Jan Kocian über seinen neuen Job in China

»Die Bilder waren schön«

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Jan Kocian, wo erwische ich Sie?

Ich fahre gerade auf der Autobahn in Richtung Bratislava. Ich habe noch einige Dinge zu erledigen. Mein Fitnesstrainer und mein zweiter Co-Trainer in Nanjing sind auch Slowaken, für sie und mich brauche ich noch ein Visum.

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Und wann ziehen Sie endgültig nach China?

Am vierten Januar fliege ich mit meinen beiden Mitarbeitern über Wien und Frankfurt nach Nanjing. Die ersten Monate sind wir nur im Trainingslager. Erst in China, dann wahrscheinlich in der Türkei. Meine Partnerin bleibt deshalb auch erst einmal hier und kommt im April nach.

Sie sind mehrere Monate im Trainingslager?


Das ist natürlich etwas gewöhnungsbedürftig, aber die Vorbereitung auf die Saison dauert in China vier Monate. Mitte Dezember beginnt die Vorbereitung und Anfang April haben wir das erste Ligaspiel.

Fallen Ihnen überhaupt genügend Trainingsmethoden für vier Monate Trainingslager ein?

Ich denke schon. Ich habe mich ein wenig schlau gemacht und mit slowakischen Trainern gesprochen, die in Russland gearbeitet haben. Da ist die Situation ähnlich.

Welchen Eindruck hatten Sie von China während Ihrer ersten Reise?

Ich war bisher nur acht Tage wegen der Vertragsunterzeichnung dort. Aber es ist ein unglaubliches Land. All die Gebäude, die Infrastruktur. Überall wird gebaut. Wo früher Reisfelder waren, stehen jetzt Wolkenkratzer. Das sagen zumindest die Chinesen.

Ist bei Ihrem neuen Verein Jiangsu Guoxin Sainty FC auch alles brandneu?

Ja. Es ist wirklich imposant. Vor wenigen Jahren wurde ein neues Stadion für 60.000 Zuschauer gebaut. Die Trainingsanlagen sind auch gut.

Sie vermissen nichts?

Nur ein paar Kleinigkeiten. Medizinbälle zum Beispiel. Aber bis ich im Januar wieder da bin, hat mir der Verein alles besorgt.

Keine Medizinbälle? Felix Magath wäre sofort abgereist.

Ich musste auch schon an ihn denken. Ihm wäre das vielleicht zu wenig. Aber ich habe kein Problem damit, mich auf neue Situationen einzustellen. So ein harter Hund wie Felix bin ich auch nicht.

Wie ist der Verein überhaupt mit Ihnen in Kontakt getreten?


Das ging alles wahnsinnig schnell. Eigentlich war ich mir schon mit einem Verein in der Slowakei, dem FC Nitra, einig. Aber dann kam ein Anruf, ob ich Interesse hätte nach China zu gehen. Das war für mich sofort interessant. Ich hatte noch nie Angst vor Neuem. Ich bin damals in den Achtzigern auch aus der Tschechoslowakei nach Deutschland gegangen. Ein paar Tage später gab es dann ein Treffen in Frankfurt, beim dem auch Chen Yang anwesend war, der Teambetreuer von Nanjing und mein neuer Co-Trainer. Er hat früher wie ich für St. Pauli gespielt. Wir haben uns auf Anhieb verstanden.

Und dann wurden direkt Nägel mit Köpfen gemacht?

Nein. Wir haben uns nur unterhalten. Danach habe ich ihm gesagt, dass ich den Job haben will. Die Perspektiven waren einfach reizvoller als in der Slowakei. Außer mir waren noch zwei, drei andere Trainer im Rennen. Aber sie haben sich für mich entschieden. Ein paar Tage später jettete die komplette Vereinsführung nach Frankfurt und wir haben die Vertragsdetails ausgearbeitet. Es war eine gute Atmosphäre. Nur manchmal, wenn die Chinesen miteinander reden, hat man das Gefühl, dass die sich streiten. Aber die reden einfach etwas lauter miteinander.


War es auch laut, als Sie letzte Woche der chinesischen Presse vorgestellt wurden?

Das Interesse war riesig. Die Journalisten hatten mitbekommen, mit welchem Flug ich komme und lauerten mir schon am Flughafen auf. Dabei hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch gar keinen Vertrag unterschrieben. Ich bin dann aber vom Flughafen direkt zur Vertragsunterzeichnung. Danach war die Pressekonferenz. In den Zeitungen wurde in den nächsten Tagen viel über mich geschrieben. Leider konnte ich es nicht lesen, aber die Bilder waren sehr schön.

Mit Ihren 1,90 Meter ragen Sie auf den Fotos heraus.

Das ist schon etwas komisch, wenn man von allen Leuten angeschaut wird. Schließlich ist kaum ein Chinese größer als ich. Nur ein Spieler in meiner Mannschaft, der ist 2,02 Meter.

Und wie ist Ihr erster Eindruck von der Fußballbegeisterung der Chinesen?


Die Bundesliga scheint sehr beliebt. Als ich den Fernseher im Hotel eingeschaltet habe, lief Bayern gegen St. Pauli. Da war ich glücklich.

Was wussten Sie vom chinesischen Fußball, bevor die Anfrage für den Trainerposten kam?

Vor einem halben Jahr gab es schon einmal eine Anfrage für mich aus China, deshalb wusste ich einige Dinge. Aber viel kann man da nicht in Erfahrung bringen. Nur wie viele Mannschaften es gibt und wann die spielen.

Lernen Sie chinesisch?

Auf der Pressekonferenz habe ich mich schon auf chinesisch vorgestellt.

Aber das haben Sie sicherlich abgelesen...

Klar. Ich kann es überhaupt nicht sprechen. Und es waren auch nur zwei Sätze. Aber das kam gut an.

Werden Sie die Sprache noch lernen?

Die fußballspezifischen Begriffe werde ich sicherlich lernen. Aber die ganze Sprache? Bestimmt nicht.

Die Trainingssprache wird also deutsch sein?

Zwischen mir und meinem Co-Trainer Chen Yang schon. Er spricht gut deutsch und kann bestimmt auch rüberbringen, was ich sagen will. Mit meinem Fitnesstrainer und meinem slowakischen Co-Trainer spreche ich slowakisch. Und Chen Yang spricht mit der Mannschaft natürlich chinesisch. Es ist schon etwas kompliziert.

Ihre Mannschaft haben Sie bereits kennen gelernt?


Na klar. Aber so gut kenne ich sie noch nicht, weil ich mit ihnen noch nicht trainiert habe. Mein Vertrag gilt erst ab Januar. Vorher halte ich mich da zurück.

Und was haben Sie die ganze letzte Woche in China gemacht?

Ich habe zum Beispiel eine Wohnung gesucht.

Wohnen Sie jetzt im 30. Stock eines Wolkekratzers?

Nein, im siebzehnten (lacht). Es ist etwas eigenartig. Immerhin hat Nanjing mehr Einwohner als mein Heimatland, die Slowakei. Und schon das Stück von meiner Wohnung zum Trainingsgelände ist ziemlich weit. In China kann man auch nicht so entspannt fahren wie in Europa. Aber der Verein stellt mir, Gott sei Dank, einen Chauffeur.

Noch größer sind die Distanzen innerhalb des Landes. Ihre Anreise ist teilweise mehrere tausend Kilometer lang.

Ich denke, dass dort alles gut organisiert ist. Hoffentlich so gut wie in Deutschland. Es ist natürlich einfacher, von Hamburg nach Stuttgart zu fliegen, als von Nanjing nach Peking. Aber das nehme ich gerne in Kauf.

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