Jiri Stajner über Tschechien und Hannover

»Ich bin Fan von 96«

Wenn er keine Lust hatte, spielte er wie ein blutiger Anfänger. An guten Tagen war er ein Genie. Die Fans liebten ihn abgöttisch: Hannovers ehemaliger Publikumsliebling Jiri Stajner über Jan Schlaudraff und die EM-Playoffs. Jiri Stajner über Tschechien und Hannover

Jiri Stajner, schlägt Ihr Herz noch für Hannover 96?

Jiri Stajner: Natürlich! Ich bin Hannover-Fan. Wenn ich kann, dann schaue ich mir die Spiele hier in Tschechien im Fernsehen an. Die Partie gegen Schalke am Sonntag (2:2, d. Red.) habe ich mir sogar in voller Länge gegeben.

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Gibt es im Kader von Mirko Slomka denn einen würdigen Jiri-Stajner-Nachfolger?

Jiri Stajner: Ich finde Jan Schlaudraff großartig. Allein sein herrlicher Pass auf Mohammad Abdellaoue zum 1:2 – daran sieht man, wie viele gute Ideen der Junge hat. Bei so vielen Einfällen geht aber natürlich auch mal etwas daneben. So wie beim jungen Jiri Stajner (lacht).

Berichte über Ihre Person beinhalteten in den vergangenen Jahren auffallend häufig die Worte »Genie« und »Wahnsinn«. Waren Sie tatsächlich so ein unberechenbarer Spieler?

Jiri Stajner: Das bin ich ja heute noch. Ich spiele eben aus dem Bauch heraus. Aber ich glaube, das hat bei den Fans immer einen bleibenden Eindruck hinterlassen...

Die Fans von Hannover 96 verehren Sie bis heute. Können Sie sich den Hype um Ihre Person erklären?

Jiri Stajner: Das hängt ganz sicher mit meinem Tor zum 2:2 im Abstiegskampf 2002/03 zusammen. Am 33. Spieltag brauchten wir gegen Borussia Mönchengladbach ein Unentschieden, um den Klassenerhalt zu sichern. In der Nachspielzeit haute unser Keeper Gerry Tremmel den Ball weit nach vorne, ich bugsierte ihn irgendwie ins Tor. Das haben die 96-Fans bis heute nicht vergessen.

Sie sollen Ihre Tore nicht nur auf dem Platz, sondern auch nach dem Spiel stets ordentlich bejubelt haben. Waren Sie so ein Feier-Biest?

Jiri Stajner: Ach, in den ersten Jahren für Hannover bin ich nach unseren Spielen eigentlich immer gleich ins Auto gestiegen und nach Hause, nach Tschechien, gefahren.

Weil man dort besser feiern gehen konnte?

Jiri Stajner: Auch. Aber vor allem, weil ich Heimweh hatte. In Hannover war ich ganz allein, ich konnte die Sprache noch nicht wirklich – also bin ich, wann immer ich konnte, nach Tschechien gefahren.

Auch Bayern-Spieler Breno, der in den vergangenen Wochen Schlagzeilen machte, weil er sein eigenes Haus angezündet haben soll, beklagte sich über Heimweh. Anschließend warf man seinem Verein fehlende Integrationsarbeit vor. Kümmern sich deutsche Klubs nicht ausreichend um ausländische Profis?

Jiri Stajner: Das kann ich nicht beurteilen, aber Brenos und meine Situation sind ja nicht miteinander zu vergleichen. Während ich nur 500 Kilometer von meiner Heimat entfernt war, sind es beim Brasilianer Breno schon 12.000 Kilometer.

Im zweiten Teil unseres Jiri-Stajner-Interviews spricht der tschechische Nationalspieler über die Chancen seiner Mannschaft im Playoff-Spiel gegen Montenegro und seine Chancen als kommender Trainer von Hannover 96.



Seit 2002 haben Sie in unregelmäßigen Abständen für Ihre Nationalmannschaft gespielt. Wie ist aktuell der Stand der Dinge?

Jiri Stajner: Ich gehöre definitiv zum erweiterten Kader der Nationalmannschaft, aber für das Play-off-Hinspiel gegen Montengero bin ich nicht berufen worden. Leider. Allerdings hätte ich auch nicht spielen können, eine Verhärtung im Unterschenkel hindert mich daran.

Wie schätzen Sie die Chancen Ihrer Nationalmannschaft gegen Montenegro ein?

Jiri Stajner: Schwer zu sagen. Montenegro hat sich in einer schweren Gruppe mit England, Schweiz, Wales und Bulgarien den zweiten Platz erkämpft, sie haben mit Stevan Jovetic vom AC Florenz und Mirko Vucinic von Juventus Turin zwei richtig starke Stürmer in ihren Reihen. Und bei uns sind Petr Cech und Milan Baros angeschlagen. Keine wirklich gute Ausgangsposition. Ob wir sie schlagen können? Die Chancen stehen 50:50.

Cech und Baros sind sicherlich die prominentesten Namen der tschechischen Nationalmannschaft, allerdings sind sie auch schon 29, beziehungsweise 30 Jahre alt. Wie heißen die jungen Hoffnungsträger im tschechischen Fußball?

Jiri Stajner: Tja, das ist die große Frage. Wo ist die nächste Generation? Im Vergleich zum deutschen Team ist unsere Nationalmannschaft schon ziemlich alt, die ganz großen Talente fehlen uns. Hoffnung macht mir die U19, die im Sommer das Finale um die Europameisterschaft gegen Spanien nur knapp verlor (2:3 n.V., d. Red.).

Dabei galt Tschechien – im Gegensatz zu Deutschland – im vergangenen Jahrzehnt immer als Vorzeigenation, wenn es um erfolgreiche Talente ging.

Jiri Stajner: Der Erfolg der Ausnahme-Generation um Karel Poborsky, Pavel Nedved oder Jan Koller hat uns alle geblendet. Man wollte nur die glitzernde Fassade sehen, nicht aber, was sich dahinter verbirgt. Der tschechische Fußball war nie so gut, wie er dargestellt wurde. Deshalb wäre es auch schon ein großer Erfolg, wenn wir die Qualifikation zur EM schaffen und dort die Gruppenphase überstehen.

Mit Jiri Stajner im Kader?

Jiri Stajner: Ich hoffe es. Mit meinem Verein Slovan Liberec spiele ich eine gute Saison, aktuell sind wir Zweiter hinter Sparta Prag und ich bin ganz gut in Form (in zwölf Saisonspielen hat Stajner sechs Tore erzielt und sechs Torvorlagen gegeben, d. Red.). Mal sehen, wie sich Nationaltrainer Michal Bilek entscheidet.

Und wer wird Europameister?

Jiri Stajner: An Deutschland führt kein Weg vorbei. Mir gefällt die deutsche Auswahl, ein Spieler wie Mario Götze würde jeder Mannschaft der Welt gut tun. Aber der große Favorit heißt natürlich Spanien.

Jiri Stajner, Sie sind jetzt 35 Jahre alt. Haben Sie schon einen Plan für die Zeit nach der Karriere?

Jiri Stajner: Fußball ist mein Leben, ich werde wohl in diesem Geschäft bleiben.

Kleiner Tipp: Bei Hannover 96 werden regelmäßig Stellen ausgeschrieben. In den acht Jahren, in denen Sie für Hannover gespielt haben, waren sieben verschiedene Trainer im Amt. Wäre das nicht auch was für Sie?

Jiri Stajner: (lacht) Mal abwarten...

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