21.12.2010

Jan Kocian über seinen neuen Job in China

»Die Bilder waren schön«

Jan Kocian hat für St. Pauli gespielt und später unter anderem die slowakische Nationalelf trainiert. Nun unterschrieb er beim chinesischen Klub Jiangsu Guoxin Sainty FC. Ein Gespräch über laute Chinesen und Medizinbälle.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Jan Kocian, wo erwische ich Sie?

Ich fahre gerade auf der Autobahn in Richtung Bratislava. Ich habe noch einige Dinge zu erledigen. Mein Fitnesstrainer und mein zweiter Co-Trainer in Nanjing sind auch Slowaken, für sie und mich brauche ich noch ein Visum.



Und wann ziehen Sie endgültig nach China?

Am vierten Januar fliege ich mit meinen beiden Mitarbeitern über Wien und Frankfurt nach Nanjing. Die ersten Monate sind wir nur im Trainingslager. Erst in China, dann wahrscheinlich in der Türkei. Meine Partnerin bleibt deshalb auch erst einmal hier und kommt im April nach.

Sie sind mehrere Monate im Trainingslager?


Das ist natürlich etwas gewöhnungsbedürftig, aber die Vorbereitung auf die Saison dauert in China vier Monate. Mitte Dezember beginnt die Vorbereitung und Anfang April haben wir das erste Ligaspiel.

Fallen Ihnen überhaupt genügend Trainingsmethoden für vier Monate Trainingslager ein?

Ich denke schon. Ich habe mich ein wenig schlau gemacht und mit slowakischen Trainern gesprochen, die in Russland gearbeitet haben. Da ist die Situation ähnlich.

Welchen Eindruck hatten Sie von China während Ihrer ersten Reise?

Ich war bisher nur acht Tage wegen der Vertragsunterzeichnung dort. Aber es ist ein unglaubliches Land. All die Gebäude, die Infrastruktur. Überall wird gebaut. Wo früher Reisfelder waren, stehen jetzt Wolkenkratzer. Das sagen zumindest die Chinesen.

Ist bei Ihrem neuen Verein Jiangsu Guoxin Sainty FC auch alles brandneu?

Ja. Es ist wirklich imposant. Vor wenigen Jahren wurde ein neues Stadion für 60.000 Zuschauer gebaut. Die Trainingsanlagen sind auch gut.

Sie vermissen nichts?

Nur ein paar Kleinigkeiten. Medizinbälle zum Beispiel. Aber bis ich im Januar wieder da bin, hat mir der Verein alles besorgt.

Keine Medizinbälle? Felix Magath wäre sofort abgereist.

Ich musste auch schon an ihn denken. Ihm wäre das vielleicht zu wenig. Aber ich habe kein Problem damit, mich auf neue Situationen einzustellen. So ein harter Hund wie Felix bin ich auch nicht.

Wie ist der Verein überhaupt mit Ihnen in Kontakt getreten?


Das ging alles wahnsinnig schnell. Eigentlich war ich mir schon mit einem Verein in der Slowakei, dem FC Nitra, einig. Aber dann kam ein Anruf, ob ich Interesse hätte nach China zu gehen. Das war für mich sofort interessant. Ich hatte noch nie Angst vor Neuem. Ich bin damals in den Achtzigern auch aus der Tschechoslowakei nach Deutschland gegangen. Ein paar Tage später gab es dann ein Treffen in Frankfurt, beim dem auch Chen Yang anwesend war, der Teambetreuer von Nanjing und mein neuer Co-Trainer. Er hat früher wie ich für St. Pauli gespielt. Wir haben uns auf Anhieb verstanden.

Und dann wurden direkt Nägel mit Köpfen gemacht?

Nein. Wir haben uns nur unterhalten. Danach habe ich ihm gesagt, dass ich den Job haben will. Die Perspektiven waren einfach reizvoller als in der Slowakei. Außer mir waren noch zwei, drei andere Trainer im Rennen. Aber sie haben sich für mich entschieden. Ein paar Tage später jettete die komplette Vereinsführung nach Frankfurt und wir haben die Vertragsdetails ausgearbeitet. Es war eine gute Atmosphäre. Nur manchmal, wenn die Chinesen miteinander reden, hat man das Gefühl, dass die sich streiten. Aber die reden einfach etwas lauter miteinander.

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