10.12.2012

Horst Heldt über seinen Job bei Schalke 04

»Ich habe Magath viel zu verdanken!«

Für die große Reportage in der neuen 11FREUNDE #134 reisten wir Ende November nach Gelsenkirchen und sprachen mit den Köpfen des Klubs über das neue Schalke 04. Horst Heldt über Weihnachtseinkäufe mit Felix Magath, Mobbing und Frühausteher.

Interview: Tim Jürgens und Benjamin Kuhlhoff Bild: Imago

HINWEIS: Dieses Interview wurde bereits Ende November geführt. Die aktuellen Entwicklungen haben einige Dinge grundlegend verändert. Deswegen bitten wir dich, zur Einordnung des Gesagten vorab diesen Text zu lesen.

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Horst Heldt, die Gelehrten streiten sich, wer Sie nach Schalke geholt hat. Clemens Tönnies glaubt, er sei es gewesen.

Stimmt. Wir hatten ein Jahr zuvor schon Kontakt. Damals wollte mich der VfB Stuttgart aber nicht freigeben.

Wie kam er denn auf Sie?
In diesem Business läuft man sich relativ häufig über den Weg. Seitdem wir Schalke mit dem VfB Stuttgart 2007die Meisterschaft wegschnappten, war ihm mein Name wohl ein Begriff. Als es dann 2010 für mich in Stuttgart Probleme gab, unternahm er den zweiten Anlauf. Wir haben uns getroffen und es war ein beeindruckendes Gespräch. Aber Felix Magath musste noch seine Zustimmung geben.

Magath kannten Sie schon lange. Traditionell trafen Sie sich mit ihm vor Weihnachten, um gemeinsam essen zu gehen.
Das rührte aus unser gemeinsamen Stuttgarter Zeit her. Wir trafen uns meistens am 23. Dezember, erledigten die letzten Weihnachtseinkäufe und gingen anschließend Mittagessen.

Auf Shopping-Tour mit Felix Magath, das klingt nach einem Roman-Stoff.
Ich weiß gar nicht mehr genau, wie das entstanden ist, aber wir haben das einige Jahre in Folge so gemacht. Und es war sehr angenehm.

Dass Magath seine Zustimmung für Ihre Verpflichtung gab, war also Formsache.
Ich habe Felix Magath viel zu verdanken. Als er mich damals aus Graz nach Stuttgart holte, war ich schon Mitte dreißig. Viele Leute in Stuttgart konnten meine Verpflichtung nicht nachvollziehen. Er hat mir die Möglichkeit gegeben, noch mal in der Champions League zu spielen, der Sieg gegen Manchester United ist eines der schönsten Erlebnisse meiner Karriere. Und ich konnte in Stuttgart fast übergangslos auf den Managerposten wechseln. Ich glaube nicht, dass ich heute in so einer Funktion bei einem Bundesligisten arbeiten würde, wenn mich Magath damals nicht geholt hätte.

Die besten Voraussetzungen für eine fruchtbare Zusammenarbeit.
Die Gespräche mit ihm und Clemens Tönnies vor meiner Verpflichtung waren in der Tat sehr gut. Wir haben genaue Absprachen getroffen, wer für welche Bereiche zuständig sein würde.

Ihre offizielle Bezeichnung lautete »Geschäftsführer Sport, Spielbetrieb und Marketing«.
Schalke ist ein großer Verein und es war klar, dass Magath Unterstützung brauchte. Leider kam ich in einer Phase, in der es hier heftige Diskussionen gab, inwieweit der Klub bereit ist, wieder Geld zu investieren. Unter Magath hatte das Team überraschend die Champions League erreicht, der Verein aber fuhr einen rigiden Konsolidierungskurs. Felix Magath hat in seiner Funktion, was absolut nicht verwerflich ist, Investitionen gefordert. In dieses Spannungsfeld bin ich hinein geraten.

Wie müssen wir uns das vorstellen?

Lassen Sie es mich so sagen: Die Zusammenarbeit hat nicht funktioniert.

Neben der wirtschaftlichen Schieflage schien der Verein in der Magath-Ära zusehends in eine emotionale Schieflage zu geraten. Was waren Ihre ersten Maßnahmen nach Magaths Abgang?
Es gab sehr unterschiedliche Meinungen zu seiner Entlassung. Dazu hatte sich der Verein von seinen Fans entfremdet. Das Allerwichtigste war, schnell wieder Einigkeit im Umfeld herzustellen. Wir mussten die Fans zurück ins Boot holen und uns wieder mehr auf die Tradition besinnen.

Wie haben Sie das gemacht?
Wir haben die aktive Fanbetreuung intensiviert, sind zu Gesprächen in die Fanclubs gegangen und haben die so genannten »Kabinengespräche« eingeführt, in denen wir uns in regelmäßigen Abständen mit Fangruppen in der Kabine der Lizenzmannschaft zur Diskussion zusammensetzen. Wir haben in vielen kleinen Schritten zeigen wollen, dass wir eine Familie sind und darauf großen Wert legen.

Und sportlich? War die Mannschaft verunsichert oder eher erleichtert?
Wahrscheinlich hatten sichTrainer und Mannschaft auseinander gelebt. Felix Magaths Arbeitsweise hat sicherlich ihre Berechtigung, unterscheidet sich aber grundlegend von der Ralf Rangnicks.

Rangnicks Abschied von Schalke im Winter 2005 war problemhaftet. War das Umfeld gleich begeistert von seiner Wiedereinstellung?
Das war kein Problem, eher musste Ralf Rangnick überzeugt werden. Er hatte zwar Interesse, wollte aber erst zur neuen Saison wieder arbeiten. Wir brauchten im März 2011 aber schnell einen Trainer, der gesamtheitlich denkt, der nicht nur im Verein und bei den Fans, sondern auch im Nachwuchsbereich, wo die nächste Entfremdung, die von der ersten Mannschaft, festzustellen war, für Einigkeit sorgt. Dafür war Rangnick die perfekte Lösung. Zum Glück konnten Clemens Tönnies und ich ihn in den Gesprächen überzeugen.

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