Ivan Klasnic im Interview

»Ich wollte es ja so«

In Bremen war Ivan Klasnic »der Killer«. In Nantes konnte er in zehn Spielen noch kein Tor erzielen. Ein Gespräch über die überhöhte Erwartung, seine neue Rolle als Nummer 10 und den Pizzabringdienst von Nantes. Ivan Klasnic im InterviewImago

Ivan Klasnic, wie haben Sie sich eingelebt in Nantes?

Ganz einfach war es nicht. Für mich ist es aber nicht so schwer wie für meine Frau. Ich hatte Französisch in der Schule. Sie kennt die Sprache gar nicht. Unsere Kleine ist im Kindergarten. Wir versuchen, das Beste draus zu machen, und bekommen oft Besuch von der Familie aus Deutschland.

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Wie läuft das mit der Kommunikation mit Ihren Mitspielern?

Wenn jemand Englisch spricht, ist das einfacher. Aber ansonsten versuche ich es mit meinem gebrochenen Französisch. Das geht schon. Wir hängen ja auch sehr oft zusammen rum. Das Team ist im Großen und Ganzen schon ganz ordentlich. Es hat einen guten Charakter.

Ist bei den Kollegen, die sich im Training geprügelt haben auch wieder alles in Ordnung? Der eine hatte einen Kieferbruch.

Ja, natürlich. Das hat sich wieder eingerenkt (lacht).

Haben Sie sich vor Ihrem Wechsel Rat von Johan Micoud geholt?

Ja, habe ich. Er hat mir gesagt, dass Nantes ein Traditionsverein und kein kleiner Klub ist. Aber er kannte natürlich nur das Nantes von früher. Den großen Klub, der große Erfolge feierte und oben mitspielte. Aber jetzt ist Nantes erst mal nur ein Aufsteiger.

Wie ist das Umfeld des Vereins? Gibt es großes mediales Interesse?

Ja, schon. Die Presse ist oft da. Aber die Zeitungen, die über uns schreiben, haben kaum Fußballballkenntnisse. Wenn ich da so manche Sachen lese, bin ich echt ratlos. Ich gebe auch keine Interviews hier, weil die sowieso schreiben, was sie wollen.

Haben Sie noch Kontakt zu Spielern in Bremen?

Ja, natürlich. Ich kam in der Mannschaft sehr gut zurecht. Mit Daniel Jensen, Markus Rosenberg und Jurica Vranjes spreche ich zum Beispiel noch regelmäßig. Das sind aber nicht die Einzigen.

Es gibt Gerüchte, die sie mit Kaiserslautern oder Wolfsburg in Verbindung bringen. Was ist da dran?

Bei mir hat sich von denen noch niemand gemeldet. Zunächst mal finde ich es schön, dass die Vereine Interesse an mir haben. Wenn ich aber in die zweite Liga wechsele, dann erst, wenn Zeit für mich wäre, ein paar Schritte zurück zugehen. Da bin aber nicht. Ich würde dann wohl auch zu St. Pauli gehen. Zur alten Liebe. Da wo alles angefangen hat.

Ihr Präsident hat angeblich gesagt, Sie könnten gehen, wenn Sie wollen. Was sagen Sie dazu?

Zu mir hat er es nicht gesagt, deshalb weiß ich nicht, ob das stimmt. Wie gesagt: Auf das, was hier geschrieben wird, kann man sich nicht verlassen.

In Bremen und St. Pauli gehörten Sie zu den Publikumslieblingen. Ist das in Frankreich auch schon so?

Hier ist das schon schwieriger. In St. Pauli war ich der junge Spund, der neue Sachen rein gebracht hat. Bei Werder waren wir sehr erfolgreich, und zum Schluss war ich einer der letzten, der von der Double-Mannschaft noch da war. Vielleicht auch, weil und vor allem wie ich nach meiner Krankheit zurückgekommen bin. Das sind Punkte, die man berücksichtigen muss. Hier ist es so, dass mich die Leute als internationalen Spieler sehen. Ich kam nach der EM, wo ich zwei Tore geschossen hatte, hierher. Die Erwartungen sind hier ungefähr so: »Ivan ist gekommen. Der schießt uns jetzt zur Meisterschaft.« Ich würde diese Erwartungen ja gerne erfüllen, aber dafür bekomme ich zu wenig Chancen im Spiel.

Wie unterscheiden sich denn Werder Bremen und der FC Nantes?

Die Qualität im Kader bei Werder ist viel höher. In Bremen sind mehrere außergewöhnliche Spieler, die ein Spiel entscheiden können. In Nantes haben wir sehr viele junge Spieler. Ich bin der einzige, der schon mal in der Champions-League gespielt hat. Die meisten kommen aus der zweiten Liga.

Wie gefällt Ihnen diese neue Situation, dass Sie einer der ganz Erfahrenen sind und die jungen Spieler an die Hand nehmen müssen?

Ich habe so eine Situation gesucht, ich wusste schon, worauf ich mich einlasse. Den Wechsel bereue ich also nicht. Dieser Schritt, jetzt ein Leadertyp zu sein, fordert mich. Ich wollte das so. Aber dass ich ein Leadertyp bin heißt nicht, dass ich funktionieren kann, wenn die Mannschaft nicht funktioniert. Doch so waren die Erwartungen hier von Anfang an. Als ich gekommen bin, sagte der Manager: »Wenn Ivan zehn Tore macht, haben wir mit dem Abstieg nichts zu tun. Wenn er 20 macht, spielen wir oben mit.«

Sind Sie noch Stammspieler in Nantes?

Ja. Anfangs war ich verletzt aber seitdem spiele ich. Seit einem Spiel bin ich nicht mehr im Sturm. Ich bin jetzt die Nummer 10. Das macht die Situation auch nicht viel einfacher für mich. Ich bin ja auch kein Spieler, der einen Marathon im Spiel läuft, aber ich kann diesen einen Pass spielen oder mal einen Spieler aussteigen lassen und dann passen, aber ein Diego bin ich jetzt mit einem mal noch nicht (lacht). Im letzten Spiel hat das schon ganz gut geklappt. Die anderen sagten, ich wäre gut gewesen. Mich hat gewundert, dass ich in der 65. Minute ausgewechselt wurde.

So richtig glücklich sind Sie mit dieser Rolle aber nicht.

Naja. Ich bin immer noch Offensivspieler, nur vorher bekam ich die Pässe. Jetzt muss ich sie geben.

Nantes spielt am Sonntag gegen Lyon, das die Liga dominiert. Mit welchen Mitteln können Sie da mithalten?

Wir werden alle motiviert genug sein. Unsere Stärken wird man dann sehen.

Was in Deutschland vermissen Sie besonders?

Meine Freunde und meine Familie. Immer sind die ja auch nicht hier. Irgendwie wäre es jetzt auch mal schön, etwas Schnee zu sehen. Und: In Bremen und in Hamburg konnte man sich mal eben was zu Essen bestellen und dann abholen. Da wo ich jetzt lebe, kann man sich gar nichts bestellen.

 

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