24.04.2007

Ivan Saenko im Interview

„Es ist einfach nur geil“

Nürnberg freut sich über die Wiedergeburt des „Clubs“. Einer, der mitten drin ist, kann sein Glück kaum fassen: Ivan Saenko. Der Mann, der von seinem Vater ausgebildet wurde und mit 17 den Gang in die Fremde wagte, ist endlich angekommen.

Interview: Johannes Scharnbeck Bild: Imago

Dann kam jedoch der neue Trainer Hans Meyer, und für Sie lief es schlagartig besser.

Er hatte mich schon in Karlsruhe beobachtet, als er Scout bei Hertha BSC war. Nach seinem Amtsantritt haben wir ein sehr gutes, offenes Gespräch geführt, in dem er mir viel Hoffnung gegeben hat.

Dann ist es Ihnen also sehr wichtig, dass der Trainer viel mit Ihnen redet.

Das ist brutal wichtig. Ich habe schon mit vielen Trainern zusammengearbeitet (Kuntz, Köstner, Fanz, Becker (KSC), Wolf, Meyer – Anm. d. Red.) und bei den Übungseinheiten unterscheiden sie sich alle nicht so sehr, so viel Verschiedenes kann man auch nicht trainieren. Aber das Wichtigste, was ein Trainer tun kann, ist mit dem Spieler zu reden und ihm zu erklären, warum er auflaufen wird oder warum er auf der Tribüne sitzen wird. Es ist jetzt auch nicht so, dass wir in Nürnberg nur deshalb Erfolg haben, weil Hans Meyer oft mit uns spricht. Aber seine Eigenschaft, offen mit den Spielern umzugehen, erleichtert die gemeinsame Arbeit ungemein. Man wird verrückt, wenn der Trainer seine Entscheidungen nicht erklärt und manche Spieler kommentarlos auf die Tribüne setzt. Bei Hans Meyer weiß einfach jeder im Kader, dass er immer zu ihm kommen kann – bei einem sportlichen Problem, aber auch bei einem familiärem.

Dann ist also Hans Meyer der Hauptgrund für den Nürnberger Erfolg.

Auf jeden Fall ein bedeutender. Er hat einfach das richtige Gespür, wie er uns auf den nächsten Gegner einstellen muss, er erkennt oft schwierige Situationen schon im Voraus und findet immer den richtigen Ton, um uns zu motivieren.

Wie wichtig ist Schnelligkeit für ihr Spiel?

Ich mag es eigentlich nicht so sehr, darüber zu sprechen, was ich supergeil kann oder was ich nicht so gut kann. Das müssen andere beurteilen. Ich kann mich auch nicht gut loben. Ich höre auf meinen Vater, meine Familie und Hans Meyer. Es ist nicht einfach, wenn die Leute mir als 23-Jährigem immer wieder sagen: Du bist supergeil. Darum versuche ich, einfach auf dem Boden zu bleiben.

Stimmt es, dass ihr Vater alle Entscheidungen für sie trifft?

Nein, wir entscheiden gemeinsam im Kreise unserer Familie. Da zählt auch die Stimme meines Bruders und meiner Mutter – das ist normal bei uns. Ich bin stolz, den Namen Saenko zu tragen. In Russland sagt man nicht: Das ist mein Haus und mein Auto. Wir sagen: Das ist ein Saenko-Haus und ein Saenko-Auto. Wir sind eine Familie und treffen all unsere Entscheidungen gemeinsam.

In Karlsruhe haben Sie Ihrem Vater als Trainer der Frauenmannschaft von Fackel Woronosch auch die 17-jähriges Sabrina Rastetter als Spielerin vermittelt.

Stimmt, das war natürlich geschäftlich und ich habe eine dicke Provision kassiert (lacht.) Spaß beiseite. Ich wusste, dass Sabrina eine sehr gute Fußballer-Spielerin ist und auch von vielen Vereinen umworben wurde. Ich konnte ihr Russland schmackhaft machen, weil dort im Frauenfußball absolute Profibedingungen herrschen. Die Mädchen bekommen ein gutes Gehalt und können sich nur auf den Sport konzentrieren. Mittlerweile spielt sie wieder in Deutschland (Saarbrücken – Anm. d. Red.), aber unsere Familie und die Rastetters haben immer noch sehr engen Kontakt.

Im Februar haben Sie ihr erstes Länderspiel für Russland über 90 Minuten absolviert. Wird der neue Nationaltrainer Guus Hiddink den schlafenden Fußballriesen aufwecken können?

Eine neue Generation von jungen Spielern drängt in die Nationalelf. Guus Hiddink ist genau der Trainer, den wir brauchen, um etwas aufzubauen. Da möchte ich natürlich dabei sein. Für sein Heimatland aufzulaufen, ist einfach nur geil.


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Hier findet Ihr ein Interview mit Ivan Saenkos Sturmpartner Markus Schroth www.11freunde.de/bundesligen/19522 .
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