Ingolstadts Routinier Andreas Buchner über den Sportpark

»Nie mehr in die Jugendherberge«

Ab sofort im Handel: Die neue Ausgabe von 11FREUNDE! Das Stadionposter zeigt diesmal den Sportpark Ingolstadt. Mittelfeldmann Andreas Buchner ist seit den Anfängen im Verein. Im Interview spricht er über große Kabinen und den Klassenerhalt. Ingolstadts Routinier Andreas Buchner über den Sportpark
Heft#116 07/2011
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Andreas Buchner, das erste Jahr im neuen Sportpark Ingolstadt ist geschafft. Welche Eindrücke sind bei Ihnen hängen geblieben?

Andreas Buchner: Der Gang durch den Tunnel bis auf den Rasen, um dann in die eigene buntgeschmückte Fankurve schauen zu können – das ist ein tolles Gefühl! Außerdem wurde das Stadion am englischen Vorbild orientiert, die Fans sitzen also sehr dicht am Spielfeldrand. Bei Einwürfen und Eckbällen macht sich diese Nähe bemerkbar.

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Sie haben beim FC Ingolstadt 04 schon die Bezirkssportanlage und das ESV-Stadion erlebt. Ein merkwürdiges Gefühl, von der Tartanbahn in eine hochmoderne Arena zu wechseln?


Andreas Buchner: Ich habe erst beim MTV Ingolstadt gespielt und war nach der Fusion dann Spieler des FC Ingolstadt 04. Ich bin also die gesamte Entwicklung mitgegangen und erinnere mich gut, wie weitläufig die Bezirkssportanlage noch war. Im ESV-Stadion haben wir uns, obwohl nur als Überbrückung gedacht, sehr wohlgefühlt. Es war ein kleines Schmuckstück, das uns beflügelt hat – das zeigt ja auch der sportliche Erfolg aus den beiden Jahren. Als schließlich bekannt wurde, dass Ingolstadt ein neues Stadion plant, haben wir alle sehr mitgefiebert.

Die Unterschiede zwischen der neuen Heimspielstätte und ihren Vorgängern könnten größer nicht sein.

Andreas Buchner: Bei den Kabinen merkt man das am deutlichsten. Auf der Bezirkssportanlage mussten wir uns noch in der Jugendherberge umziehen. So eine Situation hat vielleicht ihr eigenes Flair, mit Profifußball aber wenig zu tun. Am ESV-Stadion waren dann schon provisorische Container aufgebaut und jetzt haben wir endlich große und schicke Kabinen. Von so einem Luxus habe ich als Kind, wenn die Sendung »ran« hinter die Kulissen geschaut hat, immer geträumt. 

Geträumt haben Sie vielleicht auch von einer riesigen, ohrenbetäubenden Kulisse. Zu Ihren Heimspielen strömen allerdings im Schnitt nur 8600 Zuschauer. Ist der mangelnde Zuspruch auch Grund dafür, dass der FC Ingolstadt 04 Vorletzter der Heimtabelle wurde?

Andreas Buchner: Das würde ich nicht so pauschal sagen. Es braucht natürlich seine Zeit, bis ein neues Stadion angenommen wird. In der Hinrunde kam noch dazu, dass wir daheim sehr unglücklich aufgetreten sind, soll heißen: Wir haben viele Partien nur knapp verloren und auch erst spät. Das hat manche Menschen vielleicht abgeschreckt.

Dabei ist der Sportpark mit einer Zuschauerkapazität von nur 15.000 doch schon sehr klein.

Andreas Buchner: Das stimmt, allerdings lässt sich der Sportpark bei Bedarf erweitern auf 30.000 Plätze. Sollte es also vielleicht irgendwann mal der Aufstieg klappen – wer weiß ... (lacht). Es hätte einfach keinen Sinn gemacht, jetzt schon so groß zu bauen. Im Moment kommen, Sie sagen es, meist nicht mehr als 10.000 Zuschauer.
Als der FC Ingolstadt 04 vor zwei Jahren schon mal in die 2. Liga vorstieß, stand am Ende der Saison der sofortige Wiederabstieg. Der Start in die abgelaufene Spielzeit ließ wieder Böses ahnen. Aus den ersten elf Spielen gab es nur magere vier Punkte.

Andreas Buchner: Wir hatten fast ein Dutzend Neuzugänge, deswegen war es mit der Aufstiegseuphorie diesmal sowieso so eine Sache. Man konnte die Mannschaft nicht mehr mit dem Team aus der 3. Liga vergleichen. Erzgebirge Aue hat beispielsweise einen anderen Weg gewählt. Die haben ihren Kader beibehalten, die Euphorie konserviert und sich in einen Rausch gespielt.

War der Umbruch in Ingolstadt also falsch?

Andreas Buchner: So kann man das nicht sagen. Oft genug klappt es ja auch im Fußball, einer Mannschaft ein neues Gesicht zu geben – und dann sind alle zufrieden. Diesmal war das leider nicht der Fall. Aber da wir am Ende die Klasse gehalten haben, hat auch diese erneuerte Mannschaft ihren Soll erbracht und das vorgegebene Ziel erreicht. Es gibt also wenig Anlass zur Kritik.

Kritisieren könnte man, dass der enttäuschende Start der Mannschaft Ihren Trainer Michael Wiesinger den Job gekostet hat. Er wurde am 11. Spieltag durch Benno Möhlmann ersetzt.

Andreas Buchner: Michael Wiesinger war ein junger, aufstrebender Trainer, bei dem auch in der erfolglosen Zeit beileibe nicht alles schlecht war. Aber wir brauchten in dieser schwierigen Phase Veränderung. Benno Möhlmann hat erstmal viele Einzelgespräche geführt, um die Mannschaft aufzupäppeln. Und er hat das System geändert, aber eben nicht von jetzt auf gleich, sondern Woche für Woche immer in Maßen. Da hat sich seine jahrelange Erfahrung bemerkbar gemacht.

Ihre Saison lief durchwachsen. Sie haben 18 Spiele gemacht, drei Tore erzielt und zwei Vorlagen beigesteuert, sich aber auch nach der Hinrunde schwer verletzt und in der Rückserie gar nicht mehr mitwirken können.

Andreas Buchner: Deshalb bin ich so dankbar und erleichtert, dass wir die Klasse gehalten haben. Da beruhigt sich auch das eigene Gewissen, eben weil man nicht mehr aktiv mitwirken konnte. Der Syndemosebandriss war besonders bitter für mich, weil ich schon vor zwei Jahren, als wir das erste Mal in der 2. Liga spielten, die Saison nach guter Hinrunde wegen einer Leisten-OP abhaken musste. Die Geschichte kam wieder hoch. Warum ich? Jetzt hoffe ich, dass ich mit solchem Pech durch bin und in Zukunft auch mal die Rückrunde spielen darf.

Kehrseite der Verletzung war, dass Sie das neue Stadion bestimmt auch mal aus anderer Position kennenlernen konnten.

Andreas Buchner: Ja, ich saß meist auf der Tribüne. Für das letzte Heimspiel habe ich mich mit zwei Spielerkollegen sogar in die Fankurve gemischt. Da bekamen wir Bier über den Kopf geschüttet, da wurde gesprungen, wir haben gesungen, gelacht – es war das totale Fanerlebnis. Ich habe gemerkt, dass man das Spiel aus dem Block bisweilen noch intensiver erlebt. Und ich bin mir, als ich den Blick durch das Stadion schweifen ließ, der Entwicklung des Vereins noch bewusster geworden.

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