18.12.2007

Joachim Löw im Interview

„Wir zählen auf Lehmann“

Vielerorts wird Deutschland als Top-Favorit für die EM im kommenden Jahr gehandelt. Doch eigentlich ist noch nicht einmal klar, wer dann das DFB-Tor hüten wird. Höchste Zeit also, das Bundestrainer Joachim Löw mal Stellung bezieht.

Interview: Jürgen Zelustek Bild: Imago
Herr Löw, wie lautet das sportliche Fazit des Bundestrainers nach der Bundesliga-Hinrunde und dem ersten Teil im Europacup?

Die Bundesliga ist trotz manch anderer Prognose unglaublich spannend. Erstaunlich und erfreulich zugleich ist, dass Werder Bremen trotz der Startschwierigkeiten aufgrund der ungeheuren Verletzungsprobleme die Hinrunde punktgleich mit den Bayern abgeschlossen hat. Zu den Überraschungen gehört der Karlsruher SC, der als Aufsteiger über den Erwartungen liegt. Andere Mannschaften sind sicherlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben, wobei ich keine Namen nennen möchte. Im Europacup hätte ich es gerne gesehen, wenn neben Schalke noch mehr Mannschaften in der Champions League vertreten wären, denn in der Champions League wird nun mal auf höchstem Niveau gespielt. Wichtig ist aber, dass wir noch zahlreich im UEFA-Cup vertreten sind, damit unsere Spieler weiter internationale Erfahrung sammeln können.



Wie fällt die Bilanz für die Nationalmannschaft im Jahr nach der WM aus?

Bei der Rückschau interessieren mich weniger Zahlen und Fakten, die möglicherweise für uns sprechen. Wichtig war sicherlich, dass wir frühzeitig die Qualifikation für die EM geschafft haben. Noch wichtiger ist mir aber die positive Gesamtentwicklung der Mannschaft und die individuelle Entwicklung einzelner Spieler. Vor allem einige junge Spieler haben einen Schritt nach vorne gemacht, wodurch unsere Auswahlmöglichkeiten größer geworden sind. Positiv ist zudem, dass Matthias Sammer (Anmerkung der Red.: Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes) es geschafft hat, dass alle U-Mannschaften im Bereich des DFB dieselbe Spielphilosophie verinnerlicht haben.

Die Diskussion um die Spielphilosophie hat zuletzt aber auch für Ärger mit der Bundesliga gesorgt, Beispiel Rudi Völler. Sind die atmosphärischen Störungen mittlerweile ausgeräumt?

Wir sind in ständigem Kontakt mit den Vereinen und besprechen allen Dinge. Ich bin sicher, dass wir grundsätzlich im Sinne des deutschen Fußballs alle an einem Strang ziehen. Dass man nicht immer einer Meinung ist, liegt in der Natur der Sache und ist auch nicht tragisch.

In der Torhüterfrage sollten in der Winterpause Gespräche mit Jens Lehmann und Timo Hildebrand geführt werden. Wie ist der Stand der Dinge?

Diese Gespräche werden zwischen Weihnachten und Neujahr stattfinden. Tatsache ist, dass sich die Situation für Jens im Verein nicht geändert hat und Timo auch keinen Stammplatz hat. Die Situation könnte sicher besser sein. Dennoch steht für mich fest, dass wir an beiden Torhütern festhalten. Jens war bei der WM absolute Weltspitze. Und auch in den Länderspielen danach hat er seine Extraklasse unter Beweis gestellt. Er kann mit Drucksituationen hervorragend umgehen und ist zudem bei uns ein Führungsspieler. In den persönlichen Gesprächen wollen wir von beiden aber erfahren, wie ihre Vereinstrainer denken, was sie vorhaben. Danach werden wir uns überlegen, was zu tun ist. Wir wollen versuchen, für alle eine zufriedenstellende Lösung zu finden. Fest steht aber, dass wir sowohl auf Jens Lehmann als auch auf Timo Hildebrand zählen. Und dann gibt es ja noch Robert Enke. Mit diesen drei Torleuten gehen wir in das Turnier.

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