28.05.2012

Huub Stevens über twitternde Profis, Dortmund und Schalke

»Ich schaue mir gerne BVB-Spiele an«

Interview: Benjamin Kuhlhoff und Christoph Biermann Bild: Thomas Rabsch

Huub Stevens, mittlerweile sind Sie seit neun Monaten wieder Trainer beim FC Schalke. Um einmal mit Ihrem Landsmann Louis van Gaal zu fragen: Passt Ihnen der FC Schalke mittlerweile wie ein »warmer Mantel«?
Alle haben immer das Gefühl, ich würde mich nur auf Schalke wohl fühlen. Aber das stimmt nicht. Meine Jobs in Köln, Hamburg und sogar in Berlin waren ebenfalls toll. Ich fühle mich in Deutschland generell sehr wohl. An welchem Ort ich bin, ist zweitrangig.

Aber gibt es das nicht, dass ein Trainer und ein Klub besonders gut zusammenpassen.
Klar, nur hat das auch mit der Organisation im Klub zu tun und wie miteinander gesprochen wird, also mit Menschen.

Da dürften sich der heutige Manager Horst Heldt und der damalige Rudi Assauer gründlich unterscheiden.
Natürlich, aber die Situation heute ist auch eine ganz andere. Damals kam ich als Nobody und hatte mit Rudi Assauer einen alten Hasen um mich, der mich ein ums andere Mal aus der Schusslinie genommen hat. Wir saßen täglich zusammen und haben über die Mannschaft und die Abläufe in der Bundesliga gesprochen. Es war doch alles Neuland für mich. Das ist jetzt nicht mehr so nötig, denn heute komme ich mit viel mehr Erfahrung zurück und kann anders mit Horst Heldt zusammenarbeiten.
Wir verstehen uns gut, aber müssen nicht mehr bei den kleinen Dingen anfangen.

Sind Sie inzwischen ein anderer Trainer als bei Ihrer ersten Zeit in Gelsenkirchen?
Ach, ich weiß nicht. Sagen wir mal so: Der Tunnel, in dem ich früher gearbeitet habe, war sehr eng. Im Laufe der Jahre ist er immer größer geworden, so dass ich mich etwas besser bewegen kann.

Im letzten Jahr waren Sie für ein paar Monate außerhalb des Tunnels, nachdem Sie bei Red Bull Salzburg entlassen wurden. Passen Sie besser zu Traditionsvereinen als zu so einem Kunstprodukt?
Nein, meine Zeit in Salzburg war super. Das mag komisch klingen, aber ich war tatsächlich begeistert von der Idee, etwas vollkommen Neues aufzubauen.

Andere würden sagen, dass solche Vereine den Fußball zerstören.
Da muss ich widersprechen. Natürlich war die Arbeit bei Red Bull anders, denn letztendlich steckt das ganze Projekt noch in den Kinderschuhen. Man arbeitet dort noch an der Basis, auch wenn diese Basis unbestritten überdimensional ist.

Sie wurden in Salzburg erst Meister und im Folgejahr entlassen, als Sie auf den dritten Tabellenplatz abrutschten. Das klingt nicht gerade nach Geduld und nachhaltiger Arbeit.
Heute weiß ich, dass mein Rauswurf gar nichts mit meiner Arbeit als Trainer zu tun hatte. Da spielten andere Dinge eine Rolle, aber das ist nichts für die Öffentlichkeit. Einen Tag vor dem Spiel gegen Linz kam ich auf das Trainingsgelände und sah, dass überall die Anwälte herumliefen. Auch Niko Kovac (der dann mit Ricardo Moniz Nachfolger von Stevens wurde, Anm. d. Red.) huschte schnell durch die Flure und ich ahnte schon, dass was im Busch ist. Als ich gerade dabei war, auf dem Platz die Hütchen aufzustellen, kam ein Anwalt und fragte: »Herr Stevens, haben Sie mal gerade eine Minute Zeit?« Ich sagte: »Nein, Sie sehen doch, dass ich gerade das Training vorbereite.« Der Anwalt sagte: »Ich wollte Ihnen mitteilen, dass wir uns gerne von Ihnen trennen würden.« Ich dachte erst, er meinte, dass wir nach der Saison den Vertrag auflösen, aber er sagte: »Sofort!« Ich habe meinem Co-Trainer die Hütchen in die Hand gedrückt, mich kurz verabschiedet und bin gegangen. Am nächsten Tag habe ich mein Büro geräumt, das Auto geputzt und sauber auf dem Vereinsgelände abgestellt, dann bin ich nach Hause gefahren und das Kapitel Salzburg war zu Ende.

Anschließend haben Sie ein paar Monate als TV-Experte für Liga Total gearbeitet. Wie war es, zur anderen Seite übergelaufen zu sein?
Es war sehr wichtig für mich, zu sehen, wie die Medien den Fußball begleiten. Ich fand erstaunlich, wie professionell da gearbeitet wird. Das war lehrreich, weil mir dadurch bewusst geworden ist, dass beide Seiten im gleichen Boot sitzen und wir gut daran tun, respektvoll miteinander umzugehen.

Da haben wir Sie aber schon anders erlebt.
Nein, das stimmt nicht. Ich hatte immer Respekt vor Journalisten und bin alt genug, um zu wissen, dass man nicht immer einer Meinung sein kann. Wütend macht es mich nur, wenn mein Gegenüber nicht gut vorbereitet ist. Ich mache meinen Job mit größtmöglicher Genauigkeit und denke, das kann man auch von einem Journalisten erwarten.

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