27.06.2007

Holger Stanislawski im Interview

„Ich freue mich auf alle Spiele“

Seit Holger Stanislawski den FC St. Pauli vom 12. Platz in der Regionalliga zum Aufstieg geführt hat, nennen die Fans ihn „Sankt Anislawski“. Doch im Profifußball gibt es keine Heiligen. Wir sprachen mit ihm über die neue Herausforderung.

Interview: Christoph Ries Bild: Imago
Herr Stanislawski, die nächste Zweitligasaison wird vielleicht die beste aller Zeiten. Auf welche Mannschaft freuen Sie sich am meisten?

In der Tat, das sind schon klangvolle Namen in Liga zwei. Gladbach, Lautern, 1860 oder Köln – da kommen echte Traditionsvereine mit sensationellen Fußballstadien auf uns zu, ich freue mich auf alle diese Spiele! Auch am Aachener Tivoli zu spielen ist immer etwas ganz Besonderes.



Die Konkurrenz ist riesig. Warum wird St. Pauli dennoch die Klasse halten?

Die Leistungsdichte unter den Spitzenteams der Liga ist extrem hoch, keine Frage. Ich glaube aber, dass es dahinter relativ ausgeglichen zugehen wird. Wir haben den großen Vorteil, dass wir über eine eingespielte und gut funktionierende Mannschaft verfügen. Wichtig wird sein, dass wir mit unseren Fans im Rücken die Heimstärke beibehalten, die uns auch im letzten Jahr so stark gemacht hat.

Hoffen Sie auf ein Straucheln der Großen?

Wenn die Großen uns unterschätzen und gegen uns Punkte lassen sollten, kann uns das natürlich nur Recht sein. Grundsätzlich schauen wir aber nur auf uns. Wenn wir unsere Leistung bringen, dann spielen wir auch eine erfolgreiche Saison.

Ihre beiden Neuzugänge Rene Schnitzler und Alexander Ludwig bringen nicht gerade Erfahrung ins Team. Ein Nachteil im Abstiegskampf?

Das glaube ich nicht. Wir haben hier eine sehr junge, ehrgeizige Truppe. Jeder einzelne Spieler will sich im Profifußball beweisen, darauf arbeiten wir seit Jahren hin. Außerdem ist es ja nicht so, dass wir nur unerfahrene Youngster im Team haben – Leute wie Stendel, Meggle oder jetzt auch Gunesch bringen durchaus Bundesliga-Erfahrung mit.

Ihre beiden Mitaufsteiger Hoffenheim und Wehen schicken sich an, mit großem finanziellen Aufwand die Bundesliga zu stürmen. Wünschen Sie sich ähnliche Verhältnisse auch für den FC St. Pauli?

Richtig ist: Wir haben einen der kleinsten Etats in der zweiten Liga. Bei uns gibt es nun mal keinen Mäzen im Hintergrund, der seine Millionen in den Club steckt. Die ganz großen Transfers können wir uns nicht leisten. Aber dafür verfügen wir über andere Qualitäten, wie z.B. eine homogene, gewachsene Truppe oder auch die ganze Atmosphäre im Umfeld. Welches Konzept sich letztlich durchsetzen wird, werden wir sehen.

Innerhalb des Vereins arbeiten auffällig viele ehemalige Profispieler. Ist diese familiäre Atmosphäre das Geheimnis ihres Erfolgs?

Absolut. Die Identifikation mit dem Verein ist für uns alle selbstverständlich. Dazu gehört auch ein vertrauensvoller Umgang mit allen Beteiligten. Ein ehrlicher Handschlag hat bei uns noch eine Bedeutung.

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