08.12.2012

Holger Britzius, das Gesicht von Deutschlands bester Fußballkneipe

»Der Laden ist mit den Gästen gewachsen«

Holger Britzius ist das Gesicht von Deutschlands bester Fußballkneipe, dem Stadion an der Schleißheimer Straße in München. Zum Jahresende steigt er aus. Das Abschiedsinterview über eine Kneipe als Museum, Zechen mit Ansgar und »Ente« Lippens’ Schlafanzug.

Interview: Jens Kirschneck Bild: Daniel Delang

Holger, woher hattest du die Idee zum Stadion an der Schleißheimer Straße?
Während der WM 2006 war ich viel mit Freunden unterwegs, dabei mussten wir feststellen, dass es in kaum einer Stadt eine gescheite Fußballkneipe gab. Daraus entstand, quasi als Schnapsidee, die Vision einer solchen Bar mit Tribüne, einem Spielfeld an der Decke und allem Pipapo.

Und wie wurde aus der Idee eine richtige Kneipe?
Kurz nach der WM drohte mein Stammlokal, das »Vollmond«, zu schließen. »Das kannst du nicht machen«, habe ich zum Wirt gesagt, »ich bin extra wegen deiner Kneipe in diese Gegend gezogen.« Darauf meinte er: »Wenn du eine Idee hast, dann steig doch mit ein.« Also haben wir zusammen das Stadion an der Schleißheimer Straße daraus gemacht: ohne Geld, aber mit vielen Schals und Reißnägeln.

Das Auffälligste ist die üppige Ausschmückung mit Fußballdevotionalien.
Es ist so gekommen, wie ich es mir gewünscht habe: Der Laden ist mit den Gästen gewachsen. Ohne die ganzen Sachen, die Leute aus ihren Kellern geholt haben, wäre die Kneipe nicht die, die sie ist. Auch aus diesem Grund wird es Zeit für mich aufzuhören: Es ist einfach kein Platz mehr für neue Sachen da.

Wie viel von dem Zeug stammt von dir?
Maximal noch ein Viertel.

Hast du ein Lieblingsstück?
Momentan sind es die alten Kutten von 1860 und dem FC Bayern, die über dem Eingang hängen. Ich arbeite nebenbei als MAZ-Redakteur bei Sky, die Löwen-Kutte wurde mir von einem Kollegen gestiftet. Als sie in unserer Übertragungsbox über dem Stuhl hing, kam der Kommentator Marc Hindelang rein und erstarrte zur Salzsäule, denn er ist Bayern-Fan. Also haben wir als Leihgabe jetzt auch noch seine alte Südkurven-Kutte vom FC Bayern.

Verbinden sich mit vielen Stücken besondere Geschichten?
Mit einigen. Ein Vater hat uns den Schal geschenkt, den seine verstorbene Tochter beim Champions-League-
Endspiel zwischen Borussia Dortmund und Juventus Turin getragen hat. Dann sind da noch die Torwarthandschuhe vom Abschiedsspiel Toni Schumachers ...

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