Jermaine Jones über Magath, Reus und Jugendsünden

»Der Tritt gegen Marco war einfach asozial«

Er gilt als einer der letzten »Bad Boys« der Bundesliga: Schalkes Mann fürs Grobe, Jermaine Jones. Für die neue Ausgabe von 11FREUNDE traf Tim Jürgens einen Fußballer zum Portrait, der abseits des Rasens so gar nicht in die Schubladen passen will, in die man ihn schon so häufig gesteckt hat. Lest hier ein ausführliches Interview mit dem US-Nationalspieler.

Theodor Barth
Heft: #
137

Jermaine Jones, täuscht der Eindruck oder waren Sie noch nie so wertvoll wie heute?
Es gab immer wieder Höhen und Tiefen, insofern fällt es mir schwer, das zu bewerten. Aber Sie haben Recht, seit der letzten Sperre läuft es ganz gut bei mir.

Ihr Verhältnis zum FC Schalke 04 war nicht immer so harmonisch. Felix Magath musterte Sie 2010 zu den Amateuren aus, so dass Sie sich gefrustet zu den Blackburn Rovers ausleihen ließen.
Mag sein, aber ich spiele heute mit Schalke Champions League und Magath ist nicht mehr hier.

Auch Ralf Rangnick plante nach Ihrer Rückkehr aus England nicht mit Ihnen.
Er hat mittlerweile zugegeben, dass es ein Fehler war. Sehen Sie: Ich habe mich immer wieder durchgesetzt, auch wenn ich manchmal sicher zügiger ans Ziel gekommen wäre, wenn ich meine Klappe gehalten hätte.

Widerstände gehören bei Ihnen irgendwie dazu. Auch als Kapitän hielten einige im Klub Sie vor der laufenden Saison für nicht geeignet.
Im Sommertrainingslager hatte ich ein langes Gespräch mit Huub Stevens dazu. Er war auf meiner Seite in der Angelegenheit, dennoch teilte er mir mit, dass ich aus bestimmten Gründen nicht Kapitän werde.

Der Aufsichtsrat soll sich gegen Sie ausgesprochen haben. 
Ich habe dem Trainer jedenfalls mitgeteilt, dass ich dann auch nicht mehr in den Mannschaftsrat wolle, sondern mich lieber ganz darauf konzentriere, gut Fußball zu spielen.

Warum wollte der Aufsichtsrat Sie nicht als Kapitän?
Konkret hat mir dazu niemand etwas gesagt.

Manche Wege der Herren sind unergründlich.
Dankbarkeit gibt es in diesem Beruf nicht. Als ich 2011 in Blackburn war und Schalke den Pokal gewann, hat sich auch keiner bei mir gemeldet. Ich hatte das Gefühl, dass sich zu diesem Zeitpunkt hier niemand gefragt hat, wie es mir wohl geht.

Wie fühlte es sich an, in England im TV zu verfolgen wie der FC Schalke 04 im Jahr 2011 den DFB-Pokal gewinnt?
Ehrlich gesagt, habe ich mir das Spiel nicht angesehen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt mit dem Klub abgeschlossen.

Im Fußball ist kein Platz für Freundschaften.
In diesem Geschäft gibt es nur Kollegen. Und mit manchen verstehe ich mich sogar ganz gut – aber nicht so wie mit meinen besten Freunden.

Was war das Problem mit Felix Magath?

Die Kommunikation war katastrophal. Er hat meistens gar nicht gesprochen – und wenn, dann nur mit Raul.

Er soll Ihnen mitten in Ihrer Rekonvaleszenz gesagt haben, dass Sie wieder trainieren sollen, was Sie als grob gesundheitsgefährdend eingestuft haben.
Ich habe ihm daraufhin klar meine Meinung gesagt – und musste mit den Konsequenzen leben.

Warum sind Sie nicht in der Premier League geblieben?
Die wenigsten wissen: Ich bin zu den Blackburn Rovers gegangen, weil ich spielen wollte. Ich habe durch die Leihe auf viel Geld verzichtet. Als die sechs Monate dort vorbei waren, bekam ich einige Angebote aus der Premier League. Doch mein Vertrag auf Schalke lief noch drei Jahre, Magath war inzwischen nicht mehr da, Schalke hatte sich für die Champions League qualifiziert. Also haben meine Frau und ich entschieden, wieder zurückzukommen.  

