31.10.2011

Horst Blankenburg über Ajax Amsterdam

»Wir waren die Besten«

In Deutschland ist er fast vergessen, bei Ajax Amsterdam verehrt man Horst Blankenburg noch heute als Abwehrchef der größten Mannschaft in der Geschichte des Klubs. Hier erinnert er sich an seine Zeit mit Johan Cruyff.

Interview: Dirk Gieselmann Bild: Imago

Horst Blankenburg, in Amsterdam trägt eine Brücke ihren Namen. Sind schon mal drüber flaniert?

Ja, freilich, so etwas muss man sich ja anschauen. Aber ich bin nicht der Einzige, dem diese Ehre zuteil wurde. In einem Neubaugebiet, dort, wo das alte Stadion »De Mer« stand, wurden alle Brücken nach den Europapokalsiegern von damals benannt.   

Was gelten diese Spieler heute noch in den Niederlanden?

Bei aller Bescheidenheit: Eine ganze Menge. Jede Ajax-Mannschaft muss sich von Neuem an uns messen lassen. Wir waren schließlich die Besten der Welt.  

Der Fußball, den Ajax zelebrierte, gilt vielen als Inbegriff der Schönheit.

Ehrlich gesagt, war das ein Nebenprodukt. Wenn Intellektuelle in diese Mannschaft hineinprojizieren, dass wir Künstler gewesen seien, kann ich nur sagen: In unserer Kabine haben wir keine hochtrabenden Diskussionen geführt. Wir wollten Erfolg haben – unbedingt! Und im Gegensatz zu vielen anderen niederländischen Teams, die in Schönheit gestorben sind, haben wir diesen Erfolg auch tatsächlich gehabt.  

Sie wurden zu einer der zentralen Figuren in dieser Erfolgsgeschichte – und das, obwohl sie zuvor mit 1860 München aus der Bundesliga abgestiegen waren.

Ein gutes Spiel hatten wir ja gemacht, das 3:0 gegen Borussia Dortmund. Da saßen zwei Ajax-Scouts auf der Tribüne im Grünwalder Stadion und fragten mich hinterher, ob ich mir vorstellen könne, zu Ajax zu wechseln.  

Da sagt man nicht Nein.

So ist es. Doch die Angelegenheit zog sich, ich musste erst noch meine Einberufung zur Bundeswehr abwenden, medizinische Untersuchungen bestehen, und die Vereine mussten sich einigen. Erst am 14. Dezember 1970, ein halbes Jahr nach dem ersten Kontakt, konnte ich endlich wechseln.  

Erzählen Sie vom ersten Training mit Johan Cruyff, Arie Haan und Johan Neeskens.

Was soll ich sagen? Ich bin nicht vor Ehrfurcht erstarrt. In der Bundesliga hatte ich auch schon gegen Seeler, Beckenbauer und Netzer gespielt.  

Aber Rinus Michels wird Ihnen doch Respekt eingeflößt haben.

Er hat mir mitgeteilt, dass ich als Libero Nachfolger von Velibor Vasovic werden solle. Das war eine der wenigen Begegnungen mit ihm. Er war ein Fußballweiser mit der Aura eines Schachgroßmeisters, aber von Smalltalk hielt er nichts.  

Im Sommer 1971 ging Michels zum FC Barcelona, der Rumäne Stefan Kovacs wurde sein Nachfolger.

Kovacs ist heute ja fast vergessen – zu Unrecht! Unter ihm haben wir noch besser gespielt als unter Michels.  

Warum?

Bei Michels hatte man Angst, Fehler zu begehen, er war ein Disziplin-Fanatiker. Kovacs hingegen war eine Frohnatur, er kannte die menschliche Unzulänglichkeit und verzieh Fehler. Das hatte zur Folge, dass wir uns freier fühlten und die Kreativität eines Genies wie Johan Cruyff sich erst voll entfalten konnte.  

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