Joachim Löw im Interview

»Unsere Gruppe ist zäh«

Am 7. Juni führt Joachim Löw die deutsche Mannschaft in »das schwierigste Turnier aller Zeiten«, wie er selbst sagt. Sechs Wochen vor der EM sprachen wir mit ihm über seine Sorgenkinder, Überraschungsgast Oli Kahn und Klinsis Schatten. Joachim Löw im InterviewImago

Joachim Löw, Berliner Fußball-Kneipen werben mit »högschde Disziplin«, Ihrem Ausspruch aus dem Sönke-Wortmann-Film »Deutschland. Ein Sommermärchen.« Sie sind schon fast eine Kultfigur, kaum ein Bundestrainer hatte bessere Presse als Sie bislang. Rechnen Sie damit, dass sich das Blatt wendet?

Darüber mache ich mir keine Gedanken. Eine solche Beurteilung hängt immer auch von Ergebnissen ab. Ich habe von 20 Länderspielen 15 gewonnen und die Qualifikation frühzeitig erreicht.

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Fürchten Sie den Moment, in dem das Medienurteil kippt?

Ich habe es schon während meiner Zeit als Vereinstrainer in der Türkei, beim VfB Stuttgart und in Österreich erlebt, dass Kritik aufkam, wenn es nicht lief. So lange Kritik konstruktiv ist, kann ich gut damit umgehen. Aber in der Türkei war Kritik mitunter so harsch, dass schon beim ersten Unentschieden intensiv über den Trainer diskutiert wurde. Dadurch habe ich ein dickeres Fell bekommen. Und ich weiß heute viel genauer, was ich mir zutrauen kann.

Was meinen Sie damit?


Das heißt, dass ich zu meiner Linie als Trainer stehe, auch wenn es Kritik geben sollte oder ein Spiel verloren geht. Denn wir bei der Nationalmannschaft sind überzeugt von der Philosophie, die wir derzeit verfolgen.

Die Euro 2008 ist Ihr erstes Turnier in der Verantwortung als Cheftrainer. Lampenfieber?

Ich spüre, dass die Konzentration und die Anspannung kontinuierlich zunimmt. Aber ich freue mich auf das Turnier. Ehrlich gesagt empfinde es auch gar als Belastung, dass ich als Cheftrainer in mein erstes Turnier gehen. Auch beim Confed Cup und bei der WM 2006 habe ich mich in gewisser Weise verantwortlich gefühlt, zumal sich im Bereich meiner Arbeit seitdem kaum etwas geändert.

Haben Sie trotzdem manchmal schlaflose Nächte, bei dem Gedanken was passiert, wenn Ihr Team nach der Vorrunde nach Hause fährt?


Im Gegenteil. Je näher das Turnier rückt, desto besser kann ich schlafen. Wir sind von unserer Arbeit überzeugt, und die Mannschaft hat große Fortschritte gemacht. Ich freue mich, dass das Team jetzt endlich für drei Wochen am Stück im Trainingslager auf Mallorca und im Tessin zusammen kommt. Nun beginnt der Hauptteil unserer Arbeit.

Nach den EM-Turnieren 2000 und 2004 quittierten beide Nationaltrainer den Dienst, weil Deutschland nach der Vorrunde nach Hause fuhr. Ist das auch Ihre Konsequenz?

Natürlich gibt es auch bei uns Wenn-Dann-Szenarien. Aber die beziehen sich aufs Spiel. Wir fragen uns, was zu tun ist, wenn wir in Rückstand geraten oder in Unter- beziehungsweise Überzahl spielen. Aber mit der Frage, was passiert, wenn wir ausscheiden, habe ich mich noch nicht beschäftigt.

Anders gefragt: Wann wäre für Sie das Turnier ein Erfolg?


Diese Frage stelle ich mir nicht. Ich kenne die Erwartungen an uns - und diese Erwartungen sind groß. Aber die Fans erwarten vor allem mitreißende Spiele und dass sich jeder einzelne Spieler auf dem Platz demonstriert, dass er gewinnen will. Über diese Herangehensweise wollen wir zunächst einmal ein Ziel erreichen: Die Serie zu beenden, dass wir seit 12 Jahren bei einer EM kein Spiel mehr gewonnen haben. Am besten ist es, wenn wir die ersten sechs Spiele gewinnen - und dann schauen wir mal weiter. (lacht.)

