07.06.2012

Hollands Kapitän Mark van Bommel im Interview

»Ich bin kein böser Spieler«

Mark van Bommel spielt mit 35 seine erste EM. Im Interview plaudert der Kapitän der Elftal über das Verhältnis zu Schwiegervatertrainer van Marwijk, gesunde Härte im Fußball und seine Abneigung gegen Camping.

Interview: Oliver Trust Bild: Imago

Herr van Bommel, wie dürfen wir uns einen Kaffee-Nachmittag vorstellen, wenn Sie mit Ihrer Familie bei ihrem Schwiegervater Bert van Marwijk zu Gast sind?
Wir haben Teller, Tassen, Löffel und Gabeln auf dem Tisch.

Ist das nicht ein komisches Gefühl, mit dem Schwiegervater am Tisch zu sitzen, der gleichzeitig Nationaltrainer ist?
Beim Kaffee ist das weniger komisch, ich habe meine Frau ja geheiratet, bevor er Nationaltrainer wurde. Unter Nationaltrainer Marco van Basten hatte ich aufgehört, in unserer Nationalelf zu spielen. Ich kam erst mit meinem Schwiegervater zurück.

In den Niederlanden gab es keine Diskussion, weil der Schwiegersohn vom Schwiegervater aufgestellt wird?
Ich kann mich an keine langen Debatten erinnern.

Sie hatten selbst kein komisches Gefühl?
Ich habe schon Druck gespürt. Man könnte sagen, ich musste die ersten fünf bis zehn Spiele nachweisen, dass die Mannschaft mit mir stärker ist.

Sie haben die Prüfung bestanden?
Die anderen Spieler haben mich schnell akzeptiert. In den ersten Spielen habe ich Rafael van der Vaart ein Tor aufgelegt, dann gegen Norwegen selbst eines geschossen. Ich habe gezeigt: Ich meine es ernst.

Welcher Job ist für Bert van Marwijk denn schwieriger, seine Enkel, Ihre Kinder, zu bändigen oder die niederländische Auswahl?
Hmmm, Fußballspieler und selbst Nationalspieler sind manchmal auch wie Kinder. Aber ich denke, es sind alle drei van Bommels, die am Ende doch etwas mehr Mühe bereiten.

Ihre Söhne haben das Talent vom Vater?
Beim Kinderturnier hier im Mannschaftshotel waren sie dabei. Ihr Opa hat drei Beinschüsse von Thomas gesehen. Sie haben 5:0 gewonnen. Da war er zufrieden.

Kann ein Spieler wie Sie Vorbild sein, der als „Aggressiv-Leader“ gilt und als Großmeister des taktischen Fouls?
Es ist schon gut, wenn sie manches nicht sehen. Wenn es hitzig zugeht, finden Dinge auf dem Rasen statt, die du sonst auch nicht machst.

Man denkt als Vater über so etwas nach?
Ja sicher. Die Kinder sollen das auf dem Trainingsplatz nicht nachmachen. In der Hektik auf dem Platz denkst du da nicht drüber nach, aber später schon.

Sie haben den Ruf, ein Rüpel zu sein, der schon mal hinlangt.
Jedes Team hat solche Spieler. Ich habe noch niemanden aus den Schuhen getreten.

Es geht darum, mal ein Zeichen zu setzen?
Die Mannschaft braucht manchmal einen Push, wenn wir ein Spiel noch drehen wollen. Um das einmal klarzustellen: Ich bin kein bösartiger Spieler. Aber es gab Momente, die hätte ich im Nachhinein gerne anders gelöst.

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