11.11.2011

Jiri Stajner über Tschechien und Hannover

»Ich bin Fan von 96«

Wenn er keine Lust hatte, spielte er wie ein blutiger Anfänger. An guten Tagen war er ein Genie. Die Fans liebten ihn abgöttisch: Hannovers ehemaliger Publikumsliebling Jiri Stajner über Jan Schlaudraff und die EM-Playoffs.

Interview: Alex Raack Bild: Imago

Jiri Stajner, schlägt Ihr Herz noch für Hannover 96?

Jiri Stajner: Natürlich! Ich bin Hannover-Fan. Wenn ich kann, dann schaue ich mir die Spiele hier in Tschechien im Fernsehen an. Die Partie gegen Schalke am Sonntag (2:2, d. Red.) habe ich mir sogar in voller Länge gegeben.

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Gibt es im Kader von Mirko Slomka denn einen würdigen Jiri-Stajner-Nachfolger?

Jiri Stajner: Ich finde Jan Schlaudraff großartig. Allein sein herrlicher Pass auf Mohammad Abdellaoue zum 1:2 – daran sieht man, wie viele gute Ideen der Junge hat. Bei so vielen Einfällen geht aber natürlich auch mal etwas daneben. So wie beim jungen Jiri Stajner (lacht).

Berichte über Ihre Person beinhalteten in den vergangenen Jahren auffallend häufig die Worte »Genie« und »Wahnsinn«. Waren Sie tatsächlich so ein unberechenbarer Spieler?

Jiri Stajner: Das bin ich ja heute noch. Ich spiele eben aus dem Bauch heraus. Aber ich glaube, das hat bei den Fans immer einen bleibenden Eindruck hinterlassen...

Die Fans von Hannover 96 verehren Sie bis heute. Können Sie sich den Hype um Ihre Person erklären?

Jiri Stajner: Das hängt ganz sicher mit meinem Tor zum 2:2 im Abstiegskampf 2002/03 zusammen. Am 33. Spieltag brauchten wir gegen Borussia Mönchengladbach ein Unentschieden, um den Klassenerhalt zu sichern. In der Nachspielzeit haute unser Keeper Gerry Tremmel den Ball weit nach vorne, ich bugsierte ihn irgendwie ins Tor. Das haben die 96-Fans bis heute nicht vergessen.

Sie sollen Ihre Tore nicht nur auf dem Platz, sondern auch nach dem Spiel stets ordentlich bejubelt haben. Waren Sie so ein Feier-Biest?

Jiri Stajner: Ach, in den ersten Jahren für Hannover bin ich nach unseren Spielen eigentlich immer gleich ins Auto gestiegen und nach Hause, nach Tschechien, gefahren.

Weil man dort besser feiern gehen konnte?

Jiri Stajner: Auch. Aber vor allem, weil ich Heimweh hatte. In Hannover war ich ganz allein, ich konnte die Sprache noch nicht wirklich – also bin ich, wann immer ich konnte, nach Tschechien gefahren.

Auch Bayern-Spieler Breno, der in den vergangenen Wochen Schlagzeilen machte, weil er sein eigenes Haus angezündet haben soll, beklagte sich über Heimweh. Anschließend warf man seinem Verein fehlende Integrationsarbeit vor. Kümmern sich deutsche Klubs nicht ausreichend um ausländische Profis?

Jiri Stajner: Das kann ich nicht beurteilen, aber Brenos und meine Situation sind ja nicht miteinander zu vergleichen. Während ich nur 500 Kilometer von meiner Heimat entfernt war, sind es beim Brasilianer Breno schon 12.000 Kilometer.

Im zweiten Teil unseres Jiri-Stajner-Interviews spricht der tschechische Nationalspieler über die Chancen seiner Mannschaft im Playoff-Spiel gegen Montenegro und seine Chancen als kommender Trainer von Hannover 96.

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