27.06.2007

Holger Stanislawski im Interview

„Ich freue mich auf alle Spiele“

Seit Holger Stanislawski den FC St. Pauli vom 12. Platz in der Regionalliga zum Aufstieg geführt hat, nennen die Fans ihn „Sankt Anislawski“. Doch im Profifußball gibt es keine Heiligen. Wir sprachen mit ihm über die neue Herausforderung.

Interview: Christoph Ries Bild: Imago
Wie stressig wird ihr Doppelleben als Trainer und Sportchef einer Profiabteilung?

Diese doppelte Tätigkeit bedeutet wirklich eine Menge Arbeit. Aber wir hätten uns nicht für diese Lösung entschieden, wenn der Stress für eine Person zu hoch wäre. Es gibt ja außerdem einen Haufen von Leuten, die mich in meiner Arbeit unterstützen.

Wie kompensieren Sie den Druck, der auf diesen Ämtern lastet?

Den Ausgleich bekomme ich zu Hause, das kann ich nur immer wieder betonen. Meine Frau ist in alle Angelegenheiten eingeweiht, ohne ihre Unterstützung könnte ich das alles nicht machen.

St. Paulis Finanz-Vize Andreas Wasilewski begründete die Entscheidung damit, dass eine Personalunion „finanziell sinnvoller“ sei. Sind sie damit einverstanden?

Natürlich, diese Entscheidung haben wir ja einvernehmlich getroffen. Wir haben unterschiedliche Alternativen geprüft und sind zusammen zu dem Entschluss gekommen, dass diese Lösung zurzeit die beste ist.

Wie sehr behindert der Stadionausbau den laufenden Spielbetrieb?

Das sehe ich überhaupt nicht als Problem. Natürlich freuen wir uns alle auf die neue Südtribüne, aber die Atmosphäre in der Rückrunde war ja am Millerntor auch ohne Südtribüne großartig. Wir waren das heimstärkste Team der Liga, das sagt doch eigentlich alles.

In der letzten Saison kam es im Vorstand immer wieder zu internen Querelen. Wie groß ist ihre Sehnsucht nach Ruhe im Verein?

Sehnsucht braucht da niemand zu haben, denn Ruhe haben wir ja jetzt. Natürlich war die Situation in der letzten Saison nicht ganz einfach, aber den Einfluss auf den sportlichen Bereich konnten wir ohnehin gering halten.

Sie haben die Mannschaft als Tabellenzwölfter der Regionalliga übernommen und bis zum Aufstieg geführt. Glauben Sie an Fußballmärchen und den direkten Durchmarsch in die Bundesliga?

Da muss man schon realistisch bleiben. Wir wollen im nächsten Jahr so erfolgreich wie möglich spielen und am Ende die Klasse halten. Aber nach der letzten Hinrunde doch noch aufzusteigen – das war schon sensationell! So gesehen sind wir ja bereits mitten in einem kleinen Fußballmärchen. Wir sind selbst gespannt, wie das zum Schluss ausgehen wird…

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