18.09.2008

Iker Casillas im Interview

»...als wären wir Götter«

Iker Casillas ist Europameister, nun schickt er sich an, mit Real Madrid nach der Champions League-Trophäe zu greifen. Wir sprachen mit ihm über die Chancen, über »Mister« Bernd Schuster und seine Zeit als Galaktischer .

Interview: Javier Cáceres Bild: Imago
Iker Casillas im Interview
Herr Casillas, im Sommer haben Sie mit der spanischen Nationalelf die EM gewonnen. Es war der erste internationale Titel für Spanien nach 34 Jahren der Frustration. Ist es nicht seltsam, plötzlich mit einem Erfolg der Nationalelf im Rücken in eine Saison zu starten?

Es ist ungemein belebend! Was ich bisher verspürt habe, nicht zuletzt bei unseren ersten Spielen mit der Nationalelf, das sind die enormen Hoffnungen, die wir bei den Menschen im Land geweckt haben. Dieser EM-Titel war ja umso wichtiger, als die selección in Spanien regelmäßig große Illusionen geweckt hat, auf die dann ebenso regelmäßig die Desillusion folgte. Nur so erklärt sich auch die Art, wie der Titel gefeiert wurde - einmalig, das geht mir immer noch unter die Haut.



Haben Sie sich in den Jahren der Desillusion je gefragt, warum spanische Klubs international Triumphe erzielten, die Nationalelf aber stets scheiterte?

Oh ja. Sehr oft sogar. Da spielte alles Mögliche mit hinein. Zum Beispiel, dass die Klubteams universale Auswahlmannschaften waren. Nehmen Sie unsere Mannschaft bei Real Madrid von vor ein paar Jahren, da waren die besten Spieler der Welt versammelt. Zidane aus Frankreich, Beckham aus England... Für die anderen Nationalmannschaften hat sich das dagegen durchaus ausgezahlt, dass ihre Spieler in harten, wettbewerbsstarken Ligen beschäftigt waren. Von uns sind aber jetzt auch wichtige Spieler im Ausland. Torres, Reina und Xabi Alonso in Liverpool, Fabregas bei Arsenal, sie alle haben einen Schritt nach vorn gemacht und Erfahrungen gesammelt, von denen wir nun profitieren.

Und doch kann man den Eindruck gewinnen, als seien die Komplexe noch nicht ganz beseitigt. Einer der brennendsten Zweifel vor der nun beginnenden Champions-League-Saison ist, ob das Fußball-Land Spanien nicht doch England hinterherhinkt. Wie kommt das?

Die Champions League ist in den vergangenen Jahren nun mal von englischen Mannschaften regiert worden. Da ist gut nachvollziehbar, dass der Eindruck entstehen kann, England sei Spanien etwas voraus.

Trifft das denn zu?

Die Champions League ist ein Gradmesser für die Stärke der Ligen. Aber sie sagt nicht automatisch etwas über die Hierarchie von Fußballern aus.


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