Interview mit Fotograf Dominik Asbach

Auswärts – Vorher/Nachher

Interview mit Fotograf Dominik AsbachDominik Asbach
Heft#110 01/2011
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110

Dominik, du hast ein Stück Gladbacher Endzeitstimmung eingefangen: Hardcore-Fan Tillemann kann auf dem Nachher-Foto kaum noch seine Bierdose halten. Wie viele Liter hat er unterwegs getrunken?

Schwer zu sagen. Der junge Mann war geschlagene 16 Stunden unterwegs und ist morgens mit einem Sixpack losgezogen. Gereist ist er mit der Deutschen Bahn, von Wuppertal nach Kaiserslautern und zurück. Da kommt man mit drei, vier Litern wahrscheinlich nicht hin. Er hatte befürchtet, dass die Fotos seiner Borussia schaden könnten. Dass sie für ihn kompromittierend sein könnten, darüber hat er sich keine Gedanken gemacht. Auf der Rückfahrt hatte er einen Freund dabei, der sich nicht fotografieren lassen wollte. Tillemann meinte entwaffnend ehrlich: »Der ist Student, der hat noch Pläne.«

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Welche Idee steckte hinter der Fotostrecke?

Wir wollten dokumentieren, wie entbehrungsreich eine Auswärtstour mit dem Lieblingsverein sein kann. Wie sieht jemand aus, der an einem Tag über 1000 Kilometer auf der Autobahn zurückgelegt hat.

Wie hast du die Fans ausgewählt?

Zusammen mit der 11FREUNDE-Bildredaktion. Es war klar, dass es sich um Vereine aus dem Westen handeln muss, sonst wäre der logistische Aufwand für mich zu groß gewesen. Ihr habt mir die Kontakte zur Verfügung gestellt und ich habe mich dann um die Termine mit den Fans gekümmert.

Welches Equipment hast du benutzt?

Ich habe mit meiner mobilen, akkubetriebenen Blitzanlage fotografiert, zusätzlich noch ein Stativ. Schwierig war es, den exakt gleichen Standort wieder zu finden.

Mit Ausnahme von Tillemann hast du die Fotos kurz vor den Abfahrten der Busse gemacht. Wie haben die anderen Fans reagiert?

So gut wie gar nicht, das hat niemanden gejuckt. Ich konnte ganz in Ruhe meine Arbeit machen, da wurde kein Aufhebens drum gemacht. 

Unterwegs vergisst man den Fotografen in der Heimat ja auch schon mal. Wie hast Du mit den Fans während der Fahrt Kontakt gehalten?

Morgens vor dem Spiel war das noch kein Problem, da haben sich alle an die vereinbarten Termine gehalten. Abenteuerlich wurde es aber mit den Nachher-Fotos, die zwangsläufig alle nachts entstanden sind. Mit Tillemann hatte ich ausgemacht, dass er sich bei mir meldet, wenn sein Zug kurz vor Köln ist. Natürlich hat er sich dann nicht gemeldet – ich habe ihn dann irgendwann angerufen. Bei dem Dortmunder Pärchen Vera und Oliver war es im Bus so laut, dass wir uns am Telefon nicht verstanden und vergeblich angebrüllt haben. Außerdem musste ich immer fürchten, dass die Müdigkeit größer ist als der Wille, sich noch einmal ablichten zu lassen. Letztlich hat es aber mit allen Fans geklappt.

Die Bochum-Fans Christian und Markus sind zum Auswärtsspiel nach Cottbus gefahren. Auf dem zweiten Foto wirken die Augen deutlich kleiner und das Grinsen breiter. Kann man sagen, dass der Genuss alkolischer Getränke zu ungewöhnlichen Uhrzeiten die Konstante aller fotografierten Personen war?

Absolut! Wann die beiden angefangen haben, weiß ich nicht. Sie hatten auf jeden Fall eine Kiste dabei und die war abends leer, auf dem Bild sieht man tatsächlich die letzten beiden Flaschen. Die waren trotz des 0:1 und der endlosen Busfahrt, insgesamt 1218 Kilometer, wirklich gut drauf und haben in Cottbus den ersten Glühwein der Saison getrunken. Übrigens hatten Christian und Mark bis zu diesem Zeitpunkt noch kein einziges Bochumer Auswärtstor in dieser Saison gesehen. Jedes Mal waren sie entweder auf Toilette oder haben sich eine Stadionwurst geholt. Was für ein Timing!

Hatte das Ergebnis der jeweiligen Mannschaften Einfluss auf den Gute-Laune-Grad? Heinz-Peter, der Fan des 1. FC Köln, scheint auf deinem Foto zu tanzen...

Bei Irmgard, Sabrina und Heinz-Peter war der wichtige Sieg der Kölner schon ein Faktor. Irmgard zeigt drei Finger für die drei Punkte in die Kamera. Bei denen war die Stimmung ausgelassen. Das Kölsch ist im Bus in Strömen geflossen. Sowohl Tillemann als auch Christian und Markus hat die Niederlage nicht besonders viel ausgemacht, das plant man als reisender Fußball-Fan einfach mit ein. Zudem schafft man es auf so einer Tour irgendwann, das auszublenden oder einfach zu vergessen.

Auch für dich war es ein Marathonprogramm. Am 30. Oktober um 23.11 Uhr noch Tillemann in Wuppertal, dann um 4.39 Uhr in der Früh nach Bochum, wo Christian und Mark aufgebrochen sind, und um 8:21 Uhr: Dortmund. Wieviel Kaffee hast du an dem Morgen getrunken?  

Oh ja, das war wirklich hart. Nachdem ich Tillemann im Kasten hatte, bin ich nach Duisburg gefahren, habe zu Hause zwei Stündchen geschlafen und dann ging es weiter nach Bochum. Nachdem ich das Bild im Kasten hatte, bin ich weiter nach Dortmund und habe anderthalb Stunden in meinem Auto geschlafen, vor dem Bahnhof. Ich hatte mir extra von zu Hause eine Decke mitgenommen. Man kann rückblickend ohne Übertreibung sagen: Es war einer der härtesten Portrait-Jobs für mich als Fotograf, normalerweise gibt es da andere Rahmenbedingungen

Wer war dein Lieblingsmotiv?

Ganz klar Tillemann. Seine Fotos bringen das auf den Punkt, was wir vorhatten. Mehr Gas geben als er, kann man auf einer Auswärtsfahrt wahrscheinlich nicht.

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