Ioannis Amanatidis über seinen Eintracht-Rauswurf

»Ich bin etwas lautstark«

Ioannis Amanatidis war bei Eintracht Frankfurt Publikumsliebling. Dann kam ein neuer Trainer, Michael Skibbe. Der Stürmer verlor erst die Kapitänsbinde, später den Stammplatz. Zuletzt lud man ihn aus dem Training aus. Jetzt sucht Amanatidis einen neuen Verein. Ein Abschiedsgespräch. Ioannis Amanatidis über seinen Eintracht-RauswurfImago

Die letzten Worte, die Eintracht Frankfurt für Ioannis Amanatidis übrig hatte, klangen nüchtern wie ein Arbeitszeugnis: »Eintracht Frankfurt dankt Ioannis Amanatidis für seine sportlichen Verdienste und wünscht ihm alles Gute für die Zukunft.« Sechs Jahre hatte Amanatidis für Frankfurt gestürmt, in der Zeitrechnung des Profifußballs eine Epoche. Seine guten Jahre hatte er unter Friedhelm Funkel. Dann kamen Skibbe, Daum, Veh.  Zu der Frage, warum Amanatidis gehen musste, gibt es zwei Versionen. Version 1: Amanatidis war zu ungemütlich, ein Rebell. Version 2: Amanatidis war nicht mehr fit. Welche Version auch immer stimmt – mit Ioannis Amanatidis verliert die Bundesliga einen Spieler mit Charakter.

Ioannis Amanatidis, am Montag hatte die Eintracht ihr erstes Heimspiel gegen den FC St. Pauli. Wo haben Sie das Spiel gesehen?


Ioannis Amanatidis: Ich war in einem Termin und konnte das Spiel nicht verfolgen. Ich habe nur das Ergebnis mitbekommen.

Hätte es Ihnen weh getan, das erste Heimspiel zu sehen, ohne im Kader zu stehen?

Ioannis Amanatidis: Nein, nein. Ich hätte das Spiel nüchtern betrachtet. Trotzdem drücke ich der Eintracht natürlich weiter die Daumen.

Man hatte am Montag den Eindruck, es hätte noch ein Siegtor für Frankfurt fallen können. Auf dem Platz fehlte aber jemand, der die Mannschaft antrieb, anfeuerte, vielleicht auch mal etwas lauter. Fehlten Sie?

Ioannis Amanatidis: Mein Typ ist mittlerweile bekannt, nicht nur im Rhein-Main-Gebiet, sondern bundesweit. Ich bin etwas lautstark. Doch das werden bei der Eintracht jetzt andere übernehmen müssen.

Vor zwei Wochen haben Sie angekündigt, mit den Profis trainieren zu wollen. Eintracht Trainer Armin Veh sagte: »Das soll er lieber sein lassen.« Wie fühlt man sich als Spieler, wenn man aus dem Training ausgeladen wird?

Ioannis Amanatidis: Was Veh sagte, war völlig irrelevant. Er hat das nicht entschieden. Ich habe mich mit seinen Aussagen nicht beschäftigt.

Ein hässlicher Abschied. Vom Publikumsliebling zur unerwünschten Person. Wie groß ist ihre Trauer?

Ioannis Amanatidis: Die Art und Weise, wie der Abschied abgelaufen ist, war nicht schön, natürlich. Die Eintracht und ich, wir hatten eigentlich eine harmonische Zeit. Jetzt ist es vorbei. Damit müssen wir zurecht kommen. 

Eine hypothetische Frage: Wäre Frankfurt noch in der ersten Liga, wenn Funkel damals nicht gegangen wäre?

Ioannis Amanatidis: Diese Frage lasse ich jetzt mal so stehen. Nur so viel: Er hat Frankfurt in der ersten Liga etabliert. Wir hatten mit 46 Punkten in der vorletzten Saison das beste Ergebnis der letzten Jahre. Das war sein Verdienst.

Vermissen Sie Friedhelm Funkel?

Ioannis Amanatidis: Wir hatten eine gute Zusammenarbeit. Es gab auch bei uns Meinungsverschiedenheiten, das weiß jeder. Aber wir haben uns immer ausgesprochen.  Deswegen haben wir einen guten Draht. Wir telefonieren hin und wieder. Er ist sehr geradeaus. Er schützt seine Mannschaft nach außen, zu hundert Prozent. Ich habe nie erlebt, dass er öffentlich etwas Schlechtes über seine Spieler gesagt hat. Das regelt er nach innen, sehr offen und direkt. Er hat das richtige Gespür, die Zügel etwas anzuziehen und wieder locker zu lassen.

Stellen wir uns mal vor, Sie wären noch im Kader der Eintracht. Könnten Sie sich überhaupt für die zweite Liga motivieren?

Ioannis Amanatidis: Ich habe frühzeitig gesagt: Ich bin bereit in die zweite Liga zu gehen.

Spiele gegen Paderborn oder Ingolstadt...

Ioannis Amanatidis: Fußball bleibt Fußball. Egal, wer dir gegenübersteht. Wenn du gewonnen hast,  ist das Glücksgefühl das gleiche, egal ob in Paderborn oder Dortmund.

Im Februar sagten Sie in einem Interview: Die Türen sind in jeder Hinsicht offen. Die Tür zu Eintracht Frankfurt ist jetzt zu. Haben Sie Angst vor der Zukunft?