Jürgen Klinsmann hat bei der WM angedeutet: »Wenn wir nicht das Viertelfinale erreichen, trete ich zurück.« Mal ehrlich, haben Sie zumindest intern eine solche Regelung auch für sich getroffen?

Mit solchen Negativstrategien möchte ich mich nicht beschäftigen. Ich schalte das weg, damit ich unvoreingenommen in die Spiele gehen kann.

Vorher müssen Sie aber einigen Stars noch mitteilen, dass sie nicht mit zur Euro fahren.

Ich liege deshalb aber nicht wach. Es ist nun einmal ein unangenehmer Teil meines Jobs, zu entscheiden, was das Beste für den Erfolg ist. Über allem steht die Leistung. Aber natürlich tut es weh, einem Spieler mitzuteilen, der zwei Jahre hart an dem Ziel gearbeitet hat, dass er zu Hause bleibt. Die Reaktion von Kevin Kuranyi vor der WM 2006 hat mich menschlich sehr berührt. Für ihn brach eine Welt zusammen, denn es war sein Lebenstraum, die WM zu spielen.

Wann werden Sie es denjenigen mitteilen, die nicht berücksichtigt sind?

Ein paar Stunden vor der offiziellen Bekanntgabe. Wir werden allen Spielern vorher mitteilen, in welchem Zeitraum sie telefonisch erreichbar sein müssen, damit wir nicht in die Verlegenheit kommen, die Absage auf der Mailbox zu hinterlassen.

Wie groß empfinden Sie den Schatten von Jürgen Klinsmann?

Gar nicht. Ein Bundestrainer wird immer an irgendetwas gemessen. Es macht mir also gar nichts aus, an einem meiner Vorgänger gemessen zu werden - auch nicht an Jürgen Klinsmann.

Wie hat sich das Leben von Joachim Löw verändert, seit er Bundestrainer ist?

Wenn ich heute meine Wohnung verlasse, werde ich zu einem Stück Allgemeingut. Daran musste ich im ersten halben Jahr nach meiner Ernennung gewöhnen. Ich hatte den Eindruck, ständig unter Beobachtung zu stehen. Aber meine private Situation hat sich nicht großartig verändert: Ich bewege mich nach wie vor in demselben Umfeld in Freiburg und tue die Dinge, die ich vorher auch gemacht habe.

Bei Ihrer gegenwärtigen Popularität macht es doch sicher auch Spaß machen, Bundestrainer zu sein.

Es ist anders. Ich freue mich natürlich, wenn die Leute nach einem Autogramm fragen. Aber manchmal möchte man eben auch seine Ruhe haben. Und es ist mir heute kaum noch möglich, im Zug, im Restaurant oder im Flugzeug zu sitzen, ohne angesprochen zu werden.

Bei der WM 2006 spielten viele Topstars unter Form, weil Sie von der Saison ausgelaugt waren. Ist es ein Vor- oder ein Nachteil, dass Michael Ballack und Torsten Frings in dieser Saison verletzungsbedingt lange pausieren mussten?


Schwer zu sagen. Michael Ballack spielt schon seit Dezember wieder kontinuierlich. Er hat seitdem sehr viele Spiele gemacht. Torsten Frings ist ein Turnierspieler, der in der Lage ist, auch mit wenig Spielpraxis sich sehr schnell auf die Gegebenheiten einzustellen und dann über fünf, sechs Spiele optimale Leistung abzurufen. Genauso Christoph Metzelder, bei dem wir schon 2006 nicht wussten, ob er der Mannschaft helfen kann, weil er vorher lange verletzt war. Er musste im Trainingslager ein Rehaprogramm machen - und letztlich wurde er noch rechtzeitig zu einer wichtigen Stütze.

Hand aufs Herz: Wird Christoph Metzelder bei dieser EM überhaupt dabei sein?

Ich zähle auf seine Turniererfahrung. Er hat 2006 bewiesen, dass er sich in kurzer Zeit für so ein Turnier hochfahren kann. Er hat das Training schon wieder aufgenommen. Jetzt müssen wir abwarten, ob er in der Lage ist, in der verbleibenden Zeit alle weiteren Defizite auf zu arbeiten.

Wir sieht der Kontakt zu ihm aus?

Wir sprechen mit allen in Frage kommenden Spielern im Wochenrhythmus.

Auch mit Bernd Schneider, der gänzlich außer Form scheint?

