Ingo Anderbrügge über S04-BVB

»Mein Herz schlägt blauer«

Was für das Rheinland dieser Tage der Karneval ist das Revierderby für das Ruhrgebiet. Wir sprachen mit Eurofighter Ingo Anderbrügge über den verbotenen Weg und das Gefühl, ein Tor im Derby zu erzielen. Ingo Anderbrügge über S04-BVBImago

Ingo Anderbrügge, heute Abend kommt es zum Revierderby zwischen Schalke und Dortmund. Sie selbst haben vier Profijahre bei der Borussia und zwölf Jahre bei den Knappen gespielt. Für wen schlägt das Herz heute Abend?

Ich habe ja eigentlich nicht nur vier Jahre bei Dortmund gespielt, sondern mit der Jugend und den Amateuren waren es sieben. Trotzdem habe ich meine persönlich beste Zeit auf Schalke erlebt, mit dem Uefa-Cup Sieg als Höhepunkt. Ich möchte die Zeit in Dortmund nicht missen, aber mein Herz schlägt schon ein bisschen blauer.

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Wie fühlt es sich an für einen Spieler, wenn die ganze Region eine Woche lang dem großen Spiel entgegen fiebert?

Für uns war das immer etwas ganz Besonderes, obwohl es ja auch in dem Spiel nur um drei Punkte geht. Alleine schon die Tatsache, dass Spieler wie Mike Büskens, Yves Eigenrauch, Martin Max und ich – um nur einige Beispiele zu nennen – alle aus Westfalen kamen. Dann noch Jens Lehman aus Essen. Die ganze Region fieberte bei den Spielen mit – das hat sich bis heute nicht geändert.

Hatten die Aufeinandertreffen für Sie als Spieler eine ähnlich hohe Bedeutung wie für die Zuschauer?

Wir Spieler haben den Vorteil, dass wir nach dem Spiel relativ schnell wieder in unseren normalen Alltag zurückkehren. Die Zuschauer sind an ihrem Arbeitsplatz und müssen sich bei einer Niederlage bis zum nächsten Derby von ihren Arbeitskollegen foppen lassen. Deswegen glaube ich, dass die meisten Fans darunter mehr leiden.

Mit Dortmund verloren Sie 1985 mit 1:6 auf Schalke. Konnte man sich danach überhaupt in der Stadt sehen lassen?

Das war natürlich ein Ereignis, das für eine gewisse Zeit geschmerzt hat, aber da muss man einfach als Spieler durch. Jeder Fußballer hat in seiner Karriere so Situationen, in denen er – ich will nicht sagen schief angeguckt wird – durch ein Stahlbad gehen muss. Das prägt, das formt und ist nur motivierend für die nächsten Aufgaben.

Sie waren auch 1997 dabei, diesmal für Schalke, als Jens Lehmann in der letzten Minute noch den Ausgleich für die Schalker erzielt hat. Ein unvergessliches Erlebnis?

Zumal wir auch das Rückspiel mit 1:0 gewannen – durch mein Tor im Parkstadion. Ich durfte somit auch schonmal ein Derby entscheiden. Das waren für mich die zwei Derby-Highlights. Ich habe auch mal in Dortmund einen Elfmeter Richtung Südtribüne verwandelt – ebenfalls ein Ereignis, an das ich mich spontan erinnern kann. Ich hoffe die Jungs, die heute ran dürfen, wissen das zu schätzen.

Sie sind den verbotenen Weg von schwarz-gelb zu königsblau gegangen, wie haben die Fans das aufgefasst?

Ich war damals noch recht jung und Schalke hat nur zweite Liga gespielt, da war das nicht so schlimm und auch nicht allzu spannend. Wir sind nur in einem Pokalspiel im Parkstadion aufeinander getroffen, da haben wir gewonnen und ich habe das Tor zum 5:2 gemacht.

Momentan läuft es bei beiden Mannschaften nicht wirklich rund, in der Tabelle sind sie achter und neunter. Gibt es dennoch einen Favoriten für das Spiel?

Eigentlich nicht, es ist alles möglich. Auf den Schalkern lastet natürlich in der jetzigen Situation ein unheimlicher Druck, während Dortmund im Vergleich zum letzten Jahr gut dasteht. Jetzt wird es sich zeigen, ob Schalke noch mal die Kurve kriegt. Denn man kann mit einem Sieg im Derby Selbstvertrauen und Mut fassen um im letzten Drittel der Saison noch die internationalen Ränge zu erreichen. Bei einer Niederlage wird es auf Schalke qualmen.

Nach mehreren kleinen Vereinen und den arbeitslosen Fußballspielern trainierten Sie 2007 mit Wacker Burghausen erstmals eine höherklassige Mannschaft, doch schon Anfang 2008 folgte die Entlassung. Haben sie trotzdem noch das Ziel irgendwann als Trainer ins große Fußballgeschäft zu kommen?

Ich würde schon gerne noch mal eine Chance wahrnehmen. Ich habe meinen Trainerweg schon so aufgebaut, dass ich mich entwickeln kann. Meine erste Profistation endete ja leider – oder Gott sei Dank – nicht, weil wir keinen sportlichen Erfolg hatten, sondern weil es persönliche Differenzen gab. So ist das im Trainergeschäft, aber es war trotzdem eine tolle Erfahrung. Jetzt eröffne ich am 1. März in Marl, auf dem Gelände meiner alten Fußballschule, ein Fußballinternat, was in dieser Form in Deutschland einzigartig ist.

Wo werden sie das Spiel heute verfolgen?

Wir haben vor vier Wochen wieder Nachwuchs bekommen, ein Mädchen, und da werde ich das Spiel hier zu Hause mit einem Kollegen anschauen.

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