05.07.2013

Ivan Klasnic über seinen Abschied aus Mainz

»Thomas Tuchel ist ein schwieriger Typ«

Im Sommer 2012 kehrte Ivan Klasnic überraschend in die Bundesliga zurück – doch in Mainz kam der Stürmer nicht zum Zug. Lag es an ihm oder an Thomas Tuchel? Ein Gespräch über Wertschätzung, Motivationskünste und ein Karriereende in Hamburg.

Interview: Manuel Schumann Bild: Imago

Ivan Klasnic, Ihr Vertrag beim FSV Mainz 05 ist in der vergangenen Woche ausgelaufen  - ein guter oder ein schlechter Tag?
Weder das eine noch das andere. Ich bin total gelassen.
 
Derart gelassen, dass Sie uns Ihren neuen Klub verraten?
Mein Berater und ich stehen in Kontakt mit einigen Vereinen, aber es gibt noch nichts zu vermelden. Einen Schnellschuss wird es definitiv nicht geben.
 
Wird der nächste Vertrag Ihr letzter sein?
Das weiß ich nicht. Ich bin mittlerweile 33 Jahre alt und es ist kein Geheimnis, dass meine Karriere sich dem Ende entgegen neigt.
 
Sie haben stets betont, Ihre Karriere beim FC St. Pauli beenden zu wollen. Wie ist der Stand?
Ich weiß nicht, ob Interesse besteht. Bislang hat sich niemand gemeldet. Die einzigen Leute, die ich noch von früher kenne, sind Joachim Philipkowski, der zurzeit im Jugendbereich arbeitet, und Thomas Meggle, der seit diesem Sommer die Amateure trainiert.Wenn ich die Zeit Revue passieren lasse, komme ich relativ schnell zu dem Schluss, dass im Klub beinahe nichts mehr ist wie früher.
 
Ein Beispiel?
St. Pauli ist professioneller aufgestellt, ich nenne nur die Stichworte: Internat und Trainingsplätze. Wir haben damals auf einem Schlackeplatz trainiert, direkt hinter dem Stadion in der Feldstraße. Inzwischen trainieren die Kinder und Jugendlichen unter besseren Bedingungen als damals die Profis. Außerdem hatte der Klub früher nicht so intensiv auf die Nachwuchsarbeit gesetzt. Zwar hatten wir eine gute A-Jugend, allerdings gab es kaum Spieler, die an den Profibereich herangeführt wurden. Das ist inzwischen glücklicherweise anders.
 
Ist St. Pauli mittlerweile ein ganz normaler Klub?
Nein, auf keinen Fall! Der FC Pauli ist und bleibt ein Kultklub. Ich sehe hier noch immer vieles, dass ich bei anderen Vereinen niemals finden werde. Nur so nebenbei: Ich habe schon vor geraumer Zeit zum Spaß zu Torsten Vierkant (Stadionchef, d. Red.) gesagt: »Wenn das Stadion fertig ist, bin ich wieder da.« (Pause) Noch fehlt ja ein Teil, oder? Schauen wir mal, was passiert. Mir gefällt das neue Stadion übrigens extrem gut, das Teil ist wunderschön, echt stilvoll. Früher haben wir ja eher in einer Art Freiluftarena gespielt! (lacht)
 
Der FC St. Pauli ist für Sie offensichtlich ein ganz besonderes Klub – weshalb?
Die Fans sind crazy. Müsste St. Pauli innerhalb der kommenden drei Wochen drei Millionen Euro aufbringen, würden die Anhänger sofort Aktionen starten und den Großteil der Summe zusammenkratzen. Da bin ich mir sicher!
 
Ivan Klasnic, ein Satz von Ihnen lautet: »Wenn ich gesund bin, kann ich alles erreichen«. Sind Sie zurzeit gesund?
Eindeutig: ja.
 
Ein weiteres Zitat: »Ich habe Rituale wie ein Drogensüchtiger - ich nehme morgens um neun und abends um neun immer meine Tabletten«. Das sei für Sie Routine. Hatten Sie eigentlich in den vergangenen Jahren, also nach der Nierentransplantation, den Eindruck, man wolle Sie in Watte packen?
Ja, manchmal. Einige sind offenbar nicht in der Lage, diese Geschichte komplett auszublenden. Ich denke allerdings, das ist normal. Vielleicht hat diese Sache auch zuletzt in Mainz eine Rolle gespielt, keine Ahnung. Fest steht: Ich habe nicht die Chance bekommen, den Leuten zu zeigen, was ich drauf habe. Das ist verdammt schade.

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