Bernd ist einer, der von der Spielintelligenz lebt, von der unser Team immer profitieren kann. Wenn er fit ist und spielen kann, ist er in unserem Kader gesetzt. Derzeit besprechen wir mit ihm Trainingsinhalte, die er im Verein absolvieren soll. Und er kann sich darauf einstellen, dass er im Gegensatz zu Spielern wie Per Mertesacker - der fast die komplette Saison durchgespielt hat und in der ersten Woche unseres Trainingslagers auf Mallorca regenerieren soll - weitaus intensiver arbeiten muss.

Wie groß ist derzeit der Kreis von Spielern, die noch eine Chance haben, auf den EM-Zug aufzuspringen?

Intern hat sich der Kreis reduziert, denn es verbleiben nur noch wenige Spieltage, um die Kandidaten zu beobachten. Aber alle Spieler wissen, unter welchen Gesichtspunkten wir sie beobachten. Nach dem letzten Spieltag am 10. Mai tragen wir alle Daten und Fakten zusammen - und treffen dann unsere Entscheidung.

Unter welchen Gesichtspunkten beobachten Sie die Spieler?


Es geht um das individuelle Können und die mentale Stärke. Was kann ein Spieler auf seiner Position, was bei unserer Philosophie helfen kann? Was kann ein Spieler taktisch umsetzen? Wie präsentiert er sich im Spiel, wenn sein Team in Rückstand gerät? Ist er in der Lage, ein Spiel in Überzahl auszunutzen? Kann er eine Mannschaft führen und antreiben? Es kommt sogar vor, dass wir einige Spieler im Training beobachten lassen, um herauszufinden, wie sie sich engagieren. Kurz gesagt: Wir wollen wissen, ob ein Spieler mit aller Beharrlichkeit um seinen Platz bei uns kämpft.

Machen Sie sich Sorgen um die Form von Miroslav Klose?


Er ist im Moment nicht in der Topform, die er 2006 in der Vorrunde hatte. Aber ich mache mir keine Sorgen, dass er sie nicht wieder erreicht. Er ist ein Führungsspieler, ein Meinungsmacher in der Mannschaft, und er besitzt genug Selbstbewusstsein und Willenskraft, um bei der EM wieder einer der gefährlichsten Stürmer zu werden.

Wenn Sie sich um Klose keine Sorgen machen, um wen dann?


Es gibt immer Spieler, die vor einem Turnier nicht ganz an ihre Topform heranreichen, dann aber in der Vorbereitung die Handbremse lösen und durchstarten. Dahingehend habe ich also keine Sorgen, sondern nur wegen möglicher Verletzungen. Dass Torsten Frings wieder spielt und offensichtlich fit ist, ist absolut positiv.

Im Sturm scheint das Rennen gelaufen: Klose, Kuranyi, Podolski, Gomez sind gesetzt. Wer wird der Fünfte im Bunde sein? Patrick Helmes und Oliver Neuville haben als Zweitligaspieler wohl eher schlechte Karten.

Nein, in der Bewertung spielt die Liga keine Rolle, es geht nur um die Leistung. Auch in der 2. Liga ist es schwierig, Tore zu erzielen. Es gibt mehrere Kandidaten: Helmes, Neuville, Kießling, Hanke. Helmes hat einen ausgeprägten Torinstinkt und spielt nach einer schwachen Vorrunde wieder sehr stark. Auch Kießling spielt gut und hat sich vor allem in dem Bereich verbessert, der uns wichtig war: Er hat körperlich und in puncto Durchsetzungskraft anbetrifft deutlich aufgeholt. Neuville hat besondere Stärken im Konterspiel, und Mike Hanke ist ein Strafraumspieler. Hier entscheidet sich in den nächsten Wochen, wer die Nase vorn hat. Es kann auch passieren, dass ich im Endeffekt ein bisschen aus dem Bauch heraus entscheide, wer von diesen Fünf uns in einem entscheidenden Moment oder als Joker von Vorteil sein kann.

Kommt auch noch so eine Überraschung wie David Odonkor bei den Nominierungen für die WM 2006 auf uns zu? Toni Kroos etwa?

Er ist ein enormes Talent, aber er hat noch nie bei uns gespielt. Außerdem hat er auch bei Bayern so gut wie nie von Anfang an gespielt, und er kommt beileibe nicht regelmäßig zum Einsatz. Das war bei David Odonkor ganz anders. Er hat das Jahr vor der WM bei Dortmund durchgespielt, weshalb wir ihn ab Januar fast jede Woche sehen konnten. Den haben wir in gut 15 Spielen vor der Nominierung beobachtet und wussten genau, dass Odonkor uns mit seiner Schnelligkeit eine Hilfe sein könnte.

