20.01.2014

Holger Hieronymus über die Folgen von »HSVplus«

»Wie ein 2:1-Sieg über Bayern«

Holger Hieronymus, Mitglied der Initiative »HSVplus«, deren Konzept für eine Strukturreform beim Hamburger Traditionsklub mit großer Mehrheit von den Mitgliedern angenommen wurde, über seine Zukunft im Verein, Felix Magaths Alleingänge und seinen Triumph als Funktionär.

Interview: Tim Jürgens Bild: Imago


Der HSV hat Verbindlichkeiten von rund 100 Millionen Euro, die vergangene Saison hat der Klub mit einem Minus von 9,8 Millionen Euro abgeschlossen.
Ich kenne diese Zahlen auch nur aus der Medienberichterstattung. 


Und das wollen Sie mit »HSVplus« begradigen und besser machen?
Das klingt, als wäre früher alles schlecht gewesen. So ist es ja gar nicht. Darüber zu diskutieren lehne ich in dieser Phase auch ab, denn es ist noch nicht sicher, dass wir wirklich die Möglichkeit bekommen, es anders zu machen. Unsere Idee war, das Problem der Rechtsformverfehlung aus der Welt zu schaffen, die auch bei einigen anderen eingetragenen Vereinen in der Bundesliga noch besteht.


Sprich: Sie wollen die Auslagerung der Profiabteilung aus dem e.V..
Die Gemeinnützigkeit des eingetragenen Vereins kollidiert steuerlich mit dem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb der Bundesliga. Es ist bislang zwar noch zu keiner Rechtsverletzung gekommen, aber das Problem steht latent im Raum. Auf dieser Grundlage haben wir den Ansatz entwickelt, den Spielbetrieb wie übrigens Zweidrittel der Bundesligisten aus dem gemeinnützigen Verein in einer Kapitalgesellschaft auszulagern. So eine Auslagerung hätte den positiven Nebeneffekt, dass der HSV über strategische Partner nachdenken könnte, auch um von den Verbindlichkeiten herunterzukommen. Unser Grundgedanke bei »HSVplus« ist also zunächst die Auslagerung, um neue Optionen zu erschließen. Denn strategische Partner kann man rechtlich nicht in einen gemeinnützigen Verein aufnehmen.


Ernst-Otto Rieckhoff geht nach ersten Gesprächen mit »strategischen Partnern«, also Investoren, davon aus, dass der HSV in der nächsten Saison durch Anteilsverkäufe von bis zu 24,9 Prozent bis zu 100 Millionen Euro einnehmen könnte – und damit auf einen Schlag schuldenfrei wäre.
Da muss ich jetzt mal reingrätschen. Rieckhoff hat einen Betrag in dieser Größenordnung in den Raum gestellt, weil ihm unterstellt wurde, das Konzept »HSVplus« plane, sinnlos Anteile am HSV zu verschachern. Er wollte damit verdeutlichen, dass ein Anteilsverkauf nur in Frage kommt, wenn ein sehr nennenswerter Betrag dafür fließen würde. Ob 100 Millionen Euro – oder mehr oder auch weniger – realistisch sind, lässt sich erst sagen, wenn wir alle Bilanzen aus den Tochtergesellschaften kennen und auch der Wert der Marke »HSV« ermittelt ist. 


Die Gegner von »HSVplus« im Aufsichtsrat stehen Ihnen sehr kritisch gegenüber. Eckart Westphalen sprach von einer »folgenschweren Entscheidung«, Manfred Ertl hält eine Ausgliederung in Ihrem Sinne für ein »Experimentierfeld« mit unabsehbaren Folgen, für Jürgen Hunke käme ein Anteilsverkauf der Veräußerung des »Tafelsilbers« gleich. Was entgegnen Sie diesen Leuten?
Gar nichts mehr. Wir haben uns auch mit den genannten Personen im Vorfeld ausführlich ausgetauscht. Da gibt es unterschiedliche Auffassungen, die wir versucht haben zusammenzuführen. Leider ist ein Kompromiss nicht gelungen. Nun haben die Mitglieder entschieden. Ende der Diskussion.


Verstehen Sie die Angst vor dem Einstieg von Oligarchen und schwer durchschaubaren Investoren?
Die Fans fürchten sich vor einem Modell, wie es in England beispielsweise beim FC Chelsea vorherrscht, wo ein Roman Abramowitsch sich einen Klub zu einhundert Prozent einverleibt hat. Diese Angst kann ich nachvollziehen, aber sie ist schon allein deshalb unbegründet, weil die DFL die 50+1-Regel aufgestellt hat und wir diese Regelung on top auch noch in unserer Satzung verankert haben. Es wären nur maximal 24,9 Prozent Anteile, die theoretisch an Partner veräußert werden könnten.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden