Ioannis Amanatidis im Interview

„Wir sind ein Baby-Riese“

imago

Sie haben schon viele Vereinswechsel in relativ kurzer Zeit hinter sich. Sind sie ein rastloser Typ, Herr Amanatidis?

So viele waren nun auch wieder nicht. Ich habe mich damals vom VfB Stuttgart an die SpVgg Greuther Fürth ausleihen lassen, um dort Spielpraxis zu bekommen. Von Stuttgart bin ich zur Eintracht, nach dem Abstieg zu Kaiserslautern und dann wieder zur Eintracht zurück. Diese Wechsel hatten alle sportliche Gründe, es ging mir immer um die Perspektiven, mich verbessern zu können. Ärger mit Trainer oder Mitspielern hat dabei nie den Ausschlag gegeben.

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Sind Vereinswechsel nicht fürchterlich anstrengend?

Ein Vereinswechsel zieht auch immer private Veränderungen nach sich. Die Umzieherei und das ganze Drumherum können schon nerven, wenn man oft wechselt. Ich bin eher ein heimatverbundener Typ und fühle mich hier in Frankfurt wohl. Es gibt keinen Grund, hier weg zu gehen.

Kann man es sich als Spieler denn überhaupt leisten, seine ganze Karriere bei einem Verein zu verbringen?

Es geht nicht darum, ob man es sich leisten kann, sondern darum, ob es sportlich passt. Ich habe meinen Vertrag hier bei Eintracht Frankfurt kürzlich bis 2010 verlängert. Ich denke, dies beantwortet Ihre Frage.

Ist das Ausland danach ein Ziel?

Das sehen wir dann. Meine nähere Zukunft liegt ganz klar hier, denn hier kann ich etwas erreichen - und hier entsteht etwas Großes.

Woran machen Sie das fest?

Weil es hier stimmt: Trainer, Mannschaft, Management, Umfeld, Fans, Stadion – alles ist top-professionell. Und sportlich werden wir uns hier ganz klar in der Bundesliga etablieren und in den nächsten Jahren nach oben orientieren können.

Ist die Eintracht also ein schlafender Riese?

Ja, ich sehe das so. Aber wir schlafen nicht, sondern wir sind hellwach. Wir sind halt noch ein kleiner Riese, der wachsen muss. Man darf nicht vergessen, dass wir erst vor zwei Jahren aufgestiegen sind. Ich würde es so ausdrücken: Wir sind ein Baby-Riese, der schnell wachsen wird.

Was fehlt noch, um ein erwachsener Riese zu sein?

Die letzten Jahre, in denen Eintracht Frankfurt zwischen der Ersten und Zweiten Liga hin- und hergependelt ist. Es fehlt die mehrjährige Zugehörigkeit zur Bundesliga. Dieser Abstand muss aufgeholt werden. Da sind uns Klubs wie Hertha, Hannover, Leverkusen, Wolfsburg einfach ein Stück voraus. Aber wir sind ja gerade dran, das zu realisieren.

Vor der Saison war der Klassenerhalt das erklärte Ziel. Dafür läuft es bislang recht gut.

Gut gelaufen ist es, wenn wir den Klassenerhalt sicher haben. Das ist unser Saisonziel und wenn wir das geschafft haben, ist es gut gelaufen. Vorher nicht.



Sie sind mit 9 Jahren nach Deutschland gekommen und spielen jetzt für die griechische Nationalmannschaft. Warum haben Sie sich für diesen Schritt entschieden?

Weil ich Grieche bin und gerne für mein Heimatland spiele.

Wird Griechenland sich für die EM qualifizieren?

Ja! Wir werden alles dafür tun.

Was würde eine Nicht-Qualifikation als amtierender Europameister für den griechischen Fußball bedeuten?

Das wäre nicht das Ende des griechischen Fußballs, aber es wäre sehr traurig.

Ist Otto Rehhagel denn überhaupt noch ein zeitgemäßer Trainer?

Es gibt nur gute und schlechte Trainer. Er ist ein guter Trainer, der sehr viel Erfahrung hat.

Wie gehen Sie persönlich mit der großen Erwartungshaltung in Griechenland um?

Damit habe ich überhaupt keine Probleme. Die Griechen sind fußballverrückt und wir haben Ihnen sensationell den EM-Titel geschenkt. Natürlich sind die Erwartungen deshalb jetzt ein wenig höher. Aber in Deutschland oder England erwartet man auch sehr viel von seiner Nationalmannschaft.

Wird Ihnen als „Exil-Griechen“ anders begegnet als den Nationalspielern, die in Griechenland aufgewachsen sind?

Ich sehe das nicht so. Wenn ich gut spiele, werde ich positiv beurteilt, wenn nicht, dann negativ. Da macht man in Griechenland keine Unterschiede.

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