03.11.2011

HSV-Legende Harry Bähre gratuliert Uwe Seeler

»Er lag in der Luft wie eine Rakete«

Am Samstag wird Uwe Seeler 75 Jahre alt. Heute gratuliert sein Freund und ehemaliger HSV-Mitspieler Harry Bähre. Ein Gespräch über Seelers einzigen Platzverweis, rote Köpfe und den Traum vom besten Tor aller Zeiten.

Interview: Andreas Bock Bild: Imago
Harry Bähre, Uwe Seeler hat in seiner Karriere weit über 500 Tore gemacht. Welches war denn sein bestes?

Harry Bähre: Viele Leute schwärmen von seinem Treffer mit dem Hinterkopf beim 3:2-Sieg gegen England 1970. Doch das beste Tor machte er im November 1963.



Beim Auswärtsspiel in Barcelona?

Harry Bähre: Wir spielten damals mit dem HSV im Europapokal der Pokalsieger vor 90.000 Fans im Camp Nou, der Tempel kochte. Es entwickelte sich ein Wahnsinns-Spiel, wir machten schnell das 1:0, doch auf einmal führten die Spanier 3:2, dann egalisierten wir wieder. In der 70. Minute zog ich dann eine präzise Flanke in den Sechzehner – und Uwe schoss waagerecht durch die Gegenspieler. Er lag in der Luft wie eine Rakete. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Er traf den Ball mit voller Wucht, 4:3 für uns. Und wissen Sie was: Von dem Tor träume ich heute manchmal noch.

Und dann wachen Sie schweißgebadet auf, weil Barcelona noch das 4:4 machte?

Harry Bähre: Nein. Der Traum geht weiter bis zum Rückspiel, das in Hamburg 0:0 endete. Das Entscheidungsspiel gewannen wir 3:2. In der Partie machte ich sogar ein Tor.

Erinnern Sie sich an Ihre erste Begegnung mit Uwe Seeler?

Harry Bähre: Ich war früher, in den fünfziger Jahren, Balljunge am Rothenbaum. Beim Training der ersten Mannschaft postierte ich mich direkt hinter dem Tor, in der Hoffnung die Spieler würden daneben schießen. Dann fischten wir die Bälle aus dem Gebüsch und hatten einen guten Grund zu ihnen zu gehen. Wir konnte kurz mit Uwe oder Klaus (Stürmer, d. Red.) schnacken oder uns ein neues Autogramm fürs Album ergattern. Zwei Jahre später spielte ich dann mit Uwe zusammen in der Oberliga-Mannschaft.

War denn Trainer Günter Mahlmann oder Uwe Seeler Ihre Respektsperson?

Harry Bähre: Mahlmann war ein Pädagoge, der ließ mich auch schon mal zum Spiel per Anhalter fahren. Uwe war Idol und Mentor zugleich. Er nahm mich an seine Seite, zeigte mir, wie der Hase läuft.

Was faszinierte Sie damals so am HSV?

Harry Bähre: Heutzutage wird das gerne als Romantik abgetan, doch es war der Zusammenhalt. Und den gab es wirklich. Wissen Sie, wir spielten damals mit elf gebürtigen Hamburgern. Als eines Tages Jürgen Kurbjuhn vom SV Buxtehude zu uns wechselte, hieß es: Der erste Ausländer kommt zum HSV. Doch Uwe hat auch ihn in sein Herz geschlossen.

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