Ioannis Amanatidis: Ich verfalle nicht in Hysterie. Ich setzte mich hin und gucke, was sich bewegt und wie der Markt aussieht. Ich will gerne ins Ausland, Neuland erfahren.
Ist Griechenland Ausland?

Ioannis Amanatidis: Ja, Griechenland ist auch Ausland.

Griechenland ist ihr Heimatland.

Ioannis Amanatidis: Ich habe in meinem bisherigen Leben nur in Deutschland gespielt. Griechenland ist also in fußballerischer Hinsicht Ausland. Das Problem im griechischen Fußball ist im Moment die Korruption. Es gibt aber auch noch andere Länder. Ich kann mir alles vorstellen, auch Übersee. Selbst Asien interessiert mich. Das werde ich jetzt ausloten.

Ihr Berater sagte, wir müssten uns mit dem Interview beeilen, weil Sie diese Woche noch ins Ausland fliegen. Wechseln Sie zu Panathinaikos Athen?

Ioannis Amanatidis: Das kann ich nicht bestätigen.

Wenn Sie jetzt ins Ausland fliegen: Führen Sie dort Verhandlungen?

Ioannis Amanatidis: Ich fliege ins Ausland und werde dort sicher in Gespräche verwickelt sein, ja. (lacht)

Trotz ihrer Auslandspläne bauen Sie gerade in Frankfurt ein Haus und eröffnen im September mit einem Freund ein Restaurant. Warum hängen Sie so sehr an Frankfurt? Immerhin sind sie in Stuttgart aufgewachsen.

Ioannis Amanatidis: Als ich neun war, kam ich nach Stuttgart. Ich bin dort zur Schule gegangen. Ich habe beim VfB in der Jugend gespielt.  Aber die letzten sechs Jahre in Frankfurt waren entscheidende Jahre. Frankfurt bleibt meine Heimat.

Was wird es in Ihrem Restaurant geben – bestimmt keine Pizza, oder?

Ioannis Amanatidis: Nein, das wäre nicht vermittelbar. Wir wollen die einfache, schnelle und gute Küche Griechenlands bieten. In Frankfurt in der Stadtmitte gibt es bisher kaum griechische Restaurants.

Seit Sie bei Frankfurt aussortiert wurden, haben Sie viele Interviews gegeben. Der FAZ, der Frankfurter Rundschau, dem Kicker. Allen, außer der Bild-Zeitung. Warum nicht?

Ioannis Amanatidis: Ich habe keine guten Erfahrungen mit dieser Zeitung gemacht. Die Bildzeitung hat falsch über mich berichtet, auch über mein Privatleben. Seit drei Jahren führe ich keine Interviews mehr mit Bild. Ich habe nichts gegen Kritik. Kritik muss sein. Wenn jemand schlecht spielt, dann müsst Ihr das schreiben. Aber Bild geht unter die Gürtellinie. 
Als sie begonnen haben, ihr Haus zu bauen, schrieb die Bildzeitung: Der Null-Tore-Stürmer baut sich einen griechischen Wohntempel.

Ioannis Amanatidis: Danach bin ich rechtlich gegen sie vorgegangen. Ich habe mich durchgesetzt. Ich weiß, dass ich eine Person öffentlichen Interesses bin. Aber das geht nicht. So lange sich Menschen diese Berichterstattung gefallen lassen, macht Bild so weiter. Die meisten lassen sich das leider gefallen. Warum auch immer.


Vor einem Jahr schrieb Bild: Amanatidis vor dem Aus!. Vor zwei Wochen schrieb sie: Ama endlich weg! Sieht aus wie eine Kampagne.

Ioannis Amanatidis: Das machen die, seit ich ihnen keine Interviews mehr gebe. Meine Berater beobachten das. Ich lasse mich nicht kleinkriegen. Als ich aus Frankfurt weggegangen bin, hat die Bildzeitung allerdings geschrieben, dass ich einen solchen Abschied nicht verdient habe. Das hat mich überrascht. 

Macht Sie die Art und Weise, wie die Bild über Sie berichtetet hat, wütend?

Ioannis Amanatidis: Nein. Ein vernünftiger Bürger weiß, was er da liest, wenn er diese Zeitung in die Hand nimmt. Ich bin da sehr nüchtern.

Kennen Sie andere Fußballprofis, die nicht mehr mit der Bildzeitung reden?

Ioannis Amanatidis: Nein.

Wie sollte denn gute Fußballberichterstattung aussehen?

Ioannis Amanatidis: Gute Fußballberichterstattung hängt sicher auch davon ab, dass es Sportler gibt, die interessante Dinge sagen.

Sie sagten einmal, Spieler wie Frank Rost oder Thorsten Frings, Spieler, die auch mal den Mund aufmachen und sich wehren, würden aussterben.

Ioannis Amanatidis: Sehen Sie, Interviews mit Frank Rost sind immer spannend. Weil er sagt, was er denkt. Das ist ehrlich. Und interessant. Solche Spieler gibt es immer weniger.

Wie sieht denn die neue Generation der Spieler aus?

Ioannis Amanatidis: Das ist die Ja-und-Amen-Generation. Keiner tanzt aus der Reihe, alle nicken. Ich weiß nicht, ob das eine gute Entwicklung ist.

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