09.07.2009

Jan Delay über Werder und den HSV

»Tim Wiese ist der King!«

Im August veröffentlicht Jan Delay sein neues Album »Wir Kinder vom Bahnhof Soul«. Wir trafen uns mit ihm während seines PR-Marathons in Berlin und sprachen sehr wenig über Musik und gaaaanz viel über Fußball.

Interview: Andreas Bock und Benjamin Apitius Bild: 11FREUNDE
Jan Delay, gelten Sie in Hamburg eigentlich als Nestbeschmutzer?

Jan Delay: Am Tag nach dem UEFA-Cup-Rückspiel gegen Bremen bin ich in Hamburg mit meinem »100% Werder«-Shirt in den Neidklub gegangen. Als mich die ganzen Türsteher dann lauthals gedisst haben, habe ich nur die Becks-Flaschen hochgehalten und gesagt: »Dann kauft doch erstmal neues Bier für euren scheiß Club!« Bremer Bier am Start – kein Astra, kein Holsten – und mich beschimpfen, weil ich mit einem Werder-Shirt rumlaufe.



Kann man sich mit Ihnen über Fußball streiten?

Jan Delay: Ja, definitiv. Ich halte nicht damit hinterm Haus, dass ich Werder-Fan bin, und ich habe natürlich meinen Spaß daran, alle Hardcore-HSV-Fans damit zu brüskieren. Manchmal trifft man aber auch Fans, die sich eingestehen, dass es beim HSV gewisse Mängel gibt, nicht nur sportlich, sondern auch im Verein und bei den Fans. Und dann sind wir auch schon an dem Punkt, warum ich Werder-Fan und nicht HSV-Fan geworden bin. Ich war ja früher im Volksparkstadion und wollte Fußball gucken – aber nicht zwischen Hitlergrüßen.

Hätte nicht eigentlich der FC St. Pauli ganz wunderbar zu Ihnen gepasst?

Jan Delay: Ich finde den FC St. Pauli sympathisch, und ich kann auch jeden Fußballfan verstehen, der zu Altona 93 geht, aber ich persönlich bin nicht so. Ich bin auch kein DJ, der Wert darauf legt, irgendwelche C-Seiten aufzulegen, die noch niemand gehört hat. Ich bin ein Pop-Schwein. Die Leute wollen tanzen – und ich will guten Fußball sehen. Und deshalb kommt St. Pauli für mich nicht in Frage. Dann schon eher der HSV.

Wie bitte?

Jan Delay: Das ist doch alles nur ein kleines Spielchen. Letztendlich bin ich doch Hamburger, und wenn die nicht gerade gegen Werder spielen, bin ich auch für den HSV, das ist doch klar.

Kann man von mehreren Vereinen Fan sein, wie zum Beispiel von verschiedenen Bands in der Musik?

Jan Delay: Ja, natürlich. Aber auch in der Musik hat man jemanden, der einen das ganze Leben begleitet. Bei mir ist das Udo Lindenberg, der war und ist für mich immer der Shit gewesen, auch in Zeiten, in denen gar nichts ging und er die schlimmste Musik gemacht hat. Das ist einfach dieses Fan-Ding, Udo ist mein Klub! Und im Fußball ist das Werder Bremen, aber ich bin auch noch mal Fan pro Saison von gutem Fußball. Das ist dann der Erfolgsflasher in mir – ich bin Fan von dem, was rockt.

Wer hat letzte Saison gerockt?

Jan Delay: In der Hinrunde bin ich bei Hoffenheim durchgedreht, das war zu krass, wie die gespielt haben. Und in der Rückrunde – Wolfsburg! Ey, ich habe Wolfsburg immer so was von gehasst, aber Dzeko und Grafite… Dieses Hackentor gegen die Bayern war das derbste, was ich in meinem ganzen Leben bisher gesehen habe, das haben sie in der Sportschau siebenmal wiederholt, das war unglaublich!

Wird der VfL Wolfsburg ein One-Hit-Wonder bleiben?

Jan Delay: Das hat ja Hoffenheim schon gezeigt, und jeder andere Klub, dass es oft nur so Phasen sind – und dann bricht das irgendwann ein. Aber wenn Wolfsburg jetzt immer so spielt, werde ich auch irgendwann Fan von denen sein.

Sie waren bis vor wenigen Wochen im Studio für die Aufnahmen Ihres neuen Albums »Wir Kinder vom Bahnhof Soul«. Sind Sie überhaupt auf dem Laufenden bei den vielen Trainerwechseln?


Jan Delay: Im Moment ist es wirklich so hart, dass ich ein bisschen den Überblick verloren habe. Aber was Fußball angeht, bin ich eigentlich immer auf der Höhe, ich lese ja jeden Tag meine Morgenpost.

Dass Thomas Schaaf heute bei Hannover 96 unterschrieben hat, wissen Sie schon?

Jan Delay (Überlegt): Netter Versuch.

Aber Diego spielt nun bei Juventus Turin.

Jan Delay: Ja, Diego verkaufen war klar – wegen der Kohle. Mit Özil und Marin mache ich mir da aber für die kommende Saison überhaupt keine Sorgen. Diese beiden jungen Kerle, die voller Energie sind und Bock haben auf Draufhauen, werden schon für frischen Wind sorgen.

Sind das die Spieler, die Sie heute bei Werder Bremen sehen wollen oder fehlen Ihnen die richtigen Typen?


Jan Delay: Ich vermisse die Mario Baslers, aber zum Glück steht ja bei uns ein Tim Wiese im Tor. Alle hassen Wiese, aber für mich ist er der unglaublich Derbste! Was gibt es denn mehr, als jemanden mit einer großen Klappe, der auch etwas dahinter hat? Der steht in Hamburg mit einem Megaphon und schreit: »Scheiß HSV!« Und genau das wollen die Leute doch auch sehen, deshalb schalten sie ein, das ist Entertainment. Ich meine, der hat in dem Spiel drei Elfmeter gehalten, er ist einfach der King!

In Ihren Augen auch die Nummer 1 im Tor der Nationalmannschaft?

Jan Delay: Wenn der Typ bei der WM im Tor steht, und es kommt zum Elfmeterschießen – jeder wird Schiss haben. Du brauchst doch genau so jemanden im Tor, vor dem die Leute einfach Angst haben, weil ihm ein bestimmter Ruf vorauseilt, und dann kommt auch noch das gewisse Äußere dazu. Den würden plötzlich alle lieben, und seine Sprüche wären auch okay. Oliver Kahns, Mario Baslers und Tim Wieses – davon sollte es viel mehr geben.

Mehr Sprücheklopfer?

Jan Delay: Wenn beides stimmt, große Klappe und was dahinter, bin ich der größte Fan. Hans Meyer ist zum Beispiel der Derbste, finde ich. Und wenn Maik Franz auch sportlich mehr auf dem Kasten hätte, könnte er auch so eine Person werden, aber der geht dann von Frankfurt zu Offenbach und dann war es das. Ist jetzt böse, aber er hat einfach nicht die Leistung am Start, die jemand für eine solche Klappe haben sollte.

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