Der Überraschungsgast bei der Verkündung des Kaders ist aber nicht Oliver Kahn?

Nein, der hat seinen Rücktritt bekanntlich schon nach der WM 2006 verkündet. Aber mein Respekt gegenüber ihm ist enorm, weil er sich nicht nur bei der WM sehr fair verhalten hat, sondern auch, weil er auch weiterhin Top-Leistungen abliefert.

Die Torwartfrage ist also geklärt.


Wie meinen Sie das jetzt: Die Nummer 1 oder wer in den Kader kommt?

Wer bei der EM im Tor steht.


Das werden wir nach dem 10. Mai entscheiden. Andi Köpke beobachtet seit Monaten alle Torhüter unter allen in Frage kommenden Faktoren: Spielpraxis, Form, Psyche. Natürlich hat Jens Lehmann unser Vertrauen, aber eine Garantie gibt es für niemanden.

Wie gehen Sie bei der Kaderzusammenstellung vor? Gibt es 15 Gesetzte und zusätzlich acht Ergänzungsspieler?

Nein, wir werden einen Kader von 20 Spielern plus drei Torhütern zusammenstellen. Natürlich gibt es Spieler, die aufgrund ihrer Klasse gesetzt erscheinen, aber im Gegensatz zur WM 2006 verfügen wir über deutlich mehr Möglichkeiten auf den verschiedenen Positionen für den Fall, dass der eine sich verletzt oder der andere gänzlich außer Form ist. Spieler wie Gomez, Hitzlsperger oder Jansen haben sich deutlich verbessert. Es macht also wenig Sinn, sich jetzt für eine Aufstellung zu entscheiden, die kristallisiert sich erst im Trainingslager heraus.

Wer sind derzeit Ihre Schlüsselspieler?

Leute wie Jens Lehmann, Christoph Metzelder, Michael Ballack, Torsten Frings, Bernd Schneider oder Miroslav Klose, die die Mannschaft in den letzten beiden Jahren geführt und in kritischen Momenten die Verantwortung übernommen haben. Aber ich bin dankbar für jeden weiteren Spieler, der diese Fähigkeiten an den Tag legt. Per Mertesacker etwa hat sich, was die Persönlichkeit anbetrifft, enorm gesteigert, einen großen Entwicklungssprung gemacht und genießt ebenfalls ein hohes Standing in der Mannschaft.

Wie sehr beeinflusst es Ihre Arbeit, dass die Bundesligaklubs international immer noch hinterher hinken?

Wenn wir Bundesligavereine beobachten, geht es uns gezielt um einzelne Spieler: wie bewegt er sich, wie erfüllt er seine Aufgaben? Aber es ist jedem bewusst, dass bei uns in Deutschland noch Optimierungsmöglichkeiten bestehen. Wenn wir auch in der Champions League mithalten wollen, ist es nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch des Konzeptes. Unser Maßstab sollte es sein, das die Teams in der Bundesliga bei dem Tempo und dem taktischen Niveau mithalten, das im Halbfinale und im Finale in der Champions League gespielt wird.

Deutschland hat mal wieder Losglück gehabt. Die Vorrunde sollte eigentlich Formsache sein.

Das sehe ich anders. Gerade Polen hat sich unter Leo Beenhakker entscheidend in allen Bereichen verbessert seit 2006. Und bitte erinnern Sie sich: Schon bei der WM haben wir erst in letzter Minute gegen Polen gewonnen. Kroatien hat eine individuelle Stärke wie nur wenig andere Nationen. Diese Spieler sind in der Lage, im technischen Bereich Außergewöhnliches zu leisten. Und Gastgeber Österreich lebt von der Euphorie und der damit verbundenen Willensstärke. Unsere Gruppe ist zäh, und sie ist schwierig.

Es gibt keine schwachen Gegner mehr, na klar. Aber wer ist dann Ihr Favorit?

Ich sehe keinen ausgemachten Topfavoriten, weil jede Nation bei diesem engen Feld, wenn sie einen guten Tag erwischt, theoretisch die andere schlagen kann. Warum sollten die Türken nicht die Tschechen schlagen, warum nicht die Griechen Spanien? Kurz gesagt: Es ist das schwierigste Turnier aller Zeiten.

