22.09.2012
Horst Heldt über Bayern und Schalke
»Ich habe Magath viel zu verdanken«
Horst Heldt ist einer der Verantwortlichen für den gegenwärtigen Erfolg bei Schalke 04. Vor dem Klassiker gegen den FC Bayern sprachen wir mit dem Manager über das Erbe von Felix Magath und die Zeit nach Raul.
Interview:
Roland Wiedemann
Bild: Imago
Magath bei Schalke
Die Chronologie in Bildern
Heute schwärmen Sie von der Arbeit auf Schalke, dabei war der Start in Gelsenkirchen im Sommer 2010 mehr als holperig. Der Alleinherrschaftsanspruch des damaligen Trainers Felix Magath machte Ihnen das Leben schwer.
Ich rede ungern über die Vergangenheit. Aber es hat in der Tat nicht so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt hatte. Das ist sehr bedauerlich, aber das Rad lässt sich nicht zurückdrehen. Die Gründe, warum es nicht funktioniert hat, gehen nur die Beteiligten etwas an. Auf jeden Fall hat es sich gelohnt durchzuhalten.
Was hat Sie dazu bewogen, trotz aller Widrigkeiten das Handtuch nicht gleich zu werfen?
Ich war schon zu meiner aktiven Zeit ein Spieler, der sich immer ganz besonders hat hineinknien müssen, um seinen Platz zu behaupten. Vielleicht hat mich das geprägt. Aber sicher wäre es kein Dauerzustand gewesen, so wie sich die Situation bei Schalke damals darstellte.
Ein ehemaliger Weggefährte von Magath, der namentlich nicht genannt werden wollte, hat einem ZEIT-Journalisten einmal gesagt: »Der Weg zu Magath führt Schritt für Schritt in die Abhängigkeit und dann in die Demütigung.« Ist da etwas Wahres dran?
Ich weiß nicht. Ich kann nur sagen, dass ich Felix Magath sehr viel zu verdanken habe – auch als Spieler. Er war es, der mich nach Deutschland zurückgeholt hat, zu einer Zeit als mich dort niemand mehr auf dem Zettel stehen hatte. Und ich wäre ohne Felix Magath auch nicht Manager geworden.
Sie führen inzwischen Verhandlungen mit den ganz Großen des internationalen Fußballs. Wie sind Ihre Erfahrungen aus den Gesprächen mit den Verantwortlichen vom FC Barcelona oder Real Madrid?
Der Umgang ist sehr professionell und respektvoll. Ich habe nur gute Erfahrungen gemacht. Das sind absolute Gentlemen, die einem zu keinem Zeitpunkt das Gefühl geben, man sei Ihnen in irgendeinerweise unterlegen. Man kann aus solchen Begegnungen immer etwas lernen, auch wenn man natürlich seinen eigenen Stil finden muss. Ich habe auch versucht, aus den Begegnungen mit Uli Hoeneß – meinem Vorbild und meiner Meinung nach, dem besten deutschen Manager – etwas mitzunehmen, als ich ihn zu Beginn meiner Tätigkeit beim VfB Stuttgart im Trainingslager in Dubai traf.
Was hat Uli Hoeneß in Ihren Augen als Manager ausgezeichnet?
Für ihn stand und steht der Verein über allem. Da ist kein Platz für persönliche Eitelkeiten. Und Uli Hoeneß verliert die Menschlichkeit nie aus den Augen. Er steht für bestimmte Werte. Doch wenn er sich benachteiligt fühlt oder wenn er seinen Verein in Gefahr sieht, ist mit ihm schlecht Kirschen essen.
Macht Ihnen der Vertragspoker Spaß oder schließen Sie lieber schnelle, geräuschlose Transfergeschäfte ab?
Die Arbeit muss immer Spaß machen, sonst ist man fehl am Platz. Aber ich bin kein Freund von Gesprächen, die sich unnötig in die Länge ziehen.
Sind die Verhandlungen mit Stars wie Raul oder Klaas-Jan Huntelaar nicht besonders zäh?
Da gibt es keine großen Unterschiede zu den Gesprächen mit anderen Spielern, selbst wenn sie gerade erst aus der A-Jugend zu den Profis stoßen. Nur die Inhalte, sprich die Gehälter, bewegen sich eben in anderen Dimensionen.
Bereiten Ihnen schwierige Verhandlungen schlaflose Nächte?
Die gibt es öfters. Es fällt schwer abzuschalten. Am besten Hilft mir da die Familie.
Der aktuelle Kader des FC Schalke 04 ist gut besetzt. Das kann auch zur Unzufriedenheit führen, bei denjenigen Spielern, die sich in der Startformation sehen, aber vom Trainer auf die Bank gesetzt werden. Ist da manchmal der Sportdirektor als Vermittler gefordert?
Das gehört auch zu meiner Funktion, aber immer in enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit dem Trainerteam. Dass einzelne Spieler unzufrieden sind, kommt natürlich vor und kann zu einem ernsten Problem werden. Generell geht es aber nicht darum, die Unzufriedenheit beiseite zu schieben. Spürt ein Spieler diese Unzufriedenheit nicht, wenn er mehrere Spiele hintereinander auf der Bank sitzt, ist ja auch etwas faul. Aber bei der Vielzahl von Partien, die wir haben, braucht ein Trainer eben viele fitte Spieler. Es macht Sinn zu rotieren.
Wird der Spieler bereits bei der Vertragsverhandlung auf solche Konstellationen hingewiesen?
Es ist immer wichtig in den Gesprächen die Wahrheit zu sagen. Etwas komplett anderes zu versprechen, nur um die Unterschrift zu bekommen, macht keinen Sinn. Aber ein Spieler, der zu einem Topverein wechselt, weiß, dass er auch mal auf der Bank sitzen wird. Schauen Sie sich den FC Bayern an, wer da beim Champions League-Spiel am Mittwoch alles zuschauen musste und in den Begegnungen zuvor sehr gut gespielt hat.









