09.12.2008

Jens Nowotny im Interview

»Gemeinsam in der Pflicht«

Jens Nowotny ist seit dem 17.11. sportlicher Berater von »deinfussballclub.de«. Die Online-Gemeinschaft wird ab Januar 49 Prozent von Fortuna Köln übernehmen. Wir sprachen mit ihm über Basisdemokratie im Fußball.

Interview: Marco Di Lenarda Bild: dfc.de
Jens Nowotny im Interview
Herr Nowotny, dass über Sie abgestimmt wurde, war Ihre eigene Idee. Ziemlich riskant, oder?

Das war für mich selbstverständlich. Wenn wir es anders gemacht hätten, hätten wir unsere Glaubwürdigkeit aufs Spiel gesetzt. Es war sicher nicht ungefährlich. Aber die Abstimmung war für die Legitimation unserer Arbeit nötig.



Wie waren ihre ersten Tage als sportlicher Berater?

Ich musste mir zuerst einen Überblick verschaffen. Deshalb habe ich versucht, die Stimmung der Mitglieder aufzusaugen, indem ich mir Online-Abstimmungen und Einträge in den Blogs angeschaut. Mich hat interessiert, ob die kritischen Einträge auch überlegte Anregungen beinhalten oder ob ich viel Populistisches finden würde. Gefunden habe ich sowohl Konstruktives wie Destruktives, wobei Ersteres erfreulicherweise überwog.

Wie wird ihr Alltag aussehen, wenn die Anfangszeit vorbei ist?

Das kann man jetzt noch nicht sagen. Derzeit bin ich ein- bis zweimal in der Woche in Köln. Dazu schaue ich täglich morgens, mittags und abends die Einträge der Fans im Forum an. Hier – also in der Betreuung der Mitglieder – liegt mein Schwerpunkt. Dafür favorisiere ich den persönlichen Weg: Wenn ich eine interessante Anmerkung lese, wende ich mich direkt an das Mitglied. So kann man im kleinen Kreis klären, welche Möglichkeiten ein Vorschlag bringen kann, wo er Lücken aufweist oder ob vielleicht sogar eine Abstimmung Sinn macht.

Können die Mitglieder des DFC auch den umgekehrten Weg gehen und sie persönlich anschreiben?

Dafür bin ich hier. Ich bin unter www.deinfussballclub.de mit Benutzernamen angemeldet, wie alle anderen auch. Wenn jemand ein Anliegen hat, kann er sich an mich wenden.

Sie haben in einem ihrer ersten Einträge im Forum des DFC darum gebeten, bei Kritik nicht persönlich zu werden. Was meinten sie damit?

Ich kenne das Geschäft. In einer erfolglosen Phase passiert es schnell, dass Kritik und böse Worte oft nicht voneinander getrennt werden. Es geht mir darum, vor allem Spieler und Trainer zu schützen. Mit einer persönlichen Beleidigung greift man den Menschen direkt an. Das darf im Forum keinen Platz haben. Wir sind davon überzeugt, dass das ganze Team tagtäglich versucht, das Beste für die Fortuna und den DFC herauszuholen. Dass es schlechte Tage gibt, ist menschlich.

Das heißt, es ging Ihnen bei der Aussage gar nicht so sehr um sich selbst?

(überrascht) Nein, gar nicht. Wenn mich einer beleidigt, werde ich die passende Antwort finden, da können Sie sicher sein.

Kennen Sie schon alle drei Torhüter der Fortuna?

Ganz ehrlich, nein. Ich führe derzeit intensive Gespräche mit Dirk Stoeveken und Burkhard Mathiak (Geschäftsführer und Pressesprecher des DFC, d.Red.). Die Beiden bringen mich auf verschiedenen Gebieten auf den neuesten Stand. Wir suchen gemeinsam nach den Punkten, an denen unsere Zusammenarbeit ansetzen kann.

Mit der Mannschaft beschäftigen Sie sich also noch nicht?

Wir müssen logisch vorgehen: Zuerst kommen Gespräche mit den Verantwortlichen, wir müssen uns als Erstes austauschen. Ich wollte schon das Spiel gegen Essen sehen. Das ist dann aber dem schlechten Wetter zum Opfer gefallen. Gegen Herne hatte ich jetzt keine Zeit. Aber wir haben diese Woche ein Freundschaftsspiel gegen Bergisch Gladbach. Da werde ich vorbeischauen. Wenn meine Arbeit aber perspektivisch Sinn machen soll, kann es nicht nur darum gehen, die erste Mannschaft zu beobachten. Auch die Jugendmannschaften tragen zum Erfolg des Vereins bei.

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