Joachim Löw im Interview

»Es wird sehr weh tun«

Das 3:0 gegen Ungarn hat Joachim Löw und der deutschen Nationalmannschaft gut getan, jetzt muss der Bundestrainer die nächsten unpopulären Entscheidungen treffen. Im Interview spricht er über darüber. Joachim Löw im Interview

Joachim Löw, wie fällt nach dem 3:0 in Ungarn Ihr Fazit aus?

Ich beginne damit, was ich der Mannschaft in der Halbzeit gesagt habe. Wir haben vieles gut gemacht, in der Organisation, im Spiel nach vorne. Wir haben gut kombiniert, aber mit der Chancenverwertung bin ich keineswegs zufrieden. Wir hatten vier, fünf Riesenchancen.

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Wie haben Sie die zweite Hälfte gesehen?

Die ersten 20 Minuten haben mir nicht gefallen. Da waren wir nicht im Spiel, haben nicht flüssig kombiniert. Danach lief es wieder besser. Vielleicht ist das darauf zurückzuführen, dass wir jetzt zweieinhalb Wochen intensiv trainiert haben und die Mannschaft das Tempo noch nicht 90 Minuten gehen kann. Insgesamt habe ich aber viel Positives gesehen.

Wie bewerten Sie die bisherige Vorbereitungsphase?

Die Vorbereitung lief bisher sehr gut. Trotz des Ausfalls von Michael Ballack sehe ich viel Potenzial bei unseren jungen Spielern. Jetzt kommen noch die Bayern-Spieler dazu. Jetzt geht es darum, dass wir uns einspielen.

Sie müssen noch zwei Spieler streichen. Gibt es nach dem Länderspiel neue Erkenntnisse?

Ich will darüber nicht spekulieren. Wir werden uns zusammensetzen und genau überlegen, wie die beste Zusammensetzung aussieht. Es wird auf jeden Fall weh tun.

Wie hat Ihnen die Defensive gefallen, insbesondere Sami Khedira als Ersatz für Michael Ballack?

Die haben das gut gemacht, auch ein Toni Kroos auf dieser ungewohnten Position. Die Abwehr stand bis auf wenige Ausnahmen kompakt. Sami Khedira hat sehr gut gespielt. Es war schade, dass er zur Pause raus musste. Aber ich wollte kein Risiko eingehen. Er war schon in der U21 Führungsspieler, und ist das auch beim VfB. Er hat viele Qualitäten in seinem Spiel. Ich bin sicher, dass er eine gute WM spielen kann und in der Lage ist, da für Michael Ballack zu spielen.

Hat Marcell Jansen den Test bestanden?

Ich habe nicht gesehen, dass er größere Probleme hatte. Ich werde jetzt noch einmal mit ihm und den Ärzten sprechen. Die WM ist eine hohe Belastung. Aber wenn Marcell fit ist, ist er wichtig für uns.

Wie sehen Sie die Form bei Miroslav Klose?

Dass er noch nicht in Form ist, ist klar. Uns war bewusst, dass dies kein leichtes Unterfangen wird. Miro hat lange nicht gespielt. Es ist harte Arbeit für ihn und uns, ihn auf das Niveau zu bringen.

Wird die Zeit nicht langsam etwas knapp?

Es gibt noch Zeit, aber Miro muss im Training mächtig arbeiten, um Sicherheit und Selbstbewusstsein zu bekommen. Aber er ist auch ein Spieler, der die Wettkampfsituation kennt. Er war immer dann da, wenn man ihn schon abgeschrieben hat. Dann hat er in harten Kämpfen zugeschlagen.

Wie wichtig ist, dass Sie ab Montag erstmals den kompletten Kader im Training haben?

Ich habe diesen Tag eine ganze Weile herbeigesehnt, dass alle zusammen trainieren können. Es ist wichtig, dass Lahm, Schweinsteiger und Müller dabei sind. Es geht jetzt darum, gesamtheitlich die Dinge einzuspielen. Bei Lahm und Schweinsteiger sehe ich aber keine großen Integrationsprobleme. Wichtig ist, dass wir zusammen auf dem Platz stehen.

Sie haben eine junge Mannschaft. Was trauen Sie den jungen Spielern bei der WM zu?

Wir haben viele Spieler, die nicht allzu viel Erfahrung haben. Aber alle verfügen über ein hohes Potenzial. Man muss nun abwarten, wie gerade die jungen Spieler bei der WM in Extremsituationen reagieren. Einige werden uns sicher überraschen, bei anderen wird es etwas schwierig sein.

Sind Sie von Ihrem Kurs weiter überzeugt?

Wir haben uns so entschieden, weil die jungen Spieler gut, weil sie einfach auch belastbar sind. Wir haben volles Vertrauen. Wenn man in Ungarn gesehen hat, wie klar ein Khedira, Özil oder Kroos mit ihren wenigen Länderspielen schon agieren. Aber auch ein Holger Badstuber hat nach seiner Einwechslung unaufgeregt, ruhig und abgeklärt gespielt. Das spricht dafür, dass die Jungs was können.

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