Aber Sie passten auch nicht ins System von Ralf Rangnick.
So war das gar nicht. Er hat mich gleich nach meiner Rückkehr wieder eingesetzt. Ich habe damals noch im Hotel am Vereinsgelände gewohnt und nach einem Spiel habe ich dort in der Bar mit einigen Fans ein bisschen gefeiert. Rangnick bekam Wind davon und setzte mich auf die Bank.

Und wer am nächsten Tag Zeitung las, dachte bloß: »Typisch, wieder der Jones«?
Ich lebte im Hotel, meine Familie war noch in England und ich habe mit ein paar netten Leuten ein Bier getrunken und mich unterhalten. Mehr nicht.

Haben Sie nicht langsam eine Kindersicherung im Kopf, die Sie vor solch schlagzeilenträchtigen Aktionen schützt?
Die Kindersicherung habe nicht ich im Kopf, sondern meine Frau. (lacht) Die passt auf, dass ich pünktlich zuhause bin.

Hat Sie zuhause die Hosen an?
Definitiv. Sie schmeißt den ganzen Laden mit fünf Kindern alleine.



Inzwischen sind Sie längst wieder Stammspieler auf Schalke. Und dem Vernehmen nach weit mehr als nur der »Aggressive Leader«.
Nach der Entscheidung um den Kapitän habe ich mich eine Zeitlang zurückgezogen. Dann gab es ein ausführliches Gespräch mit Horst Heldt, in dem er mir sagte, wie wichtig ich als Typ für das Team sei. Seitdem versuche ich, wieder mehr Führungsaufgaben zu übernehmen.

Mussten Sie in den turbulenten letzten Wochen oft auf den Tisch hauen?
Nein. Das ist nun mal Schalke. Man darf hier nicht immer alles so hoch hängen – es geht immer weiter.

Sie stehen im Team gerade jungen Spielern beratend zur Seite. Zuletzt haben Sie Joel Matip Schützenhilfe in seiner Krise gegeben. Wie müssen wir uns das vorstellen?
Joel ist ein Supertalent, aber er ist zuletzt durch ein tiefes Tal gegangen. Er hadert sehr mit den Dingen, denkt viel über sich und seine Fehler nach. Also habe ich ihm geraten, sich davon zu lösen. Er muss lernen, dass sich die Dinge im Fußball täglich ändern und, dass er die Vergangenheit nicht ändern kann.

Leichter gesagt als getan.
Jeder muss sehen, wie er das hinbekommt. Ab und zu hilft in solchen Situationen auch mal ein Bierchen, um auf andere Gedanken zu kommen – solange man es nicht übertreibt. 



Wo haben Sie die Gelassenheit gegenüber dem alltäglichen Chaos des Profifußballs gelernt?
Vielleicht liegt die Ursache schon in meiner Herkunft…

…Sie wurden in der Frankfurter Sozialsiedlung Bonames groß.
Dort achtet man in erster Linie darauf, dass es der eigenen Familie und einem selbst gut geht. Und alles andere ist auf deutsch gesagt scheißegal. Das Leben – besonders das eines Profis – besteht nur aus Momentaufnahmen. In einem Moment bist du der Größte, im nächsten hauen die Medien wieder drauf. Das habe ich leidvoll erfahren müssen. Wenn ich mit 19 mit meinen Kumpels Party gemacht habe, prügelten die, die mir eben noch auf die Schulter geklopft hatten, auf mich ein. Da wird man zwangsläufig gelassener.

Zlatan Ibrahimovic sagt, er braucht die Konfrontation, um Top-Leistungen abzurufen.
Negative Dinge können mich auch pushen. Ich finde es geil, in ein Stadion einzulaufen, in dem mir von der Tribüne der Hass entgegenschlägt. Es fordert mich heraus, in so einer Situation nicht zusammenzufallen und den Leuten zu signalisieren: »Freunde, ich bin durchaus in der Lage, Euch sehr weh zu tun.«

Der schwedische Ex-Nationalspieler Henrik Larsson hat gesagt, das erste, was er denkt, wenn er den Platz betritt, sei: »Gleich wird es wahnsinnig weh tun.« Woran denken Sie, wenn Sie den Platz betreten?
Bestimmt nicht, dass es gleich weh tun wird. Das denken eher die anderen. (lacht) Im Ernst: Ich versuche mich auf die schönen Dinge zu konzentrieren. Uns Profis geht es doch wahnsinnig gut. Ich bin von ziemlich weit unten gekommen – und jetzt messe ich mich in der Champions League mit den besten Spielern der Welt. Warum sollte ich da an Schmerzen denken?

