Horst Heldt über den »Manager des Jahres«: Michael Zorc

»Es kann nur einen geben«

In der aktuellen Ausgabe 11FREUNDE #140 wählte unsere Jury BVB-Manager Michael Zorc zum »Manager des Jahres«. Wir sprachen mit seinem Kollegen Horst Heldt über Neid zwischen den Erzrivalen, Verhandlungstaktiken und Halluzinationen auf Schalke.

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140

Horst Heldt, Ihr Kollege Michael Zorc wurde von unserer Jury nun schon zum zweiten Mal nacheinander zum »Manager des Jahres« gewählt?
Das ist bitter.

So schlimm, dass ausgerechnet der Erzrivalen ausgezeichnet wird?
Nein, nein. Michael macht einen super Job, aber für jemanden, der ebenfalls in dem Job arbeitet und in der letzten Saison wahrscheinlich weit von dieser Auszeichnung entfernt geblieben ist, ist es natürlich hart, diesen Titel mit der nötigen Objektivität zu würdigen. (lacht)

Ist die Auszeichnung am Ende vielleicht sogar unverdient?
Überhaupt nicht. Michael wurde nicht umsonst von einer unabhängigen Jury gewählt. Den Preis hat er sich verdient. Aber sicherlich haben auch andere Kollegen in dieser Saison tolle Leistungen gebracht. Das gerät bei so einer Auszeichnung immer etwas in den Hintergrund.

Wen haben Sie da besonders im Auge?
Schauen sie nach Augsburg, die sind mit einer unfassbaren Energieleistung in der Liga geblieben. Oder etwa auf all das, was in Freiburg und in Frankfurt entstanden ist. Es gibt viele, die eine solche Auszeichnung verdient hätten. Doch das soll Michaels Leistung nicht schmälern. Es kann eben nur einen geben.

Wie oft sehen Sie den Kollegen Zorc eigentlich pro Saison?
Durch die regelmäßigen Manager-Tagungen ist der Kontakt zwischen allen Managern in der Liga eigentlich sehr gut. Bei diesen Veranstaltungen ist der Austausch durchaus intensiv. Und dann treffen wir uns natürlich zwei Mal im Jahr zum Derby. Allerdings bleibt da kaum Zeit, um sich mal etwas ausführlicher zu unterhalten. Da ist jeder mit Medienterminen, der allgemeinen Anspannung und seiner eigenen Nervosität genug ausgelastet.

Wie sieht der Austausch unter der Manager-Konkurrenz aus?
Natürlich lüftet man vor der Konkurrenz nicht seine intimsten Geheimnisse und Strategien. Aber ich habe zu Michael Zorc ein sehr gutes Verhältnis. Wir sind in einem ähnlichen Alter, kennen uns auch noch aus unserer aktiven Zeit. Unser Verhältnis war immer von gegenseitigem Respekt geprägt, deswegen kann ich nicht ansatzweise etwas Negatives über Michael Zorc sagen. Außer, dass er vielleicht beim falschen Verein ist. (lacht)

Beim Ringen um Felipe Santana haben Sie den Manager Michael Zorc als Gegenspieler am Verhandlungstisch erlebt. Geben Sie uns Einblick in diese Gespräche: Ist er ein knallharter Zocker oder eher ein bedächtiger Verhandler?
Er verhandelt so wie er auch stets gespielt hat: seriös, authentisch, immer fair. Natürlich versuchen beide Parteien in diesen Situationen ihre Position bestmöglich zu verteidigen, da kann es auch schon Mal etwas heikler werden. Aber gerade im Fall Felipe Santana ist alles reibungslos und respektvoll über die Bühne gegangen.

Sie kennen Michael Zorc als Spieler und Manager. In welcher Funktion hat er Sie mehr beeindruckt?
Er hatte eine glänzende Karriere als Spieler, hat zahlreiche Titel eingefahren. Davor muss man den Hut ziehen. Ich habe ihn als angenehmen Profi kennengelernt, der seinen Job zu 100 Prozent ernstgenommen hat. Andere haben vielleicht etwas mehr geglänzt, aber ohne ihn wäre vieles in Dortmund sicher gar nicht erst entstanden. Im direkten Duell auf dem Rasen haben wir uns zwar oft bekriegt, aber er hat dabei auf miese Tricks und kleine Fouls verzichtet. Da gab es andere, die mir schlimmer in Erinnerung geblieben sind.

In seiner ersten Zeit als Manager musste er seinen Verein vor dem drohenden Untergang retten.
Diese Leistung ist ihm gar nicht hoch genug anzurechnen. Er hat in der ersten Zeit sehr viel Gegenwind bekommen. Ich möchte nicht wissen, wie viele von denen, die ihn damals am liebsten geschasst hätten, ihm heute auf die Schulter klopfen.

Zwei Meisterschaften, sogar ein Double, zuletzt auch noch das Finale der Champions League: Wie oft haben Sie in den letzten Jahren neidisch zum schwarz-gelben Rivalen geguckt?
Warum sollte ich neidisch sein? Jeder hat seinen Weg, jeder hat seine Philosophie, entsprechend hat auch jeder unterschiedliche Voraussetzungen. Aber natürlich beobachtet man immer die Konkurrenz und wiegt ab: Was machen die gut? Was machen die schlecht? Das hilft, um sich weiterzuentwickeln. Und es ist unbestritten, dass die einige Dinge besser gemacht haben als wir in den letzten Jahren, sonst hätten sie nicht diese Erfolge eingefahren.

