20.02.2009

Ingo Anderbrügge über S04-BVB

»Mein Herz schlägt blauer«

Was für das Rheinland dieser Tage der Karneval ist das Revierderby für das Ruhrgebiet. Wir sprachen mit Eurofighter Ingo Anderbrügge über den verbotenen Weg und das Gefühl, ein Tor im Derby zu erzielen.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Ingo Anderbrügge, heute Abend kommt es zum Revierderby zwischen Schalke und Dortmund. Sie selbst haben vier Profijahre bei der Borussia und zwölf Jahre bei den Knappen gespielt. Für wen schlägt das Herz heute Abend?

Ich habe ja eigentlich nicht nur vier Jahre bei Dortmund gespielt, sondern mit der Jugend und den Amateuren waren es sieben. Trotzdem habe ich meine persönlich beste Zeit auf Schalke erlebt, mit dem Uefa-Cup Sieg als Höhepunkt. Ich möchte die Zeit in Dortmund nicht missen, aber mein Herz schlägt schon ein bisschen blauer.



Wie fühlt es sich an für einen Spieler, wenn die ganze Region eine Woche lang dem großen Spiel entgegen fiebert?

Für uns war das immer etwas ganz Besonderes, obwohl es ja auch in dem Spiel nur um drei Punkte geht. Alleine schon die Tatsache, dass Spieler wie Mike Büskens, Yves Eigenrauch, Martin Max und ich – um nur einige Beispiele zu nennen – alle aus Westfalen kamen. Dann noch Jens Lehman aus Essen. Die ganze Region fieberte bei den Spielen mit – das hat sich bis heute nicht geändert.

Hatten die Aufeinandertreffen für Sie als Spieler eine ähnlich hohe Bedeutung wie für die Zuschauer?

Wir Spieler haben den Vorteil, dass wir nach dem Spiel relativ schnell wieder in unseren normalen Alltag zurückkehren. Die Zuschauer sind an ihrem Arbeitsplatz und müssen sich bei einer Niederlage bis zum nächsten Derby von ihren Arbeitskollegen foppen lassen. Deswegen glaube ich, dass die meisten Fans darunter mehr leiden.

Mit Dortmund verloren Sie 1985 mit 1:6 auf Schalke. Konnte man sich danach überhaupt in der Stadt sehen lassen?

Das war natürlich ein Ereignis, das für eine gewisse Zeit geschmerzt hat, aber da muss man einfach als Spieler durch. Jeder Fußballer hat in seiner Karriere so Situationen, in denen er – ich will nicht sagen schief angeguckt wird – durch ein Stahlbad gehen muss. Das prägt, das formt und ist nur motivierend für die nächsten Aufgaben.

Sie waren auch 1997 dabei, diesmal für Schalke, als Jens Lehmann in der letzten Minute noch den Ausgleich für die Schalker erzielt hat. Ein unvergessliches Erlebnis?

Zumal wir auch das Rückspiel mit 1:0 gewannen – durch mein Tor im Parkstadion. Ich durfte somit auch schonmal ein Derby entscheiden. Das waren für mich die zwei Derby-Highlights. Ich habe auch mal in Dortmund einen Elfmeter Richtung Südtribüne verwandelt – ebenfalls ein Ereignis, an das ich mich spontan erinnern kann. Ich hoffe die Jungs, die heute ran dürfen, wissen das zu schätzen.

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