Gefällt Ihnen die Rolle als Mann fürs Grobe?
Das ist nun mal auch meine Aufgabe. Wenn ich das taktische Foul machen muss – und die Mannschaft am Ende der Saison oben steht – dann mache ich es halt. Da bin ich ehrlich und lebe mit den Konsequenzen.

Entspricht das auch Ihrer generellen Lebenseinstellung?
Ich kann einfach nicht lügen. Wenn ich Mist gebaut habe, stehe ich dazu. Aber ich lege diese Maßstäbe eben auch bei anderen Menschen an.

Manche legen diese Eigenschaft als Mangel an Diplomatie aus.
Nochmal: Solange Sie meine Familie und mich in Ruhe lassen, bin ich privat völlig unkompliziert. Auf dem Platz ist das anders.

Das heißt?
Dort bin ich eine Person, die dem Verein einen Vorteil verschaffen muss. Und natürlich kommt es vor, dass ich am Abend, wenn ich manche Szenen im »Sportstudio« sehe, die Hände über dem Kopf zusammenschlage und denke: »Was hast Du da nur wieder angestellt?«.

Beispielsweise als Sie Marco Reus im vergangenen Jahr im Pokalspiel gegen Gladbach auf den gebrochenen Zeh stiegen?
Das Foul war schlicht und einfach asozial. Mein Umfeld kann mich völlig zurecht für sowas kritisieren. Andererseits nervt es, von Leuten, die in ihrem Leben noch nie gekickt haben, zu hören: »Sowas gehört sich nicht.«

Das Klischee des »Bad Boy« wieder mal bestätigt.
Als ich in der Kabine saß, schwante mir, dass da was kommen würde. Allerdings nicht in den Ausmaßen, wie es dann kam.

Was meinen Sie?
Mich als Fußballer kann man gerne kritisieren, aber das eine Zeitung schrieb, die Aktion sei eine Folge davon, dass ich aus einem sozialen Brennpunkt stamme; dass öffentlich gefordert wurde, ich solle die Höchststrafe vom DFB bekommen und dass meine Mutter von Hartz IV leben würde – dazu wiederum sage ich: »Sowas gehört sich nicht.«



Wie gehen Sie mit dieser Art von Berichterstattung um?
Ich habe den Kontakt zu diesen Zeitungen gekappt und auch mal kurz überlegt, ob ich gegen jemand, der sowas über meine Mutter schreibt, Schritte einleite. 

Können Sie erklären, wie es dazu kommt, dass Sie Reus auf den verletzten Zeh treten?
In dem Augenblick, in dem es passiert, habe ich leider gar nicht nachgedacht. Aber natürlich gehe ich auf den Platz, um zu gewinnen. Da ist mir – blöd gesagt – fast jedes Mittel recht. Doch dabei bin ich leider über die Stränge geschlagen.

Gab es eine Vorgeschichte zu dieser Aktion?
Gar nichts. Auf dem Platz wird ja viel provoziert, wovon die Zuschauer nichts mitbekommen. Aber in dieser Szene war rein gar nichts vorgefallen. Ich wusste nur, das Marco ein sehr guter Fußballer ist, der uns als Klub gefährlich werden kann. Punkt. Eine saudumme Sache, für die ich mich am selben Abend noch bei ihm entschuldigt habe.

Ihr früherer Trainer Friedhelm Funkel sagt, Sie seien auch deshalb so oft verletzt gewesen, weil Sie selbst im Training keinem Zweikampf aus dem Wege gingen.
Seit unserer gemeinsamen Zeit bin ich ruhiger geworden. Im Training springe ich jetzt auch mal hoch, bevor es kracht. Aber es kann nicht mehr soviel kaputt gehen. Im linken Knie habe ich zwei Schrauben und im Schienbein eine weitere. Da sitzt alles fest.

Körperliche Auseinandersetzung gehört für Sie aber zum Fußball dazu.
Wenn ich in einer Spielsituation die theoretische Chance habe, egal wie groß sie auch ist, an den Ball zu kommen, würde ich nie zurückziehen. Deswegen ist das Foul an Reus auch so untypisch, weil es keinen Sinn ergibt.

