Interview mit Roberto Angelis, der Neymar Nudeln servierte

»Mein Traum: Spaghetti für Totti«

Erding ist nicht gerade für seine italienische Küche berühmt. Das könnte sich nun ändern: Denn Neymar war mit Spaghetti-Hunger in Bayern unterwegs und saß plötzlich im Restaurant von Roberto Angelis. Ein Anruf um die Mittagszeit.

Gino Saletta

Robert Angelis, sind Sie heute überhaupt schon zum Arbeiten gekommen?
Nein, seit gestern klingelt andauernd das Telefon. Die ganze Welt will mit dem Mann sprechen, der Neymar Nudeln serviert hat.

Sie führen ein kleines Restaurant in Erding, knapp 40 Kilometer nordöstlich von München. Wieso war Neymar bei Ihnen?
Neymar war unterwegs nach Tokio und musste am Dienstag in München zwischenstoppen, weil das Wetter zu schlecht war. Und am Mittwochmittag bekam er Lust auf italienisches Essen. Er hat einen Taxifahrer gefragt und der hat ihn dann zu mir gebracht.

Also hieß es plötzlich, »Neymar ist da«?
Genau so war es. Ich wollte dem Taxifahrer später auch noch ein Geschenk geben, aber der lehnte ab. Es gibt in Erding nur ungefähr 20 Taxen. Wir hatten Glück, dass der Fahrer ihn zu uns ins »La Padella« gefahren hat.

Und, wie war er denn so, der Neymar?
Er kam also rein mit seiner Sporthose, seinen Turnschuhen und hatte sechs Leute dabei, darunter seine Mutter und seinen kleinen Bruder. Erst nach fünf Minuten haben wir wirklich geglaubt, dass es kein Doppelgänger ist. Er saß an einem Ecktisch, ein paar Gäste haben ihn bemerkt. Wir haben aber gesagt: ›Bitte keine Fotos beim Essen, bitte lasst ihn in Ruhe!‹ Die anderen Gäste haben sich zum Glück daran gehalten.

Wie lief denn die Bestellung ab?
Das war einfach, denn unser Pizzabäcker Antonio ist Portugiese. Aber selbst mit Sprachbarriere: Ohne Essen wäre er nicht gegangen.

Was haben Sie denn aufgetischt?
Alle haben ganz normal gegessen, Pizza von der Mittagskarte, Spaghetti Bolognese und so etwas. Es gab viel Cola, keinen Rotwein. Neymar habe ich sogar einen Sonderwunsch erfüllt: Spaghetti al forno, mit Spinat – und mit viel Käse überbacken. Das Gericht heißt jetzt ab sofort »Spaghetti Neymar«.


Merkte man Ihm seine Verletzung an?
Nein gar nicht, ich habe ihn auch nicht wirklich darauf angesprochen. Er sagte aber, dass er wieder fit ist. Das hat mich gefreut.


Kommen denn eigentlich oft Fußballer oder andere Prominente zu Ihnen nach Erding?
Nie. Obwohl: Ab heute bestimmt schon. Jetzt kennt mich ja die ganze Welt!

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, welcher Gast käme als Nächstes?
Keine Frage, Francesco Totti! Ich komme aus Rom, bin Roma-Fan und habe ihn auch schon mal im Trainingslager getroffen. Seitdem träume ich davon, ihm einmal Spaghetti all'amatriciana zu kochen.

Und wenn es nur ein Bayern-Spieler zu Ihnen schafft?
Die können gerne alle kommen. Aber am liebsten natürlich Neuer, Müller oder Götze. Oder Schürrle aus London, mein absoluter Lieblingsspieler von den Deutschen.

Schürrle ist ihr Lieblingsspieler?
Ja, jedes Mal, wenn er eingewechselt wird, macht er das Richtige. Meistens ein Tor. Er war toll bei der WM. Ich habe mich richtig gefreut, denn ich bin jetzt seit 15 Jahren in Deutschland und habe hier auch Fußball gespielt. Wenn schon nicht Italien, dann muss Deutschland Weltmeister werden. Zum Glück ist es so gekommen.

Zurück zu Neymar: Über die WM haben Sie mit ihm nicht geredet, oder?
Nein, die war weder für Italien noch Brasilien richtig erfolgreich. Das Thema haben wir also übersprungen.

Haben Sie denn eine Erinnerung an seinen Besuch bekommen?
Neymar hat sich in unser Gästebuch eingetragen und wir haben ein schönes Foto gemacht. Die kommen alle in eine Neymar-Ecke im Restaurant, zusammen mit den ganzen Zeitungsartikeln von überall in der Welt. Und der Tisch, an dem er saß, wird umbenannt in »Neymar«, das muss ich gleich noch in die Kasse eintragen, damit man es auf der Quittung sieht. Da gibt es bestimmt viele Reservierungen für.

Nach einer Stunde war Neymar wieder weg. Wie hoch war denn die Rechnung?
Nicht so hoch, ganz normal. Es gab auch keine tausend Euro Trinkgeld. Ich hoffe jetzt auf das nächste schlechte Wetter. Alle Fußballer, die zwischenlanden müssen, sind in meinem Restaurant jederzeit herzlich willkommen.

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