Jan Weiler über die Bayern-Krise

»Klinsmann ist hart gelandet«

Der Journalist und Schriftsteller Jan Weiler ging im vergangenen Jahr eine scheinbar sichere Wette mit der 11 Freunde-Redaktion ein. Heute fragen wir nach, ob der Bayern-Anhänger langsam weiche Knie bekommt. Jan Weiler über die Bayern-KriseImago

Herr Weiler, im vergangenen Oktober wetteten Sie mit uns, dass der FC Bayern am Ende der Saison zumindest die Champions League erreicht. Sollte das nicht passieren, schulden Sie uns einen Kasten Bier. Haben Sie das Geld eigentlich schon zur Seite gelegt?

(lacht) Ich wusste, dass mich das eines Tages einholen wird. Ich habe mir das alles ganz genau angesehen und muss sagen, dass es gar nicht so schlimm aussieht. Wir brauchen doch nur zwei Siege, und dann ist alles wieder okay. Wir müssen uns also keine Sorgen machen.

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Sie werden also beim Blick auf die Tabelle nicht nervös?

Ich bin kein bisschen nervös, ich bin eher angespannt. Ich war wieder ein paar Mal im Stadion, und natürlich gab es Momente, in denen ich dachte: »Das wird nichts!« Aber nüchtern betrachtet, sind es nur vier Punkte Rückstand. Das macht die Sache ein bisschen spannend. Aber am Ende bleibt der Kasten Bier bei mir.

Würden Sie das Problem der Mannschaft immer noch auf mangelnde Treffsicherheit der Stürmer reduzieren?
 
Nein, denn mittlerweile kommen noch Probleme im Mittelfeld und in der Abwehr dazu. Und im Tor. (lacht) Im Moment ist es wirklich schlimm, weil jetzt auch Jürgen Klinsmann merkt, was eine harte Landung ist. Ganz offensichtlich stimmt es zwischen ihm und der Mannschaft nicht. Einem einigermaßen intelligenten Spieler sind bestimmte Personalentscheidungen eben nicht zu vermitteln.

Beleidigte Spieler und ein zunehmend genervter Manager Uli Hoeneß – entgleitet Jürgen Klinsmann im Frühjahr 2009 sein »Projekt FC Bayern«?

Jürgen Klinsmann erinnert mich immer mehr an einen Unternehmensberater. Er erzählt den Spielern alles, was sie hören wollen, und stellt sie dann trotzdem nicht auf. Ist doch klar, dass diese Spieler mit der Zeit keine Lust mehr haben. Eine Fußballmannschaft kann man nun mal nicht leiten wie ein Führungskräfte-Seminar.

Sie forderten, dass Klinsmann an seiner Glaubwürdigkeit arbeiten müsse, um seiner Mannschaft die schwierige Situation zu verdeutlichen. Erkennen Sie erste Lernerfolge?

Ich glaube, die Spieler glauben ihm eben nicht alles, und das ist auch gut so. Ihnen wird täglich erzählt, welche Werte stimmen müssen und wie wichtig mentale Stärke ist. Aufgestellt werden sie aber trotzdem nicht. Jürgen Klinsmann ist eben auch nur ein Mensch und macht deshalb auch Fehler. Aber es liegt nicht nur an ihm.

Auch der Konflikt mit Teilen der Münchener Medienlandschaft scheint Klinsmann immer mehr in Bedrängnis zu bringen. Hat Klinsmann überhaupt noch ein Chance, das Ganze unbeschadet zu überstehen?

Das war ein Riesenfehler. Aber ich glaube, dass macht ihm nicht allzu viel aus. Dieses ganze Gehabe gehört doch schon seit gefühlten 3000 Jahren zur Folklore in München. Das dann mal wieder Uli Hoeneß herumtobt, sollte man nicht allzu ernst nehmen. Das Klinsmann einen schweren Stand bei einigen Lokaljournalisten hat, ist sein kleinstes Problem.

Und was ist sein größtes Problem?


Die vereinzelt guten Ergebnisse, die der FC Bayern in der Rückrunde erzielt hat, sind nicht mit guten Leistung der eigenen Mannschaft zu begründen, sondern eher mit den schmeichelhaften Auftritten der Gegner. Viele Spieler scheinen sich auf den wenigen Leistungsträger zu verlassen, manche entwickeln sich sogar zurück.

Hand aufs Herz, wie groß ist ihre Sorge um den die Bayern im Moment?

Ich bin mir sicher, dass wir nicht absteigen.(lacht) Ich gönne sogar anderen Mannschaften die Meisterschaft. Meine eigentliche Sorge ist aber, dass die Bayern die Champions-League verpassen. Dann läuft der Verein ernsthaft Gefahr Franck Ribery zu verlieren, denn der wird sich nicht noch ein Jahr ohne Champions-League antun. Sollte das passieren, wird der Verein über Jahre Probleme bekommen, den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. So einen Verlust könnte keine Mannschaft verkraften.

Das klingt nicht mehr allzu positiv. Wollen Sie Ihre Wette lieber zurück ziehen?

Nein, auf keinen Fall. Ich bin Optmist. Wir schaffen einen Champions League-Platz. Und ich erhöhe sogar den Einsatz: Zwei Kästen Bier.

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