Sehnen Sie sich manchmal zurück nach seligen Stürmer-Zeiten, als Sie noch nicht der Mann fürs Grobe waren?
Nein, die Sechser-Position ist ideal. Ich muss viel laufen, viel arbeiten. Na gut, den Ruhm stecken manchmal andere ein. Aber ich wäre froh gewesen, wenn ich von Beginn meiner Karriere dort gespielt hätte.

Merken Sie mit 31 Jahren den Verschleiß?
Ich fühle mich sehr fit. Christoph Metzelder ist genauso alt und redet von Karriereende. Soweit bin ich noch nicht. Aber natürlich gab es Phasen, in denen ich sehr viel Voltaren genommen habe, das tue ich nicht mehr.

Auf Ihrer Homepage nennen Sie Klaus Augenthaler einen Ihrer prägendsten Trainer. Dabei haben Sie nur fünf Spiele unter ihm gemacht.
Vielleicht war das der entscheidende Faktor. Er hat mir zu einer Zeit die Leviten gelesen, als ich der Überzeugung war, ich sei das Supertalent. Ich wechselte 2003 mit einer Verletzung zu ihm nach Leverkusen. Dort gab er mir die Chance, Champions League zu spielen, was mich schnell zu der Überzeugung brachte, es nun geschafft zu haben. Da verpasste er mir einen Denkzettel.

Wie sah der aus?
Er sagte klipp und klar: »Du wirst es hier nicht schaffen, weil Dir die Einstellung fehlt.« Augenthaler nahm mich aus der Mannschaft, setzte mich auf die Bank und sagte mir, dass er nicht mehr mit mir plane. Wenn das nicht passiert wäre, hätte ich erst viel später verstanden, was es heißt, Profi zu sein. Wahrscheinlich wäre ich sonst heute nicht beim FC Schalke 04, sondern irgendwo in der zweiten Liga.

Das Scheitern als Chance.
Es war die erste echte Hürde, die ich in meinem Leben nehmen musste. Ich machte damals den Fehler, fünf meiner Frankfurter Freunde mit nach Leverkusen zu nehmen, bei mir wohnen zu lassen und durchzufüttern. Wenn ich kaputt vom Training nach Hause kam, war da schon Halligalli. Mit 22 ist es nicht so leicht, den Kumpels am Freitagabend zu erklären, dass man ins Bett muss, wenn die Party machen wollen. In dieser Zeit trat der Fußball bei mir etwas in den Hintergrund.

Sie waren in dieser Zeit auch oft verletzt.
Diese Verletzungen waren eine Folge meines Lebenswandels. Ich hatte großes Glück, dass Friedhelm Funkel überhaupt bereit war, mir nochmal zu vertrauen.

Friedhelm Funkel holte Sie 2005 zurück zu Eintracht Frankfurt – und rettete Sie.
Wir trafen uns in einem Kölner Café. Vielleicht das wichtigste Gespräch meiner Karriere. Funkel hatte sich nach mir erkundigt und auch mit Augenthaler gesprochen. Also ließ er mich im Gespräch erst einmal kommen.

Er rang Ihnen das Versprechen ab, sich zu bessern.
Es gab große Widerstände im Vorstand der Eintracht gegen mich. Also habe ich ihm versprochen, meine Klappe zu halten und alles zu tun, was im Sinne des Klubs ist. Nach drei Stunden fuhr er nach Hause und sagte, er würde es sich überlegen. Darauf folgten die härtesten zwei Tage meines Lebens. Ich fürchtete, dass er sich gegen mich entscheidet. Dann hätte ich wohl oder übel zu irgendeinem kleinen Klub im unteren Drittel der zweiten Liga wechseln müssen. Und ob ich mich da noch so entwickelt hätte…?



Statt dessen stiegen Sie mit der Eintracht auf und wurden Kapitän der Mannschaft.
Und als ich 2007 nach Schalke wechselte, bedankte sich Funkel bei mir dafür, dass ich mein Versprechen gehalten hatte.

