Hugo Almeida über Besiktas' und Werders Saison

»Keiner konnte Özil ersetzen«

Hugo Almeida über Besiktas' und Werders SaisonImago

Hugo Almeida, eigentlich wollten Sie im Winter zu Real Madrid wechseln. Gelandet sind Sie bei Besiktas in der Türkei. Wie enttäuscht waren Sie?

Hugo Almeida: Ich war realistisch was diese Spekulationen betrafen. Zudem wusste ich, dass ich bei Besiktas mehr Chancen auf einen Stammplatz haben würde. Trotzdem habe ich weiterhin den Traum, noch einmal unter José Mourinho zu spielen. Ich habe ihm viel zu verdanken. Er hat mich damals als junger Spieler beim FC Porto von der Jugend zu den Profis geholt. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Außerdem ist er der beste Trainer der Welt!

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Wie gut ist Ihr türkisch nach vier Monaten bei Besiktas?

Hugo Almeida: Um ehrlich zu sein: Es ist noch nicht sonderlich gut. Die Sprache ist sehr, sehr schwierig zu erlernen.

Sie haben letzten Monat einen Leistenbruch erlitten. Haben Sie momentan nicht genug Zeit?

Hugo Almeida: Ich steige nächste Woche schon wieder in das Mannschaftstraining ein, da möchte ich mich gut vorbereiten. Mein vorrangiges Ziel ist es, wieder zu spielen. Spätestens am 11. Mai, wenn wir im Pokalfinale gegen Istanbul BSB SK spielen. Und dann sind ja auch noch ein paar Ligaspiele – dort wollen wir versuchen, noch in die Europa League kommen. Türkisch werde ich mir im Sommer intensiv vorknöpfen.  

Das Ziel Europa League könnte schwierig werden bei fünf Punkten Rückstand auf den Vierten Gaziantepspor. Warum ist Besiktas diese Saison unter den Erwartungen geblieben?

Hugo Almeida: Der Druck war sehr groß. Die Erwartungshaltung ist hier eine andere als zum Beispiel in Deutschland. Die Fans sind sehr fanatisch und wollen jede Saison Titel sehen. Da kann es dann schon einmal ungemütlich werden, wenn es nicht so läuft.  

Bedeutet der Wechsel von der Bundesliga in die Süper Lig für Sie eigentlich ein Rückschritt?


Hugo Almeida: Für mich persönlich war der Wechsel ein sehr wichtiger Schritt. Die Bundesliga ist eine der besten Ligen Europas, und qualitativ auch besser als die Süper Lig. Und dennoch: Von der Taktik und der Spielweise gibt es keine allzu großen Unterschiede. Mir fiel die Umstellung jedenfalls sehr leicht.  

Gab es wirklich einen Grund für den Wechsel? Sie waren bei Werder mit neun Saisontreffern immerhin bester Torschütze.


Hugo Almeida: Nach viereinhalb Jahren in Bremen wollte ich mal etwas Neues kennenlernen – ein neues Land mit einer neuen Liga. Zudem stimmten die Konditionen. Besiktas ist ein großer Verein, der jedes Jahr das Ziel Meisterschaft ausgibt und großes Potenzial für den Europapokal hat. Mit dieser Mannschaft können wir in Zukunft wieder in der Champions-League spielen. Das Angebot für mich war sehr reizvoll.  

Sie haben Werder in einer schwierigen Phase verlassen, zwischenzeitlich sprachen viele gar schon vom Abstieg. Was ist rückblickend schief gelaufen?

Hugo Almeida: Das fing schon am Anfang der Saison mit dem Wechsel von Mesut Özil an. Dann hat Thomas Schaaf viele Spieler auf der Position ausprobiert, aber keiner konnte die hinterlassene Lücke schließen. Wenn Werder nächstes Jahr wieder oben mitspielen möchte, sollten sie sich dringend auf dieser Position verstärken.  

Als Sie gegangen sind, sollen Sie sehr stark auf Bremen geschimpft haben. Was hat Ihnen an der Stadt nicht gefallen?


Hugo Almeida: Glauben Sie wirklich, ich hätte viereinhalb Jahre in Bremen gelebt, wenn es mir nicht gefallen hätte? Wenn ich Bremen nicht gemocht hätte, wäre ich schon viel früher gegangen. Bei meinem Wechsel wurde viel schmutzige Wäsche gewaschen. Das finde ich sehr schade, weil ich eine wundervolle Zeit in Bremen hatte.

Frustrierte es nicht auch, wenn Sie Thomas Schaaf mal wieder auf die Bank setzte?

Hugo Almeida: Klar, ich war manchmal unzufrieden, aber Werder hatte auch andere gute Stürmer. Für mich war dieser Konkurrenzkampf trotzdem sehr gut, denn dadurch bin ich zu einem besseren Spieler geworden. Außerdem muss ich sagen, dass mir Thomas Schaaf in wichtigen Spielen immer Vertrauen geschenkt hat. Rückblickend war diese Erfahrung für mich sehr wichtig. Ich war das erste Mal in einem anderen Land. Ich bin in Bremen zu einem Mann gereift.

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