Sie haben jeden Spieler im Herbst mit einem individuell zugeschnittenen Handbuch ausgestattet, dass ihn unter dem Schlagwort »Bergtour« ans Turnier heranführen soll. Haben auch Sie sich in diesem Zusammenhang gewisse psychologische Vorgaben klar machen lassen?

Es geht in diesem Buch um eine sportliche und persönliche Einschätzung für jeden. Das Handbuch sollte den Spielern helfen, sich in bestimmten Bereichen noch zu verbessern. Hans Dieter Herrmann hat dann noch ein paar Hinweise eingeheftet, wie man sich mental auf das Turnier vorbereitet. Natürlich beobachtet er auch mich aus der Distanz bei Ansprachen und hält mir quasi einen Spiegel vor, was auch ich verbessern kann.

Haben Sie noch Defizite, was die Ansprache der Spieler anbetrifft?


Natürlich. Ich hinterfrage ständig, wie ich noch besser vermitteln kann, was ich plane. Ist die Analyse gut, ist die Ansprache richtig, können wir Trainingsinhalte noch verbessern, und ist auch die individuelle Ansprache richtig? Da wir alle Dinge ständig hinterfragen, entdecken wir auch oft bei uns etwas, was wir korrigieren müssen.

Wie wichtig ist bei aller Kommunikation mit dem Spieler auch der Kontakt zum Verein?

Er findet statt. Vor einigen Monaten erst waren wir zu Besuch bei den einzelnen Klubs. Wir waren auf Schalke, bei Dortmund, in Bremen, bei Bayern und haben uns vor Ort ausgetauscht. Mein Augenmerk liegt dabei natürlich auf den Vereinen, die Nationalspieler haben. Bei den Bundesligabegegnungen, die ich besuche, versuche ich, den Kontakt zu den Trainern zu vermeiden, weil sie sich auf ihre Mannschaft konzentrieren. Aber vor- und hinterher spreche ich auch immer wieder mit ihnen.

Worüber wird denn dann gefachsimpelt?


Über die Form eines Spielers oder den Gesundheitszustand. Besonders intensiv vor der Nominierung für Länderspiele.

Welche Punkte bergen hierbei besonderes Konfliktpotenzial in sich?

Natürlich ist nicht jeder Trainer mit der Rolle einverstanden, die ich einem seiner Spieler in der Nationalmannschaft zugedacht habe oder zufrieden, dass ich einen Spieler nicht berücksichtigen werde. Aber ich profitiere bei meiner Arbeit in hohem Maße von der Einschätzung der Trainer, die täglich mit einem Spieler arbeiten und berücksichtige alles, was bei diesen Telefonaten gesagt wird.

Für Spieler scheint Kommunikation mitunter weniger wichtig. Wenn die Nationalmannschaft aus dem Bus aussteigen, haben fast alle aus dem Team eine MP3-Player im Ohr. Warum kapseln die sich so ab?

Kommunikation spielt sich bei uns vor der Fahrt zum Spielort ab. Wenn wir das Hotel verlassen, ist meine Arbeit - bis auf ein paar Worte unmittelbar vor dem Spiel in der Kabine - getan. Auf der Fahrt tauchen einige dann in eine Konzentrationsphase ab oder versuchen, sich mit Musik zu pushen. Völlig okay. Aber dass einer pausenlos den Kopfhörer im Ohr hat, wäre bei der Vielzahl der Gruppen- und Einzelgespräche vorab unmöglich.

Stichwort: Abkapseln. Bei der WM 2006 hat die Nationalmannschaft ihr Camp im Grunewald im Herzen Berlins aufgeschlagen. Mit der Wahl, nach Ascona zu gehen, ziehen Sie diesmal die dezentrale Variante vor.


Bei der WM in Deutschland wollten wir in eine Stadt und trotzdem nahe zu einem Trainingsgelände campieren. In Berlin waren die Voraussetzungen perfekt: Das Hotel Grunewald lag nur zwei Minuten Fußweg von den Blau-Weiß-Trainingsplätzen entfernt. Hätten wir diese Voraussetzungen nicht vorgefunden, wären wir nicht nach Berlin gegangen. Davon haben wir auch diesmal unsere Entscheidung abhängig gemacht: Wie weit liegt das Trainingsgelände entfernt? Acht Minuten im Bus. Und das Gelände in Tenero könnte besser nicht sein!


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