27.06.2013

Horst Heldt über den »Manager des Jahres«: Michael Zorc

»Es kann nur einen geben«

In der aktuellen Ausgabe 11FREUNDE #140 wählte unsere Jury BVB-Manager Michael Zorc zum »Manager des Jahres«. Wir sprachen mit seinem Kollegen Horst Heldt über Neid zwischen den Erzrivalen, Verhandlungstaktiken und Halluzinationen auf Schalke.

Interview: Benjamin Kuhlhoff Bild: Imago

Horst Heldt, Ihr Kollege Michael Zorc wurde von unserer Jury nun schon zum zweiten Mal nacheinander zum »Manager des Jahres« gewählt?
Das ist bitter.

So schlimm, dass ausgerechnet der Erzrivalen ausgezeichnet wird?
Nein, nein. Michael macht einen super Job, aber für jemanden, der ebenfalls in dem Job arbeitet und in der letzten Saison wahrscheinlich weit von dieser Auszeichnung entfernt geblieben ist, ist es natürlich hart, diesen Titel mit der nötigen Objektivität zu würdigen. (lacht)

Ist die Auszeichnung am Ende vielleicht sogar unverdient?
Überhaupt nicht. Michael wurde nicht umsonst von einer unabhängigen Jury gewählt. Den Preis hat er sich verdient. Aber sicherlich haben auch andere Kollegen in dieser Saison tolle Leistungen gebracht. Das gerät bei so einer Auszeichnung immer etwas in den Hintergrund.

Wen haben Sie da besonders im Auge?
Schauen sie nach Augsburg, die sind mit einer unfassbaren Energieleistung in der Liga geblieben. Oder etwa auf all das, was in Freiburg und in Frankfurt entstanden ist. Es gibt viele, die eine solche Auszeichnung verdient hätten. Doch das soll Michaels Leistung nicht schmälern. Es kann eben nur einen geben.

Wie oft sehen Sie den Kollegen Zorc eigentlich pro Saison?
Durch die regelmäßigen Manager-Tagungen ist der Kontakt zwischen allen Managern in der Liga eigentlich sehr gut. Bei diesen Veranstaltungen ist der Austausch durchaus intensiv. Und dann treffen wir uns natürlich zwei Mal im Jahr zum Derby. Allerdings bleibt da kaum Zeit, um sich mal etwas ausführlicher zu unterhalten. Da ist jeder mit Medienterminen, der allgemeinen Anspannung und seiner eigenen Nervosität genug ausgelastet.

Wie sieht der Austausch unter der Manager-Konkurrenz aus?
Natürlich lüftet man vor der Konkurrenz nicht seine intimsten Geheimnisse und Strategien. Aber ich habe zu Michael Zorc ein sehr gutes Verhältnis. Wir sind in einem ähnlichen Alter, kennen uns auch noch aus unserer aktiven Zeit. Unser Verhältnis war immer von gegenseitigem Respekt geprägt, deswegen kann ich nicht ansatzweise etwas Negatives über Michael Zorc sagen. Außer, dass er vielleicht beim falschen Verein ist. (lacht)

Beim Ringen um Felipe Santana haben Sie den Manager Michael Zorc als Gegenspieler am Verhandlungstisch erlebt. Geben Sie uns Einblick in diese Gespräche: Ist er ein knallharter Zocker oder eher ein bedächtiger Verhandler?
Er verhandelt so wie er auch stets gespielt hat: seriös, authentisch, immer fair. Natürlich versuchen beide Parteien in diesen Situationen ihre Position bestmöglich zu verteidigen, da kann es auch schon Mal etwas heikler werden. Aber gerade im Fall Felipe Santana ist alles reibungslos und respektvoll über die Bühne gegangen.

Sie kennen Michael Zorc als Spieler und Manager. In welcher Funktion hat er Sie mehr beeindruckt?
Er hatte eine glänzende Karriere als Spieler, hat zahlreiche Titel eingefahren. Davor muss man den Hut ziehen. Ich habe ihn als angenehmen Profi kennengelernt, der seinen Job zu 100 Prozent ernstgenommen hat. Andere haben vielleicht etwas mehr geglänzt, aber ohne ihn wäre vieles in Dortmund sicher gar nicht erst entstanden. Im direkten Duell auf dem Rasen haben wir uns zwar oft bekriegt, aber er hat dabei auf miese Tricks und kleine Fouls verzichtet. Da gab es andere, die mir schlimmer in Erinnerung geblieben sind.

In seiner ersten Zeit als Manager musste er seinen Verein vor dem drohenden Untergang retten.
Diese Leistung ist ihm gar nicht hoch genug anzurechnen. Er hat in der ersten Zeit sehr viel Gegenwind bekommen. Ich möchte nicht wissen, wie viele von denen, die ihn damals am liebsten geschasst hätten, ihm heute auf die Schulter klopfen.

Zwei Meisterschaften, sogar ein Double, zuletzt auch noch das Finale der Champions League: Wie oft haben Sie in den letzten Jahren neidisch zum schwarz-gelben Rivalen geguckt?
Warum sollte ich neidisch sein? Jeder hat seinen Weg, jeder hat seine Philosophie, entsprechend hat auch jeder unterschiedliche Voraussetzungen. Aber natürlich beobachtet man immer die Konkurrenz und wiegt ab: Was machen die gut? Was machen die schlecht? Das hilft, um sich weiterzuentwickeln. Und es ist unbestritten, dass die einige Dinge besser gemacht haben als wir in den letzten Jahren, sonst hätten sie nicht diese Erfolge eingefahren.

Kann der BVB sich auch was vom FC Schalke abgucken?
Ich könnte mir vorstellen, dass sie schon etwas neidisch auf unsere Nachwuchsarbeit schauen.

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