Jan Rosenthal über seinen Wechsel

»Ich brauchte Abstand«

Im Sommer wechselte Jan Rosenthal von der Leine in Hannover an die Dreisam zum SC Freiburg. Er musste weg, die letzte Saison bei 96 war zu aufreibend. »Rosi« über den Abstand zu Hannover und neue deutsche Fußballer. Jan Rosenthal über seinen Wechsel

Jan Rosenthal, letzte Saison spielten Sie in Hannover und der Verein stieg fast ab. Jetzt sind Sie in Freiburg und 96 ist Vierter. Kaum spielen Sie nicht mehr in Niedersachsen, läuft es scheinbar bei den »Roten«...

Solche Sprüche muss ich mir auch bei uns in Freiburg anhören. Vielleicht ist es aber auch so: Kaum spielt Rosi in Freiburg, läuft es beim SC. (lacht)

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Warum hat der SC Freiburg derzeit so einen Erfolg?

In beiden Teams, bei 96 und dem SC, herrscht echter Teamgeist. Es wird umgesetzt, was sehr gute Trainer, wie Robin Dutt oder Mirko Slomka, taktisch vorgeben. Jeder Spieler hat seine Aufgabe auf dem Platz und erfüllt sie. Das Spielsystem verändert sich: Aus Einzel- werden Rollenspieler. Die Homogenität ist entscheidend.

Und diese Konzepte funktionieren auch in Mainz und Dortmund.

Genau. Dort sind junge Spieler, die etwas erreichen wollen. Die Individualisten, die alten Führungsspieler, sind gegangen und werden auch nicht mehr vermisst. Jeder kämpft für jeden.

Der Gedanke ist nicht neu. Warum stehen gerade jetzt so viele Mannschaften, die dieser Philosophie folgen, oben in der Tabelle?

All diese Vereine haben sehr viele junge und talentierte Spieler, die nicht nur den Willen haben, sondern fußballerisch viel bieten können. Bei uns in Freiburg ist ein Felix Bastians mit 22 Jahren Stammspieler und Leistungsträger, das gleiche gilt für Nuri Sahin in Dortmund oder Lewis Holtby in Mainz.

Was bedeutet es, wenn sehr junge Spieler früh Führungsrollen übernehmen müssen?

Es ist ein Zeichen für die Qualität der Jugendarbeit im deutschen Fußball. Ich war einer der ersten, der die DFB-Stützpunkte durchlaufen hat, die nach dem desolaten Abschneiden nach der WM 1998 und der EM 2000 gegründet wurden. Ein Ergebnis ist, dass die jungen Spieler der Gegenwart viel Selbstvertrauen und Sicherheit haben.

Sie haben Ihre Erfahrung erst in der Jugend und später bei den Profis von Hannover 96 bekommen.

Stimmt, deshalb ist das Spiel am Samstag in Hannover auch etwas ganz besonderes für mich. Zum einen ist es sportlich interessant. Diesmal spielen nicht zwei Abstiegskandidaten gegeneinander, es ist fast ein Spitzenspiel. Andererseits habe ich viele Erinnerungen an den Verein und die Fans. Ich war schließlich zehn Jahre in Hannover.

Was ist Ihnen aus der Zeit bei 96 besonders hängen geblieben?

Meine erste Saison, bei der wir fast den UEFA-Cup erreichten und natürlich die letzte Spielzeit. Ich war verletzt, konnte deshalb nur zuschauen und habe auf der Tribüne mitgelitten. Die ganzen Trainerwechsel, der Fast-Abstieg und der Tod von Robert Enke war alles sehr emotional.

Brauchten Sie Abstand zu Hannover?

Auf jeden Fall. Der Schritt war überfällig. Man muss den eigenen Lehrbetrieb auch mal verlassen. Die Stadt, der Verein, alles kannte ich auswendig. Es war einfach Zeit für einen Wechsel. Ich brauchte ein neues Umfeld.

Sie meinen den Tod von Robert Enke.

Genau. Das ging aber nicht nur mir so. Ich glaube, Spieler wie Hanno Balitsch, Jiri Stajner oder Arnold Bruggink, Menschen, die mit Robert sehr eng verbunden waren, haben unter anderem auch aus diesem Grund den Verein verlassen. In erster Linie hat mich aber das Positive hier in Freiburg gereizt, also die sportliche Herausforderung.

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