27.12.2007

Jens Lehmann im Interview

„Ich will so nicht aufhören“

Zu Saisonbeginn fragte sich Jens Lehmann nach dem Sinn, noch weiterzumachen. Er hat sich bei Arsenal gelangweilt - und verlor prompt seinen Stammplatz. Für einen vorzeitigen Vereinswechsel bleibt ihm jetzt nur noch eine Woche Zeit.

Interview: Markus Hesselmann Bild: Imago
Sie spielen auf einen möglichen Vereinswechsel an wegen Ihrer Rolle als zweiter Mann.

Nicht nur, das wäre nicht der einzige Grund. Aber bei einem möglichen Vereinswechsel müsste ich so Anfang Januar spätestens eine Entscheidung treffen. Also in … (zeigt auf die Datumsanzeige seiner Uhr) in gut einer Woche.

Suchen Sie aktiv?

Nein.

Sie sondieren Angebote?

Ja (längere Pause) ja. Ich habe mir was angehört. Ich kann da im Moment aber noch nichts Konkretes zu sagen.

Käme Manchester City in Frage?

Vielleicht, aber ich habe da mit niemandem gesprochen.

Und Wolfsburg. Hat von dort jemand mit Ihnen gesprochen?

Da hat wohl mal jemand angerufen bei Arsene Wenger. Mein Anwalt hat auch mal mit Leuten gesprochen, aber ich kann jetzt nicht sagen, von welchem Verein. Wissen Sie, das ist noch ein schwebender Zustand, es ist schwierig, darüber zu sprechen.

Aber Sie haben ja selbst gesagt, dass die Zeit knapp wird.


Ich sollte in gut einer Woche Näheres wissen, um dann in den ersten Tagen des neuen Jahres die Entscheidung zu treffen.

Der "Guardian", nicht gerade ein Sensationsblatt, schreibt, dass Ihre Beziehung zu Arsene Wenger endgültig kaputt sei. Was halten Sie davon?

Das ist mir eigentlich egal was sie schreiben. Wenn mein Trainer Sachen, die im Fußball passieren, persönlich nehmen sollte, dann ist das seine Sache. Wenn er mir übel nimmt, dass ich mich nicht freue, nur zweiter Mann zu sein, dann kann ich auch nichts dafür. Wenn jemand Grund hätte, übel gelaunt zu sein, dann wohl eher ich.

Also ist die Einschätzung des "Guardian" richtig?


Keine Ahnung. Ich weiß ja nicht, wie die auf die Schlagzeile kommen. Ich lese das alles nur selten. Privat habe ich auf jeden Fall ein gutes Verhältnis zu Wenger, außerhalb des Fußballs.

Hat denn Wenger wirklich Ihnen gegenüber zugegeben, dass er bei Ihrem Konkurrenten Manuel Almunia einen anderen Maßstab anlegt als bei Ihnen?

Ich habe ihm gesagt, dass ich den Eindruck habe, dass er Almunia anders bewertet als mich. Bei mir war er superkritisch, ich musste alles halten, bei jeder Kleinigkeit gab es Kritik. Und das ist bei meinem Konkurrenten offenbar anders.

Was hat er geantwortet?

Das kann sein, hat er gesagt.

Ist das nicht der Moment, in dem Sie sagen müssten, Schluss, mir reicht es?

Nicht unbedingt. Es kann passieren, dass ich hier die nächsten vier Monate auf der Bank sitze oder aber nächste Woche wieder spiele.

Was wäre dann mit der EM als Ihrem anderen großen Ziel? Meinen Sie, dass Sie da auch hinfahren könnten, wenn Sie vorher bei Arsenal nur Ersatz waren?

Ich glaube, das ginge. Ich habe mich jetzt mal selber überprüft, als ich in der Nationalmannschaft gespielt habe. Und da kann man nicht sagen, dass ich da eine schlechte Leistung gezeigt hätte. Beim Irlandspiel bin ich direkt nach einer Verletzungspause zurückgekommen. Ich stand unter Druck, weil wir die Punkte ja noch brauchten. Und es war dann für mich das beste von allen Qualifikationsspielen. Es gibt also keinen Grund zu sagen, das geht nicht. Warum soll ich da nicht selbstbewusst sein?

Wie ist es dann bei Ihnen angekommen, dass Bundestrainer Joachim Löw erst angedeutet hat, dass Sie ein sicherer Kandidat für die EM seien und dann ein Stück davon abgerückt ist und bei seiner Aussage von einer "Interpretationssache" sprach?

Es gibt einfach bestimmte Fakten, die für mich sprechen. Der Per Mertesacker hat das einmal gut ausgedrückt: Bälle halten können viele, aber die Abwehr richtig in Stellung bringen, das können weniger erfahrene Torhüter nicht. Das ist ein Pluspunkt, den die anderen so schnell nicht aufholen können. Sie wissen noch nicht, wie es geht. Dazu kommt, dass ich ziemlich komplett in meinen Fähigkeiten bin.

Sie klingen so, als sei Ihnen schon klar, dass Sie bei der EM dabei sind.


Ich werde bei der EM spielen. Daran glaube ich, und das motiviert mich auch jeden Tag. Dafür trainiere ich jeden Tag.

Liegt diese Sicherheit auch an der Schwäche der anderen deutschen Torhüter?


Das will ich nicht beurteilen. Vielleicht sind sie handwerklich irgendwann besser als ich. Sie können aber nicht innerhalb des nächsten halben Jahres das Spielverständnis aufholen, was ich Ihnen voraus habe.

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