Interview mit Zürichs Trainer Uli Forte

Die Auferstehung

Uli Forte trainiert den FC Zürich. Nach dem Pokalsieg in der letzten Saison qualifizierte sich der Verein für die Europa League – als Absteiger. Heute kann der FCZ in die Endrunde einziehen. Wie geht sowas, Herr Forte? 

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Uli Forte, Sie sind frisch verheiratet. Ändert das etwas bei der Arbeit als Trainer?

Absolut. Das gibt einem schon eine gewisse Ruhe. In meinem Umfeld sagen mir auch alle, ich sei viel ausgeglichener geworden. Früher war ich noch jung und viel aggressiver als Trainer. Dass das jetzt anders ist, hat natürlich mit meiner Ehefrau zu tun, die eben auch deshalb meine Frau geworden ist, weil sie Fußball sehr mag und die Spiele schaut, wann immer sie kann. Das sind die sogenannten »Soft Skills«. (lacht)

Ihre »Hard Skills« kamen für den FCZ zu spät, als man Sie für die letzten drei Spiele in der Vorsaison verpflichtete. Der Verein stieg in die zweite Liga ab, was zu heftigen Ausschreitungen nach Spielende führte. Nur vier Tage später holte ihr Team den Schweizer Pokal. Reichte das zur Aussöhnung mit den Fans?

Das war schon alles ziemlich verrückt. Da war auf der einen Seite das letzte Heimspiel gegen den FC Vaduz, das wir zwar mit 3:1 gewinnen konnten, wo wir aber den Klassenerhalt nicht mehr in den eigenen Händen hatten. Der Pokalgewinn kurz danach hat das alles nicht abfedern können, für eine Aussöhnung mit den Fans hat es zu diesem Zeitpunkt noch nicht gereicht. Es war der erste Abstieg seit 1988, die meisten Fans waren noch zu betrübt und auch zu wütend - was man auch verstehen kann. Ihr Leiden zog sich schließlich über eine ganze Saison hin, während das Finale nur ein Spiel, ein Moment war. Für mich persönlich war es aber sehr wichtig, mit einem positiven Ereignis die Saison zu beenden. Rückblickend begann schon damit die Wende zu einer besseren Ära.

Wie ist die Mannschaft mit der Situation umgegangen? Hat man den direkten Kontakt mit den Fans gesucht?

Nicht wirklich, wir haben bei all den Emotionen rund um den Abstieg vor allem versucht, ruhig zu arbeiten. Wir sind auch nach der Siegerehrung im Cupfinale nur kurz zu den Fans gegangen, haben den Pokal vor die Kurve gestellt und bedankten uns für ihre Unterstützung.

Sechs Monate später stehen Sie in der Europa League mit sieben Punkten da. Mit einem Sieg in Osmanlispor stünden sie sicher in der Endrunde. Wie schwer war der Spagat zwischen zweiter Liga in der Schweiz und internationaler Bühne?

Zufrieden hat mich auf jeden Fall gestellt, dass wir es geschafft haben, auf hohem Niveau gute und konstante Leistungen zu bringen. Die Mannschaft hat den Wechsel zwischen zweiter Liga und den Ansprüchen in der Europa League absolut gemeistert. Das zeigt, dass sie Talent und viel Potenzial besitzt. Ok, wir haben uns schon Chancen ausgerechnet, aber dass wir die Gruppe bis zum letzten Spieltag offen gestalten können, hatten wir wahrlich nicht gedacht. Die Mannschaft ist völlig unbeeindruckt, mutig und mit viel Selbstbewusstsein aufgetreten.

In der Liga bewahrt Ihr Team eine »Weiße Weste«. Ohne Niederlage läuft der FCZ mit zehn Punkten Vorsprung allen anderen davon. Welchen Verdienst haben die Neuzugänge daran?

Uns war nach dem Abstieg klar, dass wir frisches Blut in die Mannschaft pumpen müssen. So standen zehn Abgängen am Ende acht Zugänge gegenüber. Aber wir haben auch mit Kräften, die wir als gut befanden, weitergearbeitet. Für einen totalen Neuanfang war auch schlichtweg zu wenig Zeit. So kam eine gesunde Mischung aus alten und neuen, geeigneten Spielern zu Stande.

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