Uwe Seeler mochte alle, alle mochten Uwe Seeler. Konnte er eigentlich auch mal richtig wütend werden? Harry Bähre: Wenn es nicht lief, rannte er übers ganze Feld und verpasste den Mittelfeld- und Abwehrspielern einen richtigen Einlauf. Uwe konnte einfach nicht verlieren. Wir hatten allerdings häufig Glück, dass Dieter Seeler eine Art Puffer im Mittelfeld war. Jedes Mal, wenn Uwe mit hochroter Birne angerannt kam, sagte Dieter: »Ruhig, Dicker! Geh nach vorne und mach' deine Dinger.« Dann ist Uwe von dannen gezogen. Vor seinem fünf Jahre älteren Bruder hatte er einen Heidenrespekt.
Über seinen einzigen Platzverweis hat er sich auch ziemlich lange geärgert.Harry Bähre: Über den sollte man heute noch nicht mit ihm reden.
(lacht) Der HSV spielte damals, 1957, gegen Bremerhaven. Uwe schickte Gegenspieler Horst Wagenbreth auf den Rasen – und Schiedsrichter Walter Höfel verwies ihn des Feldes. Das war natürlich ein Riesenskandal. Wagenbreth wurde danach bis zum Abpfiff vom Publikum ausgepfiffen.
Waren Sie im Stadion? Harry Bähre: Ich stand als Butjer im Publikum – und natürlich habe ich auch gepfiffen. Uwe war ja neben Klaus Stürmer mein großes Idol. Später berichtete Uwe mal davon, wie Wagenbreth verkleidet aus der Kabine schleichen musste, weil das Hamburger Publikum so aufgebracht gewesen war und ihm auflauern wollte.
Sie sehen Uwe Seeler spätestens am Samstag wieder, wenn er seinen Geburtstag im Volksparkstadion feiert. Treffen Sie sich ansonsten auch noch?
Harry Bähre: Wir haben eine kleine Clique, die aus fünf, sechs Leuten besteht. Gemeinsam spielen wir Golf oder Tennis oder fahren nach Mallorca.
Wie kann man sich das vorstellen: Uwe Seeler und seine Clique auf Mallorca?Harry Bähre: Das ist immer lustig. Sowieso: Wenn wir mit Uwe unterwegs sind, dann geht's allen Leuten mit einem Schlag blendend. Ich erinnere mich noch an ein Spiel, zu dem wir mit dem Taxi gefahren sind. Wir standen im Stau, nichts ging mehr. Plötzlich erkannte ein Verkehrspolizist, dass Uwe bei uns im Wagen saß. Da lief er prompt zu seinem Kollegen, der wieder zu einem anderen. Am Ende standen sie bei uns und sagten: »Herr Seeler, wir leiten jetzt den Verkehr um.«
Was sagte Seeler? Harry Bähre: Uwe ist bekanntlich einer der bodenständigsten und liebenswürdigsten Menschen, die es im Fußball gibt. Der kennt kein Oben oder Unten. Und deswegen wollte er natürlich keine Extra-Behandlung, auch wenn es mit dem Anstoß knapp werden würde. Er winkte ab, scherzte rum. Doch ehe wir uns versahen, organisierten die Polizisten eine Schneise für uns – und für die anderen Autofahrer war das okay. Sie winkten uns zu.