24.04.2007

Ivan Saenko im Interview

„Es ist einfach nur geil“

Nürnberg freut sich über die Wiedergeburt des „Clubs“. Einer, der mitten drin ist, kann sein Glück kaum fassen: Ivan Saenko. Der Mann, der von seinem Vater ausgebildet wurde und mit 17 den Gang in die Fremde wagte, ist endlich angekommen.

Interview: Johannes Scharnbeck Bild: Imago
Herr Saenko, Sie sind in dieser Saison mit 9 Toren bester Torschütze ihres Vereins und führen auch die interne Scorerliste mit 14 Punkten an. Sind sie der wahre Grund für den Höhenflug des 1.FC Nürnberg?

Nein. Ich spiele nur gut, weil die ganze Mannschaft gut spielt. Ich mag es auch nicht, wenn einzelne Spieler hervorgehoben werden.

Beim „Club“ haben Sie einen Vertrag bis 2010. Warum haben Sie sich so lange an den Verein gebunden?

In Nürnberg passt einfach alles für mich. Außerdem habe ich ja auch eine Ausstiegsklausel für 2008.



Sie könnten dann also für eine festgeschriebene Ablösesumme den Verein verlassen.

Ja. Aber im Moment mache ich mir gar keine Gedanken über einen Wechsel. Ich denke kurzfristig, und so zählt für mich nur der 1. FC Nürnberg.

Jetzt haben sie mit dem „Club“ das Endspiel im DFB-Pokal erreicht.

Oh ja, das ist wirklich wunderbar. Die Stimmung im Stadion war unbeschreiblich, so etwas habe ich noch nicht erlebt. Der Sieg im Halbfinale war der bisher größte Erfolg meiner Karriere.

In Berlin treffen Sie am 26. Mai auf den VfB Stuttgart. In der Bundesliga hat Nürnberg die Schwaben zweimal deutlich besiegt. Dann sind sie doch klarer Favorit.

Nein, nein. Die Chancen stehen 50:50. Das Finale ist ein ganz anderes Spiel.

Stimmt es, dass Sie in Ihrer Jugend nie bei einem Verein gespielt haben, sondern allein von Ihrem Vater trainiert wurden?

So ungefähr. Ich habe tatsächlich bis zur A-Jugend bei keinem Fußball-Klub gekickt. Aber mein Vater hat schon in meiner Kindheit die Mannschaft meiner Heimatstadt Woronesch trainiert. Da war ich dann immer dabei.

Wie kamen Sie nach Deutschland?


Die Mannschaft meines Vaters hat ein Trainingslager in Baden-Württemberg absolviert, und ich durfte mitreisen. Ein Freund meines Vaters, der in Deutschland lebt, sagte mir nach einem Training, ich müsse unbedingt zu einem großen Verein. Und so habe ich beim VfB Stuttgart vorgespielt, gemeinsam mit Alexander Hleb. Ich habe mich danach aber verletzt, und so gab mir der VfB keinen Vertrag. Kurze Zeit später habe ich in Karlsruhe unterschrieben.

Sie sind als 17-Jähriger nach Deutschland gewechselt...

Und das war eine brutal schwierige Zeit. Es ist sehr hart, sich an eine neue Sprache und eine neue Mentalität zu gewöhnen. Der KSC stellte mir eine Lehrerin, aber wenn ich am Tag zweimal trainierte, konnte ich mich nicht mehr auf das Lernen konzentrieren. In der ersten Zeit habe ich mich nur mit Englisch verständigt, denn im Internat waren dann noch zehn andere Leute, die auch nicht Deutsch sprechen konnten.

Wann haben Sie gemerkt, dass Sie sich beim KSC durchsetzen können?

Schon in meiner ersten Saison in der A-Jugend. Ich schoss neun Tore in zehn Spielen, und wir haben in der Liga mit den starken Jugendmannschaften von Stuttgart und München mitgespielt. Auch der Trainer hat mich immer ermutigt, dass ich es zu den Profis schaffen kann, und so gehörte ich bald zu den drei Junioren, die in der ersten Mannschaft mittrainieren durften.

In Karlsruhe haben sie groß aufgespielt. Aber wohl auch keine Party ausgelassen.

Dieses ganze Gerede „Saenko feiert gerne“ ging erst los, nachdem ich der Öffentlichkeit mitgeteilt habe, dass ich wechseln möchte. Viele Mitspieler hatten mir geraten, es erst später zu verkünden, aber das ist doch Quatsch. Dann waren jedenfalls alle gegen mich. Aber ich verstehe das nicht, in Nürnberg feuern die Fans Raphael Schäfer auch noch an, obwohl sie wissen, dass er den Verein am Saisonende verlässt. Das ist doch auch in Ordnung. Ich hatte in Karlsruhe eine super Zeit, und da gehören doch auch Parties dazu. Wir sind doch alle Menschen und da muss es doch erlaubt sein, auch mal zu feiern. Wenn es einen Grund zum Feiern gibt, muss man feiern. Fußballprofis kommen doch nicht von einem anderen Planeten.

Auch nach Ihrem Wechsel zum 1. FC Nürnberg haben sie nach einer guten Anfangsphase bald auf der Tribüne gesessen. Warum?

Es war einfach eine schwierige Zeit. Ich war unter der Woche oft mit der russischen U21-Nationalmannschaft unterwegs, konnte dann in Nürnberg nur wenig trainieren, und dann bin ich auf der Tribüne gelandet. Es lief insgesamt nicht gut, aber ich will mich da auch nicht rausnehmen und das auf andere oder andere Umstände schieben. Aber nicht nur ich, Robert Vittek saß oft neben mir.

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