Kann der BVB sich auch was vom FC Schalke abgucken?
Ich könnte mir vorstellen, dass sie schon etwas neidisch auf unsere Nachwuchsarbeit schauen.

Was ist die größte Qualität, die ein Fußballmanager bei einem Ruhrgebietsklubs mitbringen muss?
Ich bin im Rheinland geboren und habe dort die meiste Zeit meines Lebens verbracht. Deswegen ist mir das Gemüt des Ruhrgebietlers nicht fremd. Hier lebt noch der reine Fußball, mit allen guten und allen schlechten Dingen, die daran hängen. Dadurch hat man automatisch eine noch größere Verantwortung als andernorts, weil sich eben ganze Städte über den Zustand ihres Fußballklubs definieren.

Im Fall Julian Draxler sind Sie und Michael Zorc auch öffentlich aneinander geraten. Unter anderem warf er dem FC Schalke vor, unter »Halluzinationen« zu leiden. Wie schafft man so etwas unter Bundesliga-Managern aus der Welt?
Da gibt es nichts, was es aus der Welt zu schaffen gibt. Man muss auch immer sehen, in welchen Zusammenhängen solche kleinen Gefechte stattfinden. Bei uns ist niemand eingeschnappt oder erwartet eine Entschuldigung. So etwas gehört zum täglichen Geschäft eines Managers dazu.

Also das klassische Säbelrasseln unter Rivalen?
Ich sage es mal so: Manche Dinge werden oft größer dargestellt, als sie am Ende sind. Das Thema Julian Draxler hat sicher keinen Keil zwischen Michael Zorc und mich getrieben.

Man hat dennoch das Gefühl, dass der BVB mit dem sportlichen Erfolg nach außen zunehmend forscher auftritt. Passt das zum Leisetreter Zorc?
Das massive Medieninteresse war für den BVB vielleicht auch etwas neu. Mir ist jedoch aufgefallen, dass Michael Zorc gerade in dieser intensiven Phase der Aufmerksamkeit eine gute Balance hatte. Er hat sich angenehm zurückgehalten und gemerkt, dass man eben nicht zu jedem Thema etwas sagen muss.

Sie beide haben einen ähnlichen Karriereweg eingeschlagen. Wie schwierig ist es eigentlich, als ehemaliger Spieler in den Job des Managers zu rutschen?
Als Manager merkst du vom ersten Tag an, dass du konstant im Kreuzfeuer stehst. Du hast die Gesamtverantwortung für einen Verein, und aus dieser Verantwortung kannst du dich nicht mehr stehlen. Das ging als Spieler vielleicht noch. Da konnte man sich mal zurückziehen, die anderen zehn Spieler vorschicken. Was man als Manager auch schnell merkt: Oft bleibt von deiner Arbeit das Negative hängen! Mit positiven Entwicklungen werden meist andere verbunden. Das ist aber kein Jammern, sondern Teil unseres Arbeitsprofils. Man steht in vorderster Front und muss alles erklären. Das ist eben auch das Reizvolle an diesem Beruf.

Was war aus Ihrer Sicht Michael Zorcs größte Leistung als BVB-Manager?
Er stand anfangs vor der Situation, dass er am Morgen nicht wusste, ob es nachmittags noch weitergeht mit seinem Klub. In dieser Situation hat er Ruhe und Souveränität bewiesen und seinen Teil dazu beigetragen, dass es weiterging. Ebenfalls beeindruckend war sicherlich, mit welcher Wucht seine Mannschaft nach dem Gewinn des ersten Titels im Jahr 2011 in die folgende Saison gestartet ist und am Ende mit dem Double belohnt wurde. Meister werden, das schaffen andere auch! Aber diesen Erfolg auf diese Weise zu bestätigen, das ist die ganz große Kunst – wenn man nicht gerade beim FC Bayern beschäftigt ist.

Mal eine steile These: Allein die Tatsache, dass man sich sein Leben lang »Susi« nennen lassen muss, rechtfertigt jede Auszeichnung der Welt.
Erstmal ist ein Spitzname immer auch ein kleines Kompliment, weil es zeigt, dass sich die Fans mit einem auseinandersetzen. Aber ich bin ehrlich: Ich habe noch nie erlebt, dass jemand Michael Zorc »Susi« genannt hat.

Horst Heldt, wenn Sie für einen Tag mit Michael Zorc die Jobs tauschen müssten: Was wäre Ihre erste Amtshandlung als Manager beim Erzrivalen?
Ich habe den Eindruck, dass wir beide sehr zufrieden mit unseren derzeitigen Job sind, deswegen gibt es keinen Anlass über ein Praktikum beim Nachbarn nachzudenken. (Überlegt) Eine Frage hätte ich aber auch noch an Sie: Warum bin ich 2007 eigentlich nicht von 11FREUNDE zum »Manager des Jahres« gewählt worden?

Da muss ich mich entschuldigen: Die Wahl fand erst 2010 zum ersten Mal statt.
Na toll… (lacht)

Wir sparen uns einfach diese Auszeichnung für Ihre zukünftigen Leistungen auf.
Danke für diese Motivation. Ich werde mein Bestes geben und freue mich schon auf die lobenden Worte des Kollegen Zorc. (lacht)

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