09.08.2012

Ioannis Amanatidis: Vom Fußballer zum Unternehmer

»In Ruhe gelassen zu werden, gefällt mir«

Vor gut einem Jahr löste Ioannis Amanatidis seinen Vertrag bei Eintracht Frankfurt auf. Er zog danach nach Zypern, gründete ein Modelabel und eröffnete ein Restaurant. Mit dem Fußball hat er weitestgehend abgeschlossen – und das mit gerade einmal 30 Jahren. Wir trafen ihn in Frankfurt zum Interview.

Interview: Christoph Erbelding Bild: Imago

Ioannis Amanatidis, vor einem Jahr wurde Ihr Vertrag bei Eintracht Frankfurt aufgelöst. Danach haben Sie ein Modelabel namens »IAM Exposure« gegründet und mit einem Freund das Restaurant »Der Grieche« in Frankfurt eröffnet. Wie fühlt es sich an, mit allen seinen Hobbys Geld zu verdienen?
Ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist, ich bin in dieser Beziehung privilegiert. Und dafür sehr dankbar. Wenn man Leute nach ihrer Arbeit befragt, erhält man oft ein allgemeines Murren als Antwort: Der eine beschwert sich, zu hart zu arbeiten, der andere, dass er zu früh aufstehen muss, der nächste über beides. Ich hatte immer das Glück, Geld mit Sachen zu verdienen, die mir Spaß machen.

Es gibt Spieler, die nur auf die Karte Fußball setzen. Sind Sie nie in Versuchung geraten?
Fußball war lange Zeit mein Beruf, doch ich habe mich nie alleine darauf verlassen. Man muss sich umschauen, was es noch für Sachen gibt. 2008 habe ich schon in erneuerbare Energien investiert, eine große Investition über 20 Jahre. Ich wollte mir andere Standbeine aufbauen. Als Fußballer gibt es unglaublich viel Geld zu verdienen. Doch deine Zeit ist begrenzt.

Ab wann wurde Ihnen das bewusst?
Gedanken darüber habe ich mir schon in jungen Jahren gemacht. Eines ist doch klar: Im Schnitt ist man mit 33, 34 Jahren durch mit der Karriere. Wer in sein 30. Lebensjahr geht und dann weiß, dass er mit seinen Ersparnissen zurechtkommen wird, der hat es geschafft. Mir war es wichtig, das Geld als Fußballer nicht sinnlos aus dem Fenster zu werfen. Jetzt kann ich mich auf dieser Grundlage entspannt um Sachen kümmern, die mir Spaß machen.

Für Mode interessieren sich viele Menschen. Warum ist Ihr Interesse daran so groß, dass Sie sich damit professionell beschäftigen möchten?
An Mode fasziniert mich, dass sich jeder Mensch zumindest unterbewusst als Hobby damit beschäftigt. Selbst Leute, die nicht so gerne einkaufen gehen, greifen beim Klamottenkauf nicht blind in den Schrank. Ich habe irgendwann Spaß an der Idee gefunden, meine Ideen in der Mode umzusetzen. 2006 kam der Gedanke zum ersten Mal auf. Ich habe mich mit einer Designerin getroffen. Doch daraus ist nichts geworden.

Warum?
Wir waren mit der Eintracht viel unterwegs, es war das Jahr, in dem wir im UEFA-Pokal gespielt haben. Als Fußballer willst du dich in deiner Freizeit oft einfach nur ausruhen. Ich hatte nicht die Zeit und den Nerv dazu, mich intensiver mit Mode zu beschäftigen.

In welchem Rahmen bewegt sich nun Ihr Einsatz in der Modebranche?
Ich bin kein Massenproduzent. Das Ganze ist noch ein Hobby. Da ich nicht mehr in Deutschland wohne, finden die Meetings mit meiner Firma immer dann statt, wenn ich mal vier Tage in Frankfurt bin. Die Leute kommen mich besuchen, wir diskutieren, zeichnen, geben die Entwürfe dem Grafiker, und wenn wir etwas gut finden, geht es in Produktion. Es wäre einfacher, wenn ich ständig vor Ort wäre. Aber noch sind wir ja ein kleines Unternehmen, das gerade einmal eine Kollektion herausgebracht hat.

Lassen Sie sich auch von den Modephänomenen aus der Bundesliga inspirieren?
Nein. Es gibt ja Spieler, die stundenlang vor dem Spiegel stehen, damit die Frisur während der Partie sitzt, oder andere, die sich ein Trikot in der kleinstmöglichen Größe überstreifen, damit auch ja jeder Muskel zur Geltung kommt. Das sind Phänomene der Neuzeit, mit denen ich nichts anfangen kann.

Welchen Kundenkreis sprechen Ihre Klamotten an?
(zeigt auf sein T-Shirt und seine kurze Sporthose) Man sieht mir schon auf den ersten Blick an, dass ich weit davon weg bin, klassisch eingestellt zu sein. Ich bin ein legerer Typ und versuche, auch eben solche Klamotten zu produzieren.

Einen Amanatidis-Anzug wird die Welt also nicht zu Gesicht bekommen.
Es gibt Überlegungen, auch mal einen Anzug zu entwerfen, aber das wären dann Anzüge, die man nicht auf Hochzeiten, sondern eher auf Geburtstagen trägt. Es muss ja auch nicht immer die klassische Jeans sein.

Könnte man ihn denn in Ihrem Restaurant tragen?
Definitiv. Dort herrscht eine sehr sommerliche Atmosphäre. Das passt mit meiner Mode zusammen.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden