch, gestandene Profis in ein junges Team zu integrieren. Wir sprachen mit ihm über das Leben auf dem Land und seinen Traum, eines Tages sein Foto im Klubheim zu sehen.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Am Samstag beginnt die Saison für Hoffenheim gegen Cottbus. Hätten Sie bei ihrem Wechsel Anfang 2006 gedacht, dass der Aufstieg in die 1. Bundesliga so schnell geht?

Sicherlich war damit nicht zu rechnen, aber ich kannte das langfristige Konzept und wusste, dass die TSG in naher Zukunft eine gute Rolle spielen wird. Der Wunschtraum war natürlich da, erwartet habe ich es nicht.



Für Sie ist es eine Art Comeback. Wenn man im besten Fußballeralter in die Dritte Liga wechselt klingt das nach Abstellgleis.

(lacht) Manchmal ist ein Schritt zurück auch ein Schritt nach vorne. In Kaiserlautern hatte ich unter Trainer Wolf nicht mehr gespielt und bevor ich mich auf die Bank setze, gehe ich lieber zu einem anderen Verein, wo ich auch spiele. Ich kannte das Konzept von Hoffenheim, wusste dass dort ein Trainer ist, der auf mich baut.

Als Sie zur TSG wechselten war Lorenz-Günther Köstner noch Trainer, alsbald kam dann jedoch Rangnick. Wie gingen Sie mit der veränderten Situation um?


Das erste halbe Jahr unter Köstner war problematisch. Ich war verletzt und die ganze Mannschaft konnte nicht die erwartete Leistung bringen, deshalb musste Köstner am Ende der Saison gehen. Für mich war das sehr schade, denn er ja auch einer der Gründe weshalb ich nach Hoffenheim gekommen bin. Ein neuer Trainer kommt immer mit neuen Ideen und Konzepten, doch ich kannte Rangnick noch aus der Zeit in Stuttgart, ich wusste also, was auf mich zukommt.

Sie haben in ihrer Bundesliga Laufbahn schon bei Unterhaching, Stuttgart, Schalke und Kaiserlautern gespielt. Ist Ralf Rangnick wirklich so modern und fortschrittlich im Vergleich zu ihren vorherigen Trainern? Oder ist das nur das Klischee des Fußballprofessors?

Man lernt schon bestimmte Dinge, die ich vorher nicht kannte.

War es hilfreich für Sie schon mal bei einem anderen »Dorfverein«, nämlich der SpVgg Unterhaching gespielt zu haben, um in Hoffenheim keinen Kulturschock zu erleiden?

(lacht) Nein, das Problem habe ich überhaupt nicht. Ich komme ja selber aus einem kleinen Dorf (Anm. d. Red.: Erlenbach am Main). Dort sind auch noch meine Kumpels und Freunde von früher – ich bin gerne auf dem Land. Hoffenheim ist für mich kein Kulturschock.

War es nicht aus sportlicher Sicht frustrierend nach sechs Jahren Bundesliga wieder gegen Clubs wie Emden oder Elversberg spielen zu müssen oder die U23 Mannschaften der Bundesligavereine?

Man muss sich umstellen. Das ist natürlich ein Unterschied, ob man gegen die Profis des FC Bayern München spielt oder gegen die 2. Mannschaft. Auch braucht man eine gewisse Eingewöhnungszeit um sich zu 100 Prozent auf das Thema einzustellen. Nach dieser Eingewöhnungszeit von einem halben Jahr ging es steil bergauf. Nach zwei Aufstiegen kann man im Nachhinein sagen, dass man alles richtig gemacht hat.

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