Sie sind in Bonames als Jugendlicher auch in Konktakt mit Drogenabhängigen gewesen. Inwieweit haben Sie selbst Erfahrungen in dieser Hinsicht gemacht?
In Bonames gab es ein paar ältere Jungs, die ziemlichen Blödsinn machten. Mein direktes Umfeld und ich waren da vernünftiger. Zwei meiner besten Freunde von damals arbeiten heute in einem Frankfurter Nobelrestaurant, einer ist dort Chefkoch. Wir sind durch diese Zeit einigermaßen unbeschadet durchgekommen.

Einigermaßen?
Natürlich haben wir mal was ausprobiert, aber keiner von uns war drogenabhängig.

Gekifft?
Ja, klar. Aber schlimmer ist es nie geworden.

Das negative Vorbild der Älteren in Bonames hat bei Ihnen also schon früh ein Umdenken bewirkt.
Ich habe es nie als schlimm empfunden, dort aufzuwachsen. Aber mir war relativ früh klar, dass ich später einmal anders leben möchte.

Der »Bad Boy«, der Ihnen immer zugeschrieben wird, ist also spätestens seit Ihrer Rückkehr nach Frankfurt 2005 Geschichte. Dennoch wird das Klischee bei jeder Gelegenheit aufs Neue bemüht.
Darüber habe ich mit den Kollegen aus der Medienabteilung schon oft diskutiert. Es gibt viele, die schon in jungen Jahren in so eine Schublade gesteckt werden: Kevin Prince Boateng, Zlatan Ibrahimovic, gerade wird auch bei Marko Arnautovic der Deckel drauf gemacht. Und wenn der erst mal drauf ist, kommt man nur schwer wieder raus.

Bei Ihnen trägt auch eine gewisse Extrovertiertheit zu dem öffentlichen Bild bei.
Natürlich habe ich mir als junger Kerl Mercedes und Lamborghinis geleistet. Aber tiefergelegte Sportwagen fahre ich heute schon deshalb nicht mehr, weil ich darin Rückenschmerzen kriege. Ich fahre Toureg und Multivan – aber wenn irgendwo ein Foto von mir mit einem Auto auftaucht, dann das mit dem Hummer, den ich vor mehr als vier Jahren verkauft habe. Offenbar bin ich den Medien am Steuer eines Multivan zu langweilig.

Was sagt Ihre Frau, wenn Sie nach dem Fußtritt gegen Marco Reus nach Hause kommen?
Was soll Sie sagen? Natürlich, dass sowas nicht geht. Unser Ältester ist jetzt zwölf. Was glauben Sie, was da auf dem Schulhof los ist, wenn der Papa dem Reus auf den Fuß tritt?

Diskutieren Sie mit Ihrer Frau den offenen Umgang mit Tattoos?
Wieso? Meine Frau hat selbst Tattoos.

Aber die Tattoos tragen zu Ihrer öffentlichen Wahrnehmung bei und prägen Ihr Image.
Aber das ist doch eine Frage des Geschmacks. Die Kinder kennen das, wir gehen offen damit um.

Das Lieblingstattoo von Kevin Prince Boateng ist angeblich der »Berlin«-Schriftzug.
Der Typ ist ja auch ein richtiger Asi, der trägt sogar Tattoos am Hals. Wie kann man nur? (lacht) Das sage ich ihm jedes Mal, wenn wir uns sehen.

Was steht da auf Ihrem linken Arm?
»Only god can judge me«. Das ist ein Tattoo aus meiner Frankfurter Zeit, das bedeutet mir viel. Ich lass mich nicht verbiegen, ich treffe meine eigenen Entscheidungen. Gott ist der einzige, der über mich richtet.

Sind Sie gläubig?
Katholisch. Mein Schwiegervater hat einen christlichen Verlag geführt, wir diskutieren viel über Gott. Er sagt, ich muss jetzt nicht ständig beten oder in die Kirche rennen, aber auf die Unterstützung von oben kann ich mich verlassen.

Glauben Sie daran?
Es gibt auf jeden Fall Gerechtigkeit, die von oben kommt. Im Leben kriegt man alles zurück – im positiven wie im negativen.

Und wie ist es um Ihr Gerechtigkeitskonto bestellt? Haben oder Soll?
Ich glaube, die vielen Verletzungen, mit denen ich zu kämpfen hatte, sind eine Quittung für die Dinge, die ich mir früher erlaubt habe. Andererseits habe ich frühzeitig die Kurve gekriegt und bin mit 31 noch so fit, dass ich noch ein paar Jahre spielen kann. Es ist wohl etwas mehr auf der Haben-Seite.

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