16.12.2012

Hot Chip-Mitglied Felix Martin über schwule Profis in England

»Es ist alles eine Frage der Geduld«

Die Londoner Band Hot Chip hat zu ihrer neuen Single »Don´t Deny Your Heart« einen kontrovers diskutierten Fußball-Video-Clip veröffentlicht. Zwei englische Profis küssen sich in kühler Computerspiel-Optik auf dem Platz – und schließlich fallen alle Spieler übereinander her. Die Kollegen von »Bolzen« sprachen mit Bandmitglied Felix Martin über das erste Outing eines schwulen Profis auf der Insel.

Interview: Karol Herrmann Bild: Screenshot

Felix, Ihr habt Euren Video-Clip über Schwule im englischen Profifußball gerade veröffentlicht. Hat sich schon jemand aus der Premier League zu Wort gemeldet?
Nein, bei den Spielern ist der Clip wohl noch nicht angekommen. Anders Lindegaard, Torwart von Manchester United, hat aber in seinem Blog gerade einen längeren Text zu dem Thema geschrieben. Er schrieb über die Notwendigkeit eines Coming Outs, was es zumindest in England noch nie gegeben hat. Es scheint, als würde es irgendwann passieren, aber bis dahin ist es wohl noch ein langer Weg.

Wie ist das Video ansonsten aufgenommen worden?
In den Kommentaren unter dem YouTube-Clip gab es schon ein paar homophobe Meinungen, aber das waren wahrscheinlich größtenteils Teenager, die sich mit dem Thema noch nicht wirklich auseinander gesetzt haben.
 
Ihr seid bislang weniger als Fußballband aufgefallen. Welches sind Eure Klubs?
Ein paar von uns sind tatsächlich große Fußball-Fans. Ich selbst bin ein Liverpool-Fan und unser Sänger Alexis hält zu Tottenham; es gibt sogar noch einen Liverpool-Fan. Wir schauen unterwegs oft Premier-League-Spiele zusammen.
 
Wie kam die Idee zu dem Video zustande?
Wir haben als Kinder eher Fußball geschaut als selber gespielt. Und wir haben natürlich Games wie »Fifa« gezockt. Was uns dabei immer auffiel, waren die unemotionalen Gesichter der Computerfußballer, beispielsweise beim Torjubel. Peter Serafinowicz, der vorher schon einige Videos für uns gedreht hat, hat die Figuren entsprechend animiert. Er hat es perfekt verstanden, den Humor, den wir transportieren wollten, umzusetzen.
 
Hattet Ihr Hilfe von Firmen, die Computerspiele herstellen?
Die Bewegungsabläufe wurden von »The Imaginarium« umgesetzt, einem neuen Motion-Capture-Studio in London. Das Studio gehört Andy Serkis, der den Gollum in »Herr der Ringe« gespielt hat. Wir haben es mit dieser professionellen Hilfe hinbekommen, das alles ein wenig retro aussieht.

Warum ist es für die Öffentlichkeit so interessant zu wissen, welcher Fußballer schwul ist?
Ich weiß es nicht, aber es ist ein immer wiederkehrendes Thema. Zu viele Menschen akzeptieren immer noch nicht, dass es zum normalen Leben dazugehört. Und an dem Punkt, an dem sich bekannte Sportler outen, ist das von besonderem Interesse der Öffentlichkeit. Ganz besonders schwierig wäre es für Fußballer, weil ihr Sport so populär ist. Man kann verstehen, warum es noch keiner getan hat. Derjenige, der es irgendwann tut, muss sehr mutig sein.
 
Lukas Podolski sagte kürzlich, er möge es in England so sehr, weil sein Privatleben viel mehr respektiert werde. Teilst Du seine Einschätzung?
Das hängt davon ab, wer du bist. Lukas Podolski ist ein großer deutscher Star. Die Medien in Deutschland sind sehr an ihm interessiert und warten auf Fehler. In England sind Geschichten von Fußballern mit Prostituierten oder Geliebten auch keine Seltenheit. Schließlich werden Fußballer von allen Sportlern am besten bezahlt. Weil sie als Vorbilder gelten, stürzt sich die Presse darauf.

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