03.06.2009

Jens Nowotny trifft Herbert Fandel

»Ballack quatschte mich voll«

Jens Nowotny wurde in seiner Karriere so oft vom Platz gestellt wie kein anderer Profi. Dabei war der Ex-Nationalspieler mitnichten ein Treter, findet Schiedsrichter Herbert Fandel. Ein Gespräch über Kontaktfreudigkeit, Arroganz und Regelpäpste.

Interview: Andreas Bock Bild: Jana Kay
Jens Nowotny trifft Herbert Fandel

Herbert Fandel, glaubt man der Statistik, war Jens Nowotny der unfairste Spieler, den es je in der Bundesliga gab ...

Herbert Fandel: Moment! Laut Statistik hat er die meisten Platzverweise aller Bundesligaspieler, das stimmt. Doch Jens Nowotny deswegen als unfairen Treter zu bezeichnen, ist der falsche Schluss. Zumal er durchaus auch technische Fähigkeiten hatte. Im Spiel hat er eben oft seine Grenzen ausgelotet, und auch, wenn es hoch herging, seinen Spielstil selten geändert.

Jens Nowotny:
Vor einigen Monaten wurde ich in eine Fernsehsendung eingeladen, wo man mit mir meine acht Platzverweise analysierte. Wir kamen zu dem Ergebnis, dass ich viermal berechtigt und viermal unberechtigt vom Platz gestellt wurde. In dieser Sendung wurde allerdings auch das Dilemma deutlich, denn jeder, der sich die Situationen in den Wiederholungen ansah, hatte eine andere Meinung – trotz Superzeitlupe.



Auf Ihre Platzverweise reagierten Sie zumeist sehr besonnen. Das Lamentieren überließen Sie anderen. Wieso?

Nowotny: Wurde jemals eine Entscheidung aufgehoben, weil sich ein Spieler lautstark beklagte?

Viele Spieler glauben jedenfalls daran. In dem Film »Profi« sieht man Paul Breitner ununterbrochen mit den Schiedsrichtern reden.

Fandel: Und das ist keine Ausnahme. Es gibt immer noch viele Spieler, die sind ...

Nowotny: ... sehr kontaktfreudig.

Fandel: (lacht) Genau. Als junger Schiedsrichter konnte ich damit nicht umgehen. Ich hatte wohl noch zu wenig Persönlichkeit, zu wenig Autorität. Die Akzeptanz bei den Spielern fehlte, vielleicht weil ich zu unerfahren war. Damals hatte ich nur eine Chance: Knallhart die Regeln auslegen.

Jens Nowotny, gab es zu Ihrer Leverkusener Zeit Spieler, die im steten Wortgefecht mit dem Schiedsrichter standen?

Nowotny: Ich weiß nicht, ob Michael Ballack so einer war ...

Fandel: Aber selbstverständlich! (lacht) Ballack ist ein großer Spieler, zweifelsohne. Aber er war immer einer, der von der ersten Minute an Kontakt zu mir suchte. Der ist stets sofort an die Schiedsrichter ran und hat sie voll gequatscht. Vielleicht fühlen sich die Spieler damit besser. Den Schiedsrichtern macht es die Spielleitung indes nicht leichter.

Nowotny: Jetzt, da Sie es sagen: Im Champions-League-Hinspiel Chelsea gegen Barcelona hat man das auch deutlich gesehen. Vielleicht fühlte Ballack eine besondere Verbindung zum Schiedsrichter Wolfgang Stark, weil dieser auch Deutscher ist.

Herr Fandel, erleben Sie es oft, dass sich Spieler oder Trainer bei Ihnen entschuldigen, weil sie in bestimmten Situationen die Contenance verloren?

Fandel: Ja. Und ich finde es besonders schön, wenn sich Spieler nach Niederlagen für das Spiel bedanken – oder gar für den einen oder anderen Ausraster entschuldigen. Beim letzten Bayern-Spiel unter Jürgen Klinsmann habe ich eine solche Erfahrung gemacht.

Nowotny:
Mit wem?

Fandel: Mit einem Spieler, von dem man es nicht erwartet – mit Mark van Bommel. Kennen Sie ihn persönlich?

Nowotny:
Nein.

Fandel: Sensationell. Ich kenne ihn ja von früher, von internationalen Spielen. Wir hatten bis dahin keine Berührungspunkte außerhalb des Platzes. Nach dem Spiel gegen Schalke, in dem er sehr aggressiv spielte und von mir verwarnt wurde, kam er zu mir in die Kabine …


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