16.05.2010

Hollerbach und Eichkorn im Interview

»Das schweißt zusammen«

Bernd Hollerbach und Seppo Eichkorn sind sehr lange schon Magaths Co-Trainer. Im Interview mit dem Fanzine »Schalke Unser« sprechen sie über Metzgerlehre, Hochverrat und Empfänge durch Trompeter.

Interview: SCHALKE UNSER Bild: Imago
Bernd, Du hast eine Lehre als Metzger absolviert, und Seppo, Du bist auf einem Bauernhof groß geworden. Hat Euch das auch für Eure Trainerlaufbahn geprägt?

HOLLERBACH: Ich denke schon. Wenn Du es gewohnt bist, von klein auf mit anzupacken, und keine Scheu davor hast, bei der Arbeit auch mal ins Schwitzen zu kommen, dann prägt das einen schon. Und mir hat meine Lehre auch wirklich was für meine Fußballerkarriere gebracht, weil ich weiß, wie schwer auch nur 100 Mark, heute 50 Euro, zu verdienen sind. Man lernt sich durchzubeißen.



Und wenn Ihr nun junge Spieler seht,  die eben nicht mehr wissen, wie schwer es sein kann, 100 Mark zu verdienen, wie geht Ihr mit dieser Situation um?


EICHKORN: Wir versuchen die Spieler auch durch unser Training dahin zu erziehen, dass sie erkennen, dass sie privilegiert sind.  Den Spielern diese Philosophie zu vermitteln, ist auch unsere pädagogische Aufgabe. Da sind dann auch mal ein paar anstrengendere Einheiten dabei. Wenn man aber als Mannschaft da durch geht, dann stärkt das auch das Zusammengehörigkeitsgefühl. Diese Erfahrung haben wir immer gemacht seit wir mit Felix zusammenarbeiten.

Aber der Wunsch Eurer Eltern war, dass Ihr eigentlich etwas „Vernünftiges“ lernt, oder?


EICHKORN: Ich habe ja noch zwei Brüder und einer davon war prädestiniert dafür, den Hof der Eltern zu übernehmen. Ich wollte hingegen nie Landwirt werden. Meine Eltern hätten vielleicht lieber gesehen, dass ich Pfarrer oder Tierarzt werde, aber sie haben es respektiert und waren auch stolz darauf, dass ich meinen Weg als Fußballlehrer gegangen bin.

HOLLERBACH: Da hatte es der Seppo einfacher als ich, da ich keine Brüder habe, dafür aber zwei Schwestern. Mein Vater hätte sich sicher gefreut, wenn noch Brüder da gewesen wären, damit einer den Metzgereibetrieb übernehmen kann. Er ist schon ein bisschen enttäuscht, dass ich das nicht machen werde, und ich glaube, insgeheim hofft er immer noch, dass ich noch mal zurückkomme. 

Es gibt noch eine weitere Verbindung zwischen Euch und Felix Magath und das ist Hamburg.


EICHKORN: Meine erste Trainerstation war St. Pauli und „Holler“ kam im Dezember 1989 zu uns. Felix war zu der Zeit beim großen Rivalen Hamburger SV tätig. Sein erster Transfer beim HSV war dann Bernd Hollerbach.

HOLLERBACH: Ich bin zunächst von St. Pauli zu Kaiserslautern gewechselt, da war ich aber nicht so glücklich. Ich war nur etwa vier Monate dort, davon zwei Monate gesperrt – aufgrund einer unberechtigten roten Karte (lacht). Und dann war ich froh, als der Anruf von Felix kam. Auch der Kontakt zu Seppo ist nie abgerissen, wir haben uns immer sehr geschätzt. Es ist schön, dass wir jetzt wieder ein Gespann bilden.  

In St. Pauli warst Du ein echter Publikumsliebling, wurdest mit „Ho-Ho-Hollerbach“-Gesängen gefeiert.


HOLLERBACH: Nach dem Wechsel zum HSV aber nicht mehr. Da wurde dann aus dem „Ho-Ho-Hollerbach“ ein „Ho-Ho-Hochverrat“. Ich hatte trotzdem eine wirklich schöne Zeit bei St. Pauli. Seppo und Helmut Schulte habe ich meine Karriere zu verdanken. Ich hätte vielleicht ewig bei St. Pauli bleiben können, aber dafür hatte ich zu großen sportlichen Ehrgeiz. Wir sind damals mit St. Pauli aufgestiegen und das war dann auch ein schöner Abgang für mich. Ich denke aber, dass sich die Wogen mit den Fans deutlich geglättet haben. Ich wollte damals einfach nach vorne kommen, auch international spielen, und da bot sich der Wechsel zu Felix einfach an.

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