12.02.2014

Jimmy Hartwig über Bayern, HSV und Ernst Happel

»Wir gewinnen sowieso«

Früher war alles besser. Vor allem beim HSV. In der Saison 1981/82 war Hamburgs Jimmy Hartwig stets so siegesgewiss, dass er seiner Frau schon vor den Spielen einen neuen Mantel kaufte. Wir sprachen mit ihm über das epochale 4:3 gegen den FC Bayern, Ernst Happels Humor und Breitners Frau.

Interview: Andreas Bock Bild: imago

Jimmy Hartwig, vor einigen Jahren hat die 11FREUNDE-Redaktion Hamburgs 4:3-Sieg gegen den FC Bayern vom 24. April 1982 auf Platz 27 der 100 größten Spiele aller Zeiten gewählt. Wo steht dieses Spiel in Ihrer persönlichen Rangliste?
Welches Spiel war denn auf Platz eins?

Das 7:3 von Bayer Uerdingen gegen Dynamo Dresden.
Auch ein tolles Spiel. Ich glaube, in meiner Top 100 wäre das Spiel Bayern gegen den HSV unter den ersten zehn Plätzen. Haben Sie eigentlich gewusst, dass alle Torschützen des Spiels mit dem Buchstaben »H« beginnen? Hoeneß, Horsmann, von Heesen, Hrubesch...

...Hartwig.
Dubios, oder? Wie dem auch sei, das Spiel war neben dem 5:1 gegen Real Madrid im Europapokal der Landesmeister 1980 das größte HSV-Spiel, das ich je miterlebte.

Wann haben Sie sich das letzte Mal die Bilder von jenem 4:3 in München angesehen?
Ach, das ist schon eine ganze Zeit her. Ich erinnere mich, dass ein Kumpel vor meiner Haustür stand und ein Videoband in der Hand hielt: »Jimmy, das gucken wir uns jetzt an«, sagte er. Und dann sah ich noch mal meinen Kopfball, den ich dem Junghans ins Tor zimmerte – wie ein Schuss.

Sind Sie ein Nostalgiker?
Überhaupt nicht. Natürlich ist es schön, Bilder von früher noch mal zu sehen, doch ich klebe nicht in der Vergangenheit. Ich war immer einer, der nach vorne guckt.

Wie weit weg ist dieses Spiel heute für Sie? Erscheint es Ihnen wie ein fremdes Leben, wenn Sie über diese Zeit sprechen?
Nein, das nicht. Ich erinnere mich noch immer an sehr viele Dinge aus diesen Tagen. Zum Beispiel daran, dass ich nach dem Bayern-Spiel ins »Aktuelle Sportstudio« nach Mainz eingeladen wurde. Im Flugzeug, auf dem Weg dorthin, traf ich den damaligen Bundestrainer Jupp Derwall. Der war ebenfalls Gast an diesem Abend.

Worüber unterhielten Sie sich im Flugzeug?
Ich wollte ihn überzeugen, dass ich in die Nationalmannschaft gehöre. Ich glaube auch heute noch, dass es damals keinen besseren Spieler auf meiner Position gab. Ich schoss in der 82er-Saison 14 Tore in 30 Spielen. Als defensiver Mittelfeldspieler! Heute wäre jeder Spieler mit einer annähernd ähnlichen Quote Stammspieler unter Löw.

Ließ Jupp Derwall sich überzeugen?
Ach, der Jupp. Das war einfach eine andere Zeit. Damals reichte es nicht aus, drei- oder viermal den Ball hochzuhalten. Nicht mal diese 14 Tore reichten. Ich spielte in Jugendnationalmannschaften, in der deutschen B-Elf als Kapitän, brachte konstant gute Leistungen. Jupp Derwall aber, der hat das alles ganz anders gesehen. Wie so viele Leute in meinem Leben manche Dinge häufig anders gesehen haben als ich.

Wie frustrierend war es, nach diesem Spiel, Ihrem Tor, der fast sicheren Meisterschaft, eine solche Absage zu erhalten?
Ich war schon sauer, ohne Zweifel. Ich wiederholte meine Kritik an ihm auch im »Aktuellen Sportstudio«. Doch Derwall schaltete auf stur. Dann erzählte er mir, dass er ein Überangebot an guten deutschen Defensivspielern hätte. Der Bernd Förster würde angeblich auf meiner Position spielen. Ich antwortete: »Tja, leider habe ich keinen Bruder und kein blondes Haar.« Derwall schluckte. Trotz der eisigen Stimmung ließ ich mir den Sieg bei den Bayern an diesem Abend nicht